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Kulturthema 15.2.2013  Die Medici: Menschen, Macht und Leidenschaft

Eberhard Reuß über die Medici-Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

Sie zählen zu den berühmt-berüchtigtsten Familien der Weltgeschichte. Im 14. Jahrhundert durch Mord und Intrige an die Macht gekommen, wurden die Medici zu den unumschränkten Herrschern von Florenz und der Toskana. In Mannheim ist jetzt eine umfassende Ausstellung über sie zu sehen.

Ausstellung "Die Medici"

Ein sogenannter 3-D-Nachdruck des Schädels von Anna Maria Luisa de Medici (1667 - 1743)

"Menschen, Macht und Leidenschaft" lautet der Untertitel der Ausstellung in Mannheim. Man könnte auch ergänzen: Eine gesundheitlich höchst angeschlagene Dynastie. Denn die Mannheimer Medici-Schau verfährt nach dem Prinzip: Man nehme Originalporträts der berühmtesten Medici und stelle diesen die Befunde moderner medizinischer Knochenanalyse gegenüber.

So blickt uns düster-melancholisch Lorenzo Il Magnifico an. Ein Ölgemälde aus den Uffizien samt Lorenzos überlebensgroßer Büste werden per Video-Clip konfrontiert mit Röntgenbildern. Und siehe da: Lorenzo Il Magnifico war gar nicht so prächtig beieinander wie sein Beiname behauptet, sondern vielmehr ein Leben lang geplagt von Schuppenflechte, Arthritis und anderen Beschwernissen. Kurator Wilfried Rosendahl über sein Ausstellungsprinzip:

"Diese Bilder sind geschönt. Die Personen wurden so in Pose gesetzt, dass der schiefe Unterkiefer zum Beispiel nicht so schief war, und Lorenzo der Prächtigen, der einen Nasenscheidewandfehler hatte, näselte und als hässlich galt, hat gesagt: 'Ich kann schlecht riechen, aber das ist ja nicht schlimm. Es gibt viel mehr Dinge auf der Welt, die schlecht riechen als gut riechen.'"


Die Geschichte der Medici vom 14. bis 18. Jahrhundert aus dem Blick der Krankenakte. Kopf an Kopf, Befund neben Befund. Schicksal neben Schicksal. Johanna von Österreich, eine berühmte Medici-Tochter. Gepeinigt von einem extremen Beckenschiefstand, gleichwohl zehnfache Mutter. Wilfried Rosendahl:

"Es ist für uns heute unglaublich, auch die Schmerzen, die da vermutlich mit zusammen hängen. Hinzu kommt noch, dass Johanna von Österreich nicht einmal von ihrem Mann geliebt wurde. Sie war verheiratet, sollte Kinder gebären, und ganz offensiv hat ihr Mann das Verhältnis mit Bianca Cappello, seiner Geliebten, weiter geführt. Das sind Geschichten, die weit zurück liegen, aber vielleicht doch auch in die heutige Zeit passen könnten."

Vom Medici-Papst Clemens VII. bis zur blutrünstigen Königin von Frankreich und Hugenotten-Mörderin Katharina de Medici - Geschichte wie in TV-Serien aus den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, meint Rosendahl:

"Die Medici-Geschichte ist vergleichbar mit Dallas und Denver-Clan. Das ist eine Geschichte der Renaissance. Wir zeigen die Geschichten, die das Leben geschrieben hat. Wir machen eine Begegnung mit diesen Berühmtheiten möglich."

Gern hätte man auch etwas von Michelangelo, Leonardo, Raffael und anderen Künstler der Medici-Ära der Renaissance erfahren, auch Bettelmönch Savonarola kommt nicht vor – sagen Sie jetzt aber bitte nicht, den haben die Medici ja verbrannt, da sind gar keine Knochen mehr da. Dafür finden wir einen Wirbelknochen von Galileo Galilei, der hat sein Hauptwerk über die Entdeckung der Jupitermonde der Familie Medici gewidmet. Was Galileo vielleicht am Ende – zusammen mit dem Widerruf seine revolutionären Erkenntnisse über das Weltall – das Leben gerettet hat.

Am Anfang und am Ende der Mannheimer Medici-Schau wird indes an Anna Maria Luisa de Medici erinnert, Kurfürstin der Pfalz und letzte der Medici, kinderlos gestorben anno 1743. Die Frau, die dafür sorgte, dass die Kunstschätze der Medici bis heute in Florenz verblieben sind. Anna Maria Luisa de Medici, exhumiert von Wilfried Rosendahl. Quasi das kurpfälzische Bindeglied zwischen Mannheim und Florenz. Anlass für die Medici-Schau in den Reiss-Engelhorn-Museen. Wilfried Rosendahl:

"Das war eine große Ehre, im Oktober letzten Jahres haben wir das Grab geöffnet. Der Schädel trug eine Krone, aber es ist keine Medici-Krone, keine Grabkrone, sondern es ist eine deutsche Krone, es ist wohl ein Kurhut aus der Regierungszeit ihres Mannes."

Ausstellung
17. Februar bis 28. Juli 2013
"Die Medici - Menschen, Macht und Leidenschaft"

Reiss-Engelhorn-Museen

Museum der Weltkulturen

D5
68159 Mannheim

Tel:
0621 / 293 31 50
Fax:
0621 / 293 9539
Internet:
Reiss-Engelhorn-Museen

Öffnungszeiten
Täglich außer Montag, auch an Feiertagen: 11-18 Uhr
24. und 31. Dezember geschlossen


Eberhard Reuß

Letzte Änderung am: 15.02.2013, 10.56 Uhr

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