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Das Alamannen-Museum in Vörstetten b. Freiburg Ein Dorf im Dorf

Museumsführer am 6.7.2016 von Fanny Opitz

Brot backen im Lehmkuppelofen und schießen mit Pfeil und Bogen. Wer sich schon immer wie ein richtiger Alamanne fühlen wollte, kann nördlich von Freiburg auf Zeitreise gehen. Im Alamannen-Museum Vörstetten kann man erfahren wie die Nachbarn der Römer am Oberrhein gelebt haben. Nahe einer historischen Ausgrabungsstätte wurde hier eine frühalamannische Siedlung rekonstruiert.

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In verwaschenem Jeanshemd und Baseballmütze steht Helmut Köser hinter einer schmalen, etwa hüfthohen Drechselbank. Sachkundig spannt er ein Stück Holz auf, das er mit einem Metallstab von Hand bearbeitet. Diesen Handgriff sollen vor etwa 1600 Jahren schon die Alamannen ausgeführt haben.

"Die Alamannen waren Meister der Holzbearbeitung und haben ihre Möbel selbst hergestellt; sie haben geschreinert, gedrechselt, und alles schön gemacht, damit man es auch gemütlich hat in den Wohnräumen." Helmut Köser, Gründer des Alamannen-Museums in Vörstetten

Ganz am Ortsrand, inmitten eines Wohnviertels, hat der ehemalige Politikprofessor auf einem etwa 4000 Quadratmeter großen Grundstück, das er von seiner Mutter geerbt hat, den Nachbarn der Römer ein besonderes Denkmal gesetzt. Hinter dem Eingangsbereich des Museums, einem modernisierten Fachwerkhaus führt ein ausgetretener Pfad direkt in die Spätantike. Links und rechts des Weges stehen in Hufeisenform niedrige, einstöckige Häuser aus Lehm, mit Dächern aus Reet, einer Art Schilf. Dazwischen ein Kräutergarten, ein Brunnen und ein kleiner, zugewachsener Tümpel; eine Kultstätte, in der die Alamannen wertvolle Gegenstände opferten.

"Wir hatten hier in Vörstetten drei archäologische Ausgrabungen. Da wurde hier eine frühalamannische Siedlung hier in Vörstetten entdeckt und auf der Grundlage haben wir das alamannische Dorf rekonstruiert." Helmut Köser

Herzstück des verwunschenen Grundstücks ist ein längliches Gebäude: das Wohnstallhaus. Es besteht nur aus einem einzigen Raum, in dem die Alamannen nicht nur Vieh in kleinen, mit Holzbalken und Stöcken abgetrennten Nischen gehalten haben. Auch der Alltag einer bis zu zwölfköpfigen alamannischen Großfamilie spielte sich hier rund um die Feuerstelle in der Mitte des Raums ab.

Alamannen-Museum Vörstetten, Wohnstallhaus

Alamannen-Museum Vörstetten, Wohnstallhaus

"Also die Vorstellung, dass die ständig auf der Jagd waren und Wildschwein gegessen haben, das ist ein Klischee von amerikanischen Spielfilmen." Helmut Köser

Stattdessen waren die Alamannen sehr fortschrittlich: Sie bestellten nicht nur Getreidefelder mit Roggen und Emmer, trockneten das Getreide anschließend in einem Lagerhaus, mit höhenverstellbarem Dach, sondern trieben auch Handel mit den Römern. Mit ihnen tauschten die Alamannen Glas, das sie zu Schmuck weiterverarbeiteten. Absicht des Museums ist, vor allem diese Handwerkskünste an Kinder und Jugendliche weiterzugeben.

"Also das hier sind original nachgeschmiedete Werkzeuge der damaligen Zeit. Diese Zange zum Beispiel, um das Eisen ins Feuer zu halten. Das wurde erhitzt – so jetzt – und dann sitzen die Schüler da zu zweit und dann geht’s los." Helmut Köser

Ob beim Backen im Lehmkuppelofen oder beim Weben und Schmieden nach alten Techniken – im Freilichtmuseum kann man zum Alamannen auf Zeit werden. Wer mehr wissen will, findet im Eingangsbereich in der Dauerausstellung Lesestoff. In liebevoller Detailarbeit hat Helmut Köser mit Archäologen, Historikern und ehrenamtlichen Mitarbeitern ganz ohne Vitrinen ein kleines Paralleluniversum geschaffen, das noch viel zu unbekannt ist:

"Wir sind hier in einer frühen Zeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter. Und diese Lücke ist im allgemeinen Bildungsniveau eine echte Lücke. Und deswegen ist es für uns so schwer, in der Museumslandschaft diesen Standort zu definieren." Helmut Köser

Alamannen-Museum Vörstetten (Hofbelebung)

Alamannen-Museum Vörstetten (Hofbelebung)



Info: Das Alamannen-Museum ist geöffnet: Do 10-17 Uhr, Fr 10-15 Uhr und samstags von 14-18 Uhr. Die nächste Hofbelebung findet vom 15.-17. Juli 2016 statt (Vorführungen rund um Handwerk und Lebensalltag der Alamannen)

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