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SWR2 Kulturgespräch 14.12.2012  Genialisch gekürzt in Radio-Atmosphäre

Autor Eugen Ruge über das SWR2-Hörspiel zu seinem Roman

Sein Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" schildert das Schicksal einer DDR-Familie, in der der Glaube an den Sozialismus über mehrere Generationen langsam erlischt. Seit über 20 Jahren schreibt Eugen Ruge Theaterstücke und Hörspiele. Dann gewann sein Roman im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis und den Aspekte Literaturpreis. Jetzt hat SWR2 aus der Familiengeschichte ein Hörspiel gemacht, das am 16.12. und am 23.12. gesendet wird. Bearbeitung und Regie hat Leo Koppelmann übernommen. Auch eine Theaterfassung wird es geben.

Herr Ruge, wie war es für Sie, den Roman, in den Sie viel Kraft investiert haben, aus der Hand zu geben?

Als Theaterautor und Hörspielautor ist man natürlich gewohnt, Dinge aus der Hand zu geben. Insofern diese Erfahrung ist nicht neu. Und ich glaube, ich gehe damit einigermaßen gelassen um.

Sie haben lange gerungen mit dem Stoff, es ist die Geschichte Ihrer eigenen Familie, über vier Generationen hinweg, die zum Teil in der DDR spielt. Es geht auch um das Verlöschen dieser Familie.

Ja, es ist schon ein Roman. Meine eigene Familie ist der Hintergrund dafür, aber natürlich ist auch viel Erfindung dabei.

Warum haben Sie nicht gleich ein Hörspiel daraus gemacht, sondern sich eben an einen Roman gewagt, denn das Hörspielschreiben kannten Sie ja?

Ich habe schon einmal versucht, ein Theaterstück darüber zu schreiben. Das habe ich übrigens auch gemacht, es ist auch aufgeführt worden. Aber das betrifft nur einen ganz kleinen Teil dieses Romans, den Geburtstag, der darin auch eine Rolle spielt – den Geburtstag des Patriarchen, des alten Wilhelm.

Die Sache ist einfach die, dass mir der Rahmen meines Theaterstücks zu klein erschien für die ganze Stoffmenge, die ja sehr komplex ist. Und deswegen blieb mir also irgendwie nichts anderes übrig, als einen Roman zu schreiben.

Dass es diesen Rückweg jetzt wieder gibt, zum Theaterstück und zum Hörspiel, das ist natürlich verrückt, in gewisser Weise. Es ist auch so, dass es Reibungsverluste – oder, sagen wir mal Verluste, Reibungsverluste kann man es vielleicht nicht nennen – Verluste geben wird dabei, wenn man den Stoff doch wieder einfach verkleinert, zu einem Theaterstück oder zu einem Hörspiel. Und eine Verkleinerung ist natürlich nötig, denn sonst passt das nicht rein.

Sie sind studierter Mathematiker, der weiß, dass eine Gleichung zusammenfällt, wenn man eine Variable weglässt. Wie schwer tun Sie sich denn mit dem Kürzen.

Na ja, ich habe ja das nicht gekürzt. Das hat ja der Leo Koppelmann gekürzt.

Zum Glück.

Zum Glück. Das heißt, ich habe das Theaterstück gemacht und habe auch sehr stark gekürzt. Ich glaube, das Ding ist 78 Seiten lang. Der Roman ist ungefähr 430 Seiten lang. Kürzen ist irgendwie eben doch möglich.

Im Falle von Leo Koppelmann – wir sprechen ja jetzt über das Hörspiel – ist es auch wirklich eine genialische Kürzung, die er da vorgenommen hat. Er hat doch sehr wichtige, zentrale Fäden rausgenommen – und andere eben auch weggelassen. Und es ist auf diese Weise schon ein geschlossenes und eigenständiges Werk entstanden.

Leo Koppelmann hatte es nicht leicht, denn Ihr Roman spielt zum einen auf drei Zeitebenen und kommt dann aber immer wieder zu einem zentralen Tag zurück –  das ist der 1. Oktober 1989, der 90. Geburtstag von Wilhelm Powileit. Der wird aus verschiedenen Perspektiven, von verschiedenen Personen, erzählt. Wie geht das Hörspiel mit dieser doch komplizierten Zeitkonstruktion um?

Das kann ich in zwei Worten nicht beschreiben. Er hält sich im Wesentlichen an die Chronologie – oder an die Nicht-Chronologie des Romans. Er ist dabei etwas feingliedriger, damit man sozusagen auch die vorangegangen Stücke nicht vergisst, im Verlauf einer relativ langen neuen Episode.

Am Anfang ist es, denke ich, sicherlich nicht leicht für den Hörer, diese wechselnden Zeitsprünge mitzumachen und die Personen kennenzulernen. Aber wenn man das einmal hat, glaube ich, nach zehn bis  15 Minuten, dann ist es möglich, dem Ganzen zu folgen.

Man muss ja diese verschiedenen Zeitebenen auch in den Griff bekommen, 50 Jahre etwa umschreiben Sie in dem Roman.Für das Hörspiel hat Leo Koppelmann dazu auf historische Töne zurückgegriffen.

Ja. Das ist ganz schön, glaube ich. Es ist auch ein schönes Hilfsmittel. Er deutet dadurch atmosphärisch ein wenig das Zeitgefühl an, indem er Radioansagen, Radiokommentare verwendet, aus der jeweiligen Zeit, um eine Szene einzuführen.

Wenn Sie nun das eigene Werk anhören, in einer Bearbeitung eines anderen, geht es Ihnen da so, dass der Blick von außen das eigene Schreiben und Ausarbeiten der Figuren plötzlich klarer erscheinen lässt? Ich frage deswegen nach, weil der Autor Uwe Tellkamp beispielsweise nach der Verfilmung des "Turms" gesagt hat, er habe manche Figuren jetzt erst richtig verstanden.

Gut, ich habe vor dem Schreiben eigentlich nachgedacht, über die Figuren. Es ist natürlich so, dass man als Autor nicht immer alles wissen muss, nicht immer sozusagen jede Figur wirklich hundertprozentig interpretieren kann und können muss, um eine Figur zu beschreiben. Das ist schon klar. Und es kann sicherlich passieren, was Tellkamp da beschreibt. Mir ist das so nicht passiert.

"In Zeiten des abnehmenden Lichts" heißt der Roman, also abnehmendes, verlöschendes Licht. Das ist ein starker visueller Eindruck. Das würde sich doch auch gut für einen Film eignen.

Möglicherweise, ja. Das kann ich ja offen sagen, daran gibt es auch Interesse. Das wird man sehen, ob man da übereinkommt.

Vor einem Jahr haben Sie in einem Interview noch gesagt, nein, ein Film käme nicht infrage.

Habe ich das so gesagt, ja?

Also in etwa.

Ich habe gesagt, ich verkaufe nicht für hunderttausend Euro meine Seele. Das habe ich sinngemäß gesagt. Es müsse nicht unbedingt ein Film werden.

Und das sehe ich noch immer so. Es muss nicht unbedingt ein Film werden. Das Buch ist ja da, und wenn ich den Eindruck habe, dass daraus wirklich etwas werden kann, das ich mir hinterher schmerzfrei anschauen kann, dann würde ich dem natürlich auch zustimmen. Das Problem ist, davon müsste man mich erst mal überzeugen.

Das SWR2 Kulturgespräch mit dem Autor Eugen Ruge über das Hörspiel zu seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ führte Sonja Striegl am 14.12.2012 um 7.45 Uhr.

Letzte Änderung am: 14.12.2012, 10.23 Uhr

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