Bitte warten...

Die Stuttgarter Flötistin Katharina Möritz beim Auswahlverfahren in Schloss Engers Villa Musica sucht Germanys next Superflötistin

Kultur Regional am 15.8.2016 von Henriette von Hellborn

Die Villa Musica – europaweit DIE Einrichtung für kammermusikalische Nachwuchsförderung, feiert in diesem Jahr 30jähriges Jubiläum. Jedes Jahr werden hier neue Stipendiaten „gecastet“ – könnte man neuhochdeutsch sagen. Doch da das Schwergewicht bei der Kammermusik auf den Streichern liegt, kommt es nur alle drei Jahre vor, dass auch mal Querflöten vorspielen dürfen.

Auf diesen Tag hat Katharina Möritz lange gewartet. So ein Villa Musica Stipendium, das wäre ein bedeutender Schritt hin zur Solokarriere, an der sie hart arbeitet. Andererseits: Wenn sie es nicht packt, ist der Zug für drei Jahre abgefahren. Wie fühlt sich so ein Tag an?

Um das Audio abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

Professor Alexander Hülshoff ist da, der künstlerische Leiter der Villa Musica und einer von zwei Juroren heute. Es ist neun Uhr an einem ungetrübten Morgen in Schloss Engers, in Neuwied. Hülshoff nimmt Platz neben seiner Mit-Jurorin Alja Velkaverh, - hinter einem Tisch in einem sonst recht kahlen Raum. Nur ein Flügel steht noch hier.

Durch die weißen Gänge des Schlosses weht Sommerluft, die Türen stehen offen für die Gäste des Tages: Ein Dutzend Nachwuchsflötisten, die hier heute vorspielen werden und vorher Zeit und Raum zum Einspielen brauchen. Nur auf die drei Besten unter ihnen wartet ein Villa-Musica-Stipendium.

In einem prunkvollen Saal im ersten Stock spielt sich eine flachsblonde junge Frau warm, Katharina Möritz. So freundlich wie ihr Gesicht ist auch ihre Reaktion auf die neugierige Journalistin:

"Ich hab‘ ziemlich schlecht geschlafen und hatte Alpträume, dass ich den Zug verpasse und solche bescheuerten Sachen (lacht). Ein bisschen nervös werde ich jetzt langsam. Gestern hatte ich noch mal Unterricht bei meiner Professorin und die hat auch gesagt: Mozart, alles, alles super, aber zeig' noch mehr wer Du bist. Zeig‘ mehr von dir. Du spielst alles technisch perfekt, jetzt geht es nur noch darum, von der ersten Sekunde an wirklich Musik zu machen." Katharina Möritz

Im Moment wird sie noch beäugt von einem mürrisch dreinblickenden König im Hermelinmantel – ihr Einspielraum ist behängt mit Ölgemälden und Spiegeln, ihren Flötenkoffer hat Katharina Möritz auf einer barocken Kommode abgelegt.

"Es ist so schön hier – ich will das unbedingt gewinnen, allein damit ich noch mal hier sein kann!... (lacht)" Katharina Möritz

Wie toll dieses Villa-Musica-Stipendium tatsächlich wäre, das dämmert ihr erst jetzt, eine Viertelstunde vor dem Vorspiel.

"Ich hab mich erst total gefreut, und dann hatte ich Dienst und dann ist es so ein bisschen untergegangen – dann hab ich gestern das mit Klavier gespielt und meine Korrepetitorin hat mich gefragt „Wann ist denn das Probespiel? und ich so (flüstert) oh, das ist morgen (lacht) Das war dann ein bisschen so "hui…" Katharina Möritz

Dabei zu sein ist alles …. andere als selbstverständlich! Die 12 Kandidatinnen wurden schon aus über hundert Bewerbern handverlesen. Jetzt heißt es für Katharina Möritz, unter die drei besten zu kommen. 11:30 Uhr. Fast pünktlich nach Plan wird sie in den Vorspielraum gebeten.

"So, herzlich Willkommen.“
„Danke.“
„Mit was wollen Sie denn anfangen?“
„Mit Mozart.“" Probespielszenario

Sie lacht und legt los. Virtuos und brillant. Alja Velkaverh in der Jury, scheint hinter ihrem Pokerface so manches Mal die Luft anzuhalten.
Zehn Minuten später hat die Nachwuchsflötistin ihr Vorspiel fehlerfrei zu Ende gebracht.

„Ja, mal schauen. Mit dem Mozart war ich sehr zufrieden, aber das andere Stück ist sehr, sehr schwer und wenn man da steht – ich weiß nicht, ob man’s noch sieht, aber ich hab‘ mich echt durchgeschwitzt… Mal schauen, ob‘s gereicht hat." Gedanken von Katharina Möritz

DASS es gereicht hat – das steht bei der Jury schon eine Stunde später fest. Katharina Möritz erfährt es mehr als eine Woche später:

"Eigentlich bin ich eher davon ausgegangen, dass es nicht klappt, weil ich gemerkt hab, da sind ja super Leute, die da vorspielen, die Crème de la Crème so ungefähr. Und dann hatte ich doch diese E-Mail, die da so anfing mit, glaube ich: "Leider gibt es nicht so viele Plätze, aber Sie haben einen. Und dann habe ich mich einfach riesig gefreut, dass ich wieder zu Schloss Engers darf und dass ich da drei Jahre in dieser tollen Atmosphäre Musik machen darf." Katharina Möritz

Im Moment packt sie Kisten. Gerade ist ihr einjähriges Volontariat beim RSO Stuttgart ausgelaufen. Ende August beginnt ihr Zeitvertrag bei der Staatskapelle Weimar – zum ersten Mal eine Solistenstelle! Schon wieder ein neuer Grund, aufgeregt zu sein und zuversichtlich zugleich…

Weitere Themen in SWR2