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Kulturthema 8.1.2013  "Tarantino unchained"

Simone Reber über den Event zur Deutschlandpremiere von Quentin Tarantinos "Django Unchained"

Django Unchained - Fotocall in Berlin

Die Werbemaschinerie läuft wie geschmiert. Der Regisseur Quentin Tarantino gilt als Perfektionist. So startet der Presseauftritt in Berlin mit preußischer Pünktlichkeit. In seinem asiatischen Samtjackett mit gelbem Seidenfutter gleicht Tarantino eher einem chinesischen Mandarin. Dabei zitiert sein neuer Film "Django Unchained" aus der langen Geschichte des Western. Quentin Tarantino, der Amerikaner mit irisch-indianisch-italienischen Wurzeln erzählt die Geschichte eines schwarzen Sklaven, der sich im Laufe des Films zum Cowboy emanzipiert.

Die Brutalität der Sklavenhalterei

Quentin Tarantino: "Was mich angeht, sagt der Regisseur, zumal ich zu einem Viertel Cherokee-Indianer bin, sind die Vereinigten Staaten für zwei Völkervernichtungen verantwortlich. Für die Auslöschung der Indianer und für die Versklavung von Afrikanern über 250 Jahre hinweg. Man soll die Brutalitäten sehen, die Amerikaner gegenüber schwarzen Sklaven begangen haben. Die Realität war tausendmal schlimmer, als das was ich zeige. Ich konnte nicht zeigen, wie schlimm es wirklich war, sonst könnte man den Film nicht anschauen."

Bisher hat das amerikanische Kino das Thema weitgehend ausgeklammert. In dieser Saison starten dafür gleich zwei Filme über die Sklaverei in den Südstaaten: neben "Django Unchained" widmet sich auch Steven Spielbergs "Lincoln" dem Thema. Möglich, dass die tiefgespaltene Nation sich auf einen historischen Moment besinnt, an dem sie auseinander zu brechen drohte. Für den Schauspieler und Musiker Jamie Foxx verkörpert Präsident Obama den langen Weg der Afro-Amerikaner aus der Sklaverei an die Spitze des Landes. Jamie Foxx spielt den zielsicheren Django, der mit seinen Colts die Sklavenhalter nieder schießt, bis das Blut blubbert. Vor allem der Dreh auf der historischen Evergreen Plantation bei New Orleans ist dem Schauspieler in Erinnerung geblieben.

Der harte Kerle hatte Tränen in den Augen

Jamie Foxx: "Quentin Tarantino hat die Angewohnheit am Set zwischen zwei Szenen Musik zu spielen, erzählt Jamie Foxx. An diesem Tag wünschte sich das Team ein religiöses Lied, "No Weapons" von Fred Hammond. No Weapons.... da sahen wir, wie eine der Komparsinnen ihre Arme hochwarf, als sei sie sehr bewegt. Und ich habe den großen bösen Tarantino angeschaut, der immer der harte Kerl ist, und habe Tränen in seinen Augen gesehen."

Christoph Waltz, der nach "Inglorious Bastards" zum zweiten Mal mit Tarantino zusammen arbeitet, hält sich professionell zurück. Manchmal übersetzt er für die Kollegen. Im Film streut er mit seiner gewohnt luziden Darstellung eines deutschen Kopfgeldjägers eine Prise Karl May über die Popkultur. Fernsehteams aus Österreich sind eigens nach Berlin gereist, um ihren Landsmann zu filmen, der in Hollywood gerade soviel Glück hat.

Christoph Waltz: "Wenn einem Dinge dieser Art schon auf einem silbernen Teller präsentiert werden, dann nicht auch vor Freude und Dankbarkeit eigentlich fast in die Knie zu gehen, wäre ja hybrid bis zur Unerträglichkeit."

Die niederträchtigste Rolle der Filmgeschichte

Nur Samuel L. Jackson, Tarantinos Diaboliker vom Dienst, ist diesmal kaum wiederzuerkennen in der undankbaren Rolle des schwarzen Hausdieners Stephen, der mit den Sklavenhaltern kollaboriert.

Samuel L. Jackson: "Mich hat überzeugt, dass Tarantino wieder einen geheimen Zauber fand, damit ich mich in die Figur hineinversetzen und einen Menschen erschaffen konnte, der unvergesslich, aber auch abscheulich sein würde. Die niederträchtigste Rolle in der Filmgeschichte, das war die Herausforderung, der ich mich stellen musste."

Wie gewohnt zitiert "Django Unchained" Comics, Italo-Western und Billig–Kino. So nahtlos fügt sich der Film in die Tradition cineastischer Gewaltunterhaltung, dass ihm dabei alle Ecken und Kanten glatt poliert wurden. Zwar haftet auch dem Berliner Auftritt in der Ballung von Finsterlingen subversiver Charme an. Doch das alles ist so perfekt inszeniert, dass die Rebellion von der Unterhaltungsindustrie geschluckt wird.

Simone Reber

Letzte Änderung am: 08.01.2013, 16.04 Uhr

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