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Der Zwerchfell-Comic Verlag Comics made in Stuttgart

Kultur Regional am 30.8.2016 von Markus Pfalzgraf

Stuttgart ist eine Verlagsstadt – und was manche nicht wissen: Das gilt auch für Comics! Hier gibt es nicht nur den großen Panini-Verlag, der für Superhelden und Mangas bekannt ist, sondern auch den kleinen Independent-Verlag Zwerchfell, der sich seit fast 30 Jahren hält, und das ohne großes Budget

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Eine Comic-Lesung in einem Jugendzentrum in Stuttgart – mit einer sehr persönlichen Geschichte.

"Ich bin Sascha. Den Namen habe ich mir selbst ausgesucht, weil er ziemlich neutral ist. Das mag ich, denn das trifft auch auf mich zu. Ich zum Beispiel bin neutrois und intersexuell. Aber vor allem bin ich ein Mensch." Comicfigur

Die Comic-Figur Sascha kann und will sich nicht als Mann oder Frau verorten. Eine wahre Geschichte, verarbeitet in dem Buch "Ach, so ist das?!" mit Comic-Reportagen von Lesben, Schwulen, Trans- und Inter-Personen. Dass ein so besonderes Buch im Zwerchfell Verlag erscheinen konnte, wundert sich die Zeichnerin manchmal heute noch.

"Ich denke, das ist auch ganz stark dem Engagement und dem Interesse der Verleger zu verdanken: Also dass die wirklich thematisch voll dahinter stehen, was ich super finde, und auch wirklich wollten, dass dieses Buch erscheint." Martina Schradi

Für Martina Schradi wird die Comic-Branche in Deutschland insgesamt vielfältiger. Ihr Comic ""Ach, so ist das?!" ist Ausdruck dieser Entwicklung.

"Ich hab mir den angeguckt und gedacht: Das ist toller Kram! Es ist schwer, einen didaktischen Comic zu machen, der nicht didaktisch daherkommt, und einen Zeigefinger weglässt. Martinas Kniff, Leute zu interviewen zu ihren Lebensumständen, ist grandios." Stefan Dinter

Das sagt einer der Leiter des Zwerchfell-Verlages. Ein Lager und ein kleiner Büroraum im Stuttgarter Westen, kaum mehr als zehn Quadratmeter, und natürlich vollgestopft bis obenhin mit Comics. Eigentlich ist er selber Zeichner und Illustrator, aber zusammen mit zwei Mitstreitern eben auch Verleger.

"Wir haben keinen Vorlauf, wir sind schnell, wir machen alles selber. Das kommt auch noch von diesem Fanzine-Do-It-Yourself-Ding her." Stefan Dinter

Selbstgemacht und spontan sind die Zwerchfell-Leute auch heute noch daher, aber inzwischen professioneller – und deswegen haben sie bei jungen Künstlern einen bestimmten Ruf.

"Die sehen uns wie einen richtigen Verlag. Wir sehen uns eher als sehr familiäres Unternehmen, was versucht, gute Comics zu machen. Aber wir sind ein richtiger Verlag." Stefan Dinter

Dinter hat den Verlag zusammen mit Tauber vor fast sieben Jahren von seinen Hamburger Gründern übernommen und nach Stuttgart gebracht. Inzwischen verstärkt mit Asja Wiegand, die auch selber zeichnet. Zusammen bringen sie weiter schräge Projekte auf den Weg: Eine illustrierte Mathematik-Vorlesung, ein Heavy-Metal-Malbuch, die absurd-lustigen Gott-Comics von Aike Arndt – und der Überraschungs-Erfolg "Die Toten" – eine Serie über Zombies. Und wie kam es dazu?

"Wir waren schon wieder in der Kneipe mit den anderen Comiczeichnern, und sind wieder irgendwie auf Zombie-Filme gekommen, und wir haben wieder gesagt, wir wüssten, wie es besser geht." Stefan Dinter

Zum Beispiel: Viele verschiedene Zeichnerinnen und Zeichner, aber auch andere Autoren zu beteiligen. Die Untoten treiben ihr Unwesen auch nicht etwa in Großstädten der USA, sondern in Stuttgart, Hamburg, Heidelberg oder Baden-Baden. Zwerchfell kam mit dem Drucken nicht hinterher – aber auch dieser Erfolg hat sie nicht aus der Bahn geworfen:

"Nö, komm, einfach mal in die Vollen gehen. Mal gucken, was passiert – das ist am Ende wahrscheinlich das Verlagsmotto." Stefan Dinter

Ein Motto, das dem kleinen Independent-Verlag den Raum lässt für seine ungewöhnlichen Projekte. Und wenn, wie bei dem Comic "Die Toten", die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen, dann geht man eine Kooperation mit einem Großverlag wie Panini ein, auch um die eigene Unabhängigkeit zu erhalten.


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