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Meinung 2.8.2013 Endlich Licht in der Schattenwirtschaft!

Hans Gerzlich über das Recht auf korrekt ausgeführte Schwarzarbeit

Der Bundesgerichtshof verhandelte darüber, ob private Auftraggeber bei schlecht ausgeführter Schwarzarbeit Nachbesserungen verlangen können. Ist das nicht absurd? Konkret prüften die Karlsruher Richter die Klage einer Hausbesitzerin gegen einen Handwerker wegen einer nicht ordentlich gepflasterten Auffahrt. Gestern verkündeten die Richter das Urteil: "Keine Haftung für Pfusch bei Schwarzarbeit." Endlich Licht in der Schattenwirtschaft?

Kennen Sie das? Sie haben sich das Bad neu fliesen lassen, das Laminat verlegen oder das Wohnzimmer tapezieren, und nun sind die Badkacheln grün statt blau, das Laminat hat Dehnungsfugen von der Größe des Marianengrabens und die Tapeten hängen quer statt längs an der Wand. Was machen Sie? Genau: Sie pfeifen den Handwerker zurück und verlangen Nachbesserung. Was macht der Handwerker? Ebenso genau: Er windet sich wie ein Aal, geht nicht mehr ans Telefon, stellt sich tot. Dann zieht man vor den Kadi. "Hier ist die Rechnung, dafür will ich jetzt Leistung!"

Was aber, wenn der fleißige Handwerksgesell abends oder am Wochenende bei Ihnen mal reingeschaut hat und Sie gar keine Rechnung haben? Dann wird der auch verklagt - dachte sich jedenfalls eine Hausbesitzerin aus dem Norddeutschen, die sich ihre Auffahrt zwar mit grauen Steinen, aber in schwarzer Arbeit hat herrichten lassen.

Schwarzarbeit, eine der wenigen verbliebenen Wachstumsbranchen in Deutschland - neben Handyläden und Sonnenstudios. Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung schätzt im Bereich der Schattenwirtschaft die - Achtung Wortwitz! - Dunkelziffer auf über 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das heißt, dass rund neun Millionen Menschen in Deutschland am Fiskus vorbei malochen gehen. BAT - bar auf Tatze.

Der Bundesgerichtshof hat übrigens entschieden: Wer Schwarzarbeiter beschäftigt und damit dem Staate seine ihm gesetzlich zustehenden Abgaben vorenthält, braucht sich nicht hinterher an die Gerichte eben dieses Staates zu wenden, wenn es Ärger mit dem Fliesenleger gibt.

Recht so. Denn: Wenn ich meine Auffahrt in Schwarzarbeit pflastern lasse, verhalte ich mich nicht anders als irgendein Konzernboss, auf den wir sonst so gerne eindreschen, der seine Gewinne ins Ausland verschiebt, um hier keine Steuern zahlen zu müssen. Oder als der Fußballpräsident, der sein Zockergeld in der Schweiz geparkt hat. Oder als der Kabarettist, der beim Finanzamt nur 200 Zuschauer angibt statt dreihundertfü... Gut, aber das gehört jetzt nicht hierhin.

L' état c'est moi? Der Staat sind wir! Unsere Gesellschaft wäre reicher - und das nicht nur im materiellen Sinne - wenn uns das nicht immer erst einfiele, wenn wir seine Hilfe benötigen. Zum Beispiel um den Handwerker zu verklagen, wenn der uns in Schwarzarbeit die Auffahrt schlecht gepflastert hat ...

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