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Kulturthema 22.1.2013  Lincoln, der Film

Herbert Spaich über Steven Spielbergs neuen Film

Britisch-Irischer Schauspieler Daniel Day Lewis als President Abraham Lincoln.

"Lincoln": Präsidentenportrait zwölf mal für Oscar nominiert

Keinem anderen Präsidenten der USA widmete sich Hollywood derart oft wie Abraham Lincoln. Wie kein anderer Politiker Nordamerikas verkörpert Lincoln den Geist der Freiheit, Brüderlichkeit und Toleranz. Einer, der in schweren Zeiten eine Nation einte und gleichzeitig vom Makel der staatlich sanktionierten Sklaverei befreite. Große Regisseure wie W.D. Griffith oder John Ford setzten Abraham Lincoln in der Vergangenheit filmische Denkmäler. Jetzt ist mit "Lincoln" von Steven Spielberg ein neuer Film über den legendären US-Präsidenten in den deutschen Kinos angelaufen. In den USA hat "Lincoln" bereits Furore gemacht und gilt mit einem Dutzend Nominierungen als Favorit bei den diesjährigen "Oscars".

Ein Bürgerkrieg, die Abschaffung der Sklaverei und die Beschaffung von Mehrheiten

Frühjahr 1865: der amerikanische Bürgerkrieg geht in sein viertes Jahr: eine Million Menschen sind dabei umgekommen. Der Süden hat den Krieg verloren; die Nordstaaten unter Präsident Lincoln haben gewonnen. Jetzt kommt es darauf an, die zutiefst verfeindeten Parteien wieder in einer gemeinsamen Nation zu vereinen. Vor allem aber, den Anlass des Krieges zu beseitigen: die Sklaverei.

Das künftige Verbot der Sklaverei in den USA soll in einem Zusatzartikel der Verfassung festgeschrieben werden. Um ihn verabschieden zu können, benötigt Lincoln die Mehrheit im Repräsentantenhaus, die seine Partei der Republikaner nicht hat. Also müssen Abgeordnete der Demokraten als Unterstützer gewonnen werden. Nicht nur dieser Umstand macht Lincoln Sorgen. Auch in den eigenen Reihen ist der Zusatzartikel höchst umstritten. Den einen geht er nicht weit genug, die anderen sehen darin ein entscheidendes Hindernis auf dem Weg zum Frieden mit den Südstaaten. Hier ist die billige Arbeitskraft der Sklaven ein Wirtschaftsfaktor.

Ein weiteres Dilemma für Präsident Lincoln: er muss den Zusatzartikel 13 unter Dach und Fach bringen, bevor der Frieden mit dem Süden amtlich ist. Wenn die Konföderierten-Politiker aus dem Süden wieder an der Macht in Washington beteiligt sind, hat die Abschaffung der Sklaverei keine Chancen mehr. Der Krieg wäre außerdem sinnlos gewesen.

Spielbergs neuer Film: Kammerspiel statt Schlachtenrummel

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Historienfilm "Im Glanz der Sonne" oder "Der Soldat James Ryan" geht Steven Spielberg bei seinem "Lincoln" mit opulenten Schlachtszenen äußerst zurückhaltend um. Er konzentrierte sich auf die letzten vier Monate des Bürgerkriegs und Lebens von Abraham Lincoln in denen es um die diplomatische Klärung heikler innenpolitischer Fragen ging. Spielberg inszenierte seinen Film als Kammerspiel über politisches Taktieren in Zeiten der Krise. Darin ist Abraham Lincoln ein Meister, der kein Problem damit hat, nach dem Motto zu verfahren, der Zweck heiligt die Mittel. Steven Spielberg:

"Ich wollte in erster Linie einen Einblick den Arbeitsalltag eines Staatsoberhaupts geben. Ich hoffe, mein Film zeigt, wie es Lincoln immer wieder gelingt, die Balance zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren zu halten. Kompromisse einzugehen ohne das persönliche Ziel aus den Augen zu verlieren..."

Das Ergebnis ist eine faszinierende Innenansicht amerikanischer Politik und die Rolle, die der Präsident dabei spielt. Ob er nun Lincoln oder Obama heißt. Steven Spielberg liefert mit seinem Film einen wichtigen Beitrag zur Klärung politischer Verhältnisse. Nüchtern zeigt er, wie dabei Pragmatismus ebenso notwendig ist wie Idealismus. Entscheidend zur nachhaltigen Wirkung dieses "Lincoln"-Films trägt die fulminante Verkörperung der Titelrolle durch Daniel Day-Lewis bei! Es dürfte die Rolle seines Lebens sein….

Spielbergs "Lincoln", das ist "Bildungskino" im besten Sinne, dem viele Oscars zu wünschen sind!

Herbert Spaich

Letzte Änderung am: 22.01.2013, 08.51 Uhr

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