Kulturthema 5.2.2013

"Renoir"

Herbert Spaich mit der Kritik über den neuen Film von Gilles Bourdos

Herbert Spaich

Michel Bouquet in seiner Rolle als Auguste Renoir und Vincent Rottiers als Jean Renoir

Michel Bouquet als Auguste Renoir und Vincent Rottiers als Jean Renoir

Der Vater ein bedeutender Maler, der Sohn ein nicht weniger bedeutender Filmregisseur: August und Jean Renoir. Mit dem Verhältnis der Beiden zu einander beschäftigt sich zum ersten Mal ein Film, der diese Woche in den deutschen Kinos anläuft. Er heißt ganz einfach "Renoir" und ist zurzeit ein Hit in den französischen Kinos.

August Renoir ist Mitte 70. Krankheit und der Tod seiner Frau zehren an seinen Kräften. Seine Kreativität droht zu erlahmen. Der Maler lebt zurück gezogen an der Cote d’Azur. Der Erste Weltkrieg ist weit weg. Eines Tages stellt sich Renoir eine charmante junge Frau vor. Sie heißt Andree und möchte ihm Modell stehen. Der Maler fühlt sich durch sie gleichermaßen berührt wie inspiriert und engagiert sie. Andree ist nicht nur schön, sondern auch klug und vor allem ist eine eine hervorragende Zuhörerin. August Renoir hat Kummer mit seinen beiden Söhnen, die ganz und gar nicht seinen Vorstellungen entsprechen: Pierre ist Schauspieler geworden, der andere ist im Krieg. Er klagt Andree sein Leid als Vater. Im Moment beunruhigt ihn Jeans Kriegsverletzung...

Doch Jeans Genesung Fortschritte und er wird nach Hause entlassen. Jean verehrt seinen Vater, weiß dessen geniale Malerei zu schätzen. Probleme macht ihm der Elfenbeinturm, in den sich der Maler als Misanthrop zurück gezogen hat und der die Welt mit Verachtung straft.

Damit kann und will sich Jean nicht abfinden. Nach seinem Selbstverständnis hat ein Künstler der Gesellschaft als Mittler zur Verfügung stehen. Auch Jean hat künstlerische Ambitionen. Er sieht sein Terrain allerdings weniger in der Malerei, als vielmehr im neuen Medium Film. Das verbindet ihn mit Andree. Er hat sich mit dem Modell seines Vaters angefreundet.

Jean Renoir wird Andree nach dem Tod seines Vaters 1920 heiraten und als Catherine Hessling zu einem der ersten französischen Filmstars machen.

Mit Michel Bouquet als August und Vincent Rottiers als Jean ist Gilles Bourdos mit seinem "Renoir" eine aufschlussreiche Hommage an den Maler und den Filmemacher gelungen. Äußerst elegant macht er das Trennende, vor allem aber das Verbindende zwischen Vater und Sohn deutlich.

Jean Renoirs filmgeschichtlicher Rang besteht unter anderem darin, dass es ihm gelungen ist, für den Impressionismus seines Vaters eine filmische Entsprechung zu finden. Formal orientierte sich nun Gilles Bourdos an den Bildern August Renoirs und an der Filmsprache Jean Renoirs, insbesondere seines Spätwerks "Das Frühstück im Grünen" von 1959. Den Zuschauer erwartet bei „Renoir“ ein faszinierender Film über eine faszinierende Vater-Sohn-Beziehung!

Stand: 05.02.2013, 08.58 Uhr