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Meinung 6.6.2013 Das Binnen-I war gestern

Hans Gerzlich über den Entschluss der Uni Leipzig, künftig nur noch von Professorinnen zu sprechen

Hauptgebäude der Leipziger Universität

Hauptgebäude der Leipziger Universität

Hallo, liebe Hörerinnen an Ihren Radiogerätinnen, in Ihren Automobilinnen oder an Ihren Arbeitsplätzinnen!

Tja, unsere bislang maskulin dominierte Sprache wird weiblich... Den ersten Schritt dazu getan hat nun die Universitätin Leipzig. In deren Satzung gibt es nämlich ab sofort nicht mehr die allseits bekannte Schrägstrichvariante 'Professor/in', sondern einfach nur noch Professorin. Und zwar Frau Professorin und Herr Professorin.
OK, hört sich auf den ersten Blick - äh, die erste Schallwelle, also die erste Schallwellin - etwas verquast an. Aber eine Sprecherin der Uni Leipzig hat das gleich ganz logisch erklärt.

Statt Frau oder Herr Professor Schrägstrich Professorin Müller, Meier, Schulze schreibt man zukünftig "Sehr geehrter Herr Professorin" - weil das den Lesefluss vereinfache. Aha!
Und damit sich beim Lesen niemand über diesen Schwachsinn wundert, soll eine Fußnote darauf hinweisen, dass mit dieser Formulierung beide Geschlechter gemeint sind.
Wohlgemerkt: Eine Fußnote, die den Lesefluss vereinfacht.

Das ist wie eine Panzersperre auf der A8, die den Verkehrsfluss vereinfacht! Gegenüber dem Herrn Professorin, der, die oder das sich jenes ausgedacht hat, muss Lukas Podolski als Intellektueller bezeichnet werden!

Als unser Verkehrsministerin Ramsauer Anfang April ankündigte, dass es in der Straßenverkehrsordnung künftig keine Fußgänger und Fußgängerinnen, sondern nur noch 'Zufußgehende' geben würde, konnte man ja noch darüber schmunzeln und das Ganze als verzweifelten Hilferuf eines beschäftigungslosen Ohnehirndenkenden abtun.

Und als die Stadt Berlin abkündigte, in Bibliotheken, Bürgerämtern und Schulen Toiletten für 'sexuell Unentschlossene' einzurichten, haben wir noch gedacht "Mein lieber Herr Kapellmeisterin, die gehen aber nun mal die wirklich drängenden Probleme an". Nebenbei gesagt: Wenn Sie eine Pommesbude aufmachen, müssen Sie da nach Geschlechtern getrennte Toiletten einbauen, sonst macht das Ordnungsamt Ihnen den Laden sofort wieder dicht, in Flugzeugen und Zügen dagegen wird seit jeher das nicht ganz so stille Örtchen gemeinsam benutzt - nicht immer zur Freude der Reisendinnen.

Die Uni Leipzig, sehr verehrte Hörerinnen des Südwestrundfunkin, ist also auf dem richtigen Wegin. Wir haben uns auch an die Rechtschreibreformin gewöhnt und an den Euronin, und in nur wenigen Monatinnen, vielleicht sogar nur Wochinnen, werden andere Institutioninnen nachziehen. Bundeskanzlerin heißt es ja schon seit Jahrinnen...