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Der Geschlechterkampf der Antifeministen im Netz Feindbild Frau

Netzkultur am 20.7.2015 von Sebastian Witte

Im Netz gibt es ja eine Menge Verschwörungstheorien. Von schädlichen Chemtrails bis hin zur angeblichen Wahrheit über 9/11. Hinter diesen Machenschaften stecken meist angeblich übermächtige Geheimorganisationen, die niemals dingfest gemacht werden können.

Manche Männer vermuten auch, dass Frauen in Wirklichkeit der Feind sind! Online wird auf verschiedenen Seiten darum über feministische Verschwörungen diskutiert. Sebastian Witte ist in die Welt der Maskulinisten und angeblichen Männerrechtler vorgedrungen.

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"Return of Kings", also "Rückkehr der Könige" nennt sich eine amerikanische Website so genannter "maskuliner Männer". Kürzlich wurde dort dazu aufgerufen, den Actionfilm Mad Max zu boykottieren. Grund: Angeblich sei in dem Film feministische Propaganda versteckt. Eine Frau schießt hier nämlich genauso rabiat um sich wie ihre männlichen Leinwandkollegen. Ein Affront für die US-amerikanischen Antifeministen!

Ähnliche Aktivisten gibt es auch im deutschsprachigen Netz. Einer von ihnen ist Detlef Bräunig. Er betreibt einen Blog: "Das Männermagazin". Im Telefoninterview erklärt er, wie Frauen seiner Meinung nach denken und handeln:

"Wenn Sie Frauen fragen, ob die sich vorstellen können bis zur Rente durchzuarbeiten, sagen sie: "Nee! Ich will Kinder kriegen!" Und damit sagen Frauen: wenn sie ein Kind haben wollen, dann wollen sie zu Hause bleiben. Da ist von Arbeit keine Rede mehr!" Detlef Bräuning

Bräunig hat 1300 Likes bei Facebook und 200 Follower bei Twitter. Eine kleine aber treue Leserschaft offenbar Gleichgesinnter, die ihn für seine kruden Thesen feiern. Mir rät der selbst ernannte Männeraktivist mich sterilisieren zu lassen, damit Frauen mir keine Kinder anhängen könnten. Danach landet unser Telefoninterview ungefragt auf seinem YouTube Channel. Auch dort erntet er Likes.

"Der junge Journalist wird über sein Dasein nachdenken", sagt Bräunig nach unserem Interview in die Kamera. Sein Blog ist vernetzt mit anderen Antifeministen. Zum Beispiel mit der Plattform Wiki Mannia. Nach eigener Aussage ist das eine Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern, sowie Bevorzugungen von Frauen und, wie es in der Wikimannia-Sprache heißt, "Maiden". Die Unterdrückung von Frauen oder der PayGap seien von ihnen selbst erfunden worden, wird da behauptet. Die Lohndiskriminierung sei ein Mythos des Feminismus. Ein Interview wollen mir die Seitenbetreiber nicht geben. Aber sie schreiben mir eine Mail. Sie würden nur Infos sammeln, unter anderem zur Feminismuskritik. In der E-Mail erklären sie:

"Damit wir aber nicht ganz so schmalspurig aufgestellt sind und auch andere Interessengruppen erreichen, haben wir noch Artikel zu anderen Themen aufgenommen. So sind etwa die Einträge Pegida, Montagsdemo, Demo für Alle und BRD GmbH entstanden, um so auch Leser aus anderen Kreisen als nur Männerrechtler und Feminismuskritiker zu gewinnen." Aus einer E-Mail der Seitenbetreiber von Wikimannia

Pegida und Antifeministen gehen also Hand in Hand? Teilweise ja, sagt eine Studie des Soziologen Hinrich Rosenbrock aus dem Jahr 2012. Dort heißt es:

"Teile der antifeministischen Männerrechtsbewegungen lesen rechtsextreme Seiten wie "Politically Incorrectness" und "Altermedia" sowie das neu-rechte Blatt "Junge Freiheit". Die Verbindungen sind nicht allein inhaltlicher Natur, sondern es werden auch Strukturen und Ressourcen gegenseitig zur Verfügung gestellt."

Zwei Männer im Gespräch

Männer im Gespräch

Zu Versammlungen oder Demos kommen immer nur wenige Dutzend Männerrechtler, Maskulisten und Antifeministen. Die Strukturen funktionieren vor allem online. Schließlich verbreiten viele Männer ihren Frauenhass gerne anonym. In Netzwerken und Foren bedrohen sie Frauen und andere Männer, die nicht ihrer Meinung sind. "Ich werde ihm persönlich die Kehle aufschlitzen" postet ein User über einen unliebsamen Forscher. Ein anderer schreibt: "Von eierstocktragenden Fickpuppen lass ich mir nicht die Welt erklären!"

Die Soziologin Ilse Lenz forscht in Sachen Antifeminismus. Sie erklärt in einem Vortrag:

"Diese affektive Abwehr dient der Vergemeinschaftung und der Gemeinschaftsbildung und durchaus auch des Einübens von Hass und Abkehr vom rationalen Dialog." Ilse Lenz

Die Kreise der Verschwörungstheoretiker und Männerrechtler seien klein, aber gut vernetzt, sagt Lenz. Das Internet ist ihr Forum – dort finden sie ihre hasserfüllte Leserschaft.

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