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Die Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) streitet um den Philosophen Marc Jongen Wie umgehen mit der AfD in den eigenen Reihen?

Kulturthema am 22.12.2015 von Marie-Dominique Wetzel

An der Karlsruher Hochschule für Gestaltung schwelt schon seit fast zwei Jahren ein Streit um Marc Jongen, Akademischer Mitarbeiter und ehemaliger Assistent des inzwischen in Ruhestand gegangenen Rektors Peter Sloterdijk. Jongen ist Mitglied der rechtskonservativen AfD, der "Alternative für Deutschland" – und auch deren stellvertretender Sprecher und Programmkoordinator in Baden-Württemberg. Kollegen der HfG kritisieren das, und auch auf Seiten der Studentenschaft wird protestiert. Jetzt haben einige Autoren der hochschuleigenen Schriftenreihe in einem offenen Brief gefordert, Marc Jongen als Herausgeber abzusetzen.

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Letzte Woche hing über dem Eingang der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein großes schwarzes Banner mit der Aufschrift: "AfD und Kargida not welcome". "Kargida" ist der Karlsruher Ableger der wöchentlichen Pegida-Demonstrationen und die AfD die Partei, der der umstrittene Philosophiedozent an der HfG Karlsruhe, Marc Jongen, angehört. Wer das Banner dort aufgehängt und wer es nach einer knappen Woche wieder abgehängt hat, ist nicht bekannt. "Ich war es auf jeden Fall nicht", sagt der kommissarische Leiter der Hochschule, Volker Albus. Der Professor für Produktdesign wirkt einigermaßen genervt von den Streitigkeiten rund um den akademischen Mitarbeiter Marc Jongen.

"Ich sag: Was ist passiert? Das frage ich auch jeden. Es macht ein Mitarbeiter unseres Hauses von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch. So, das ist das Kernfaktum. Und daran nehmen Leute Anstoß. Da kann ich sagen: das ist der Skandal!" Volker Albus

Niemand will und kann Marc Jongen verbieten, Mitglied einer verfassungskonformen Partei zu sein, betonen auch seine Kritiker. Aber man sollte ihn nicht mit der Herausgeberschaft der hochschuleigenen Schriftenreihe betrauen, sagt Friedrich von Borries, Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, der sich deswegen zusammen mit acht weiteren Professoren und Autoren dieser Schriftenreihe in einem offenen Brief an das Rektorat der HfG gewandt hat:

"Da gibt es einen immanenten Zielkonflikt. Wenn wir uns an deutschen Hochschulen zum Beispiel für Gleichberechtigung und Gleichstellung einsetzen und dann jemand mit der prestigieusen Aufgabe betraut wird, der in seinem privatem politischen Engagement sagt: Wo Gleichstellung geschieht, ist die Gleichschaltung nicht weit, etc. Also das finde ich einfach skandalös!" Friedrich von Borries

Von den Aussagen und Forderungen zum Thema Gleichstellung von Frauen, die Marc Jongen formuliert hat, distanziert sich auch die Gleichstellungsbeauftragte der HfG Karlsruhe, Barbara Kuon scharf. Aber sie sagt auf Anfrage von SWR2 auch, dass Marc Jongen nie versucht habe, die Gleichstellungsarbeit an der HfG entsprechend zu beeinflussen oder gar zu behindern. Auch bezüglich seiner Arbeit an der Schriftenreihe "HfG Forschung" konnte sie keinerlei diskriminierendes
Verhalten beobachten. Und Marc Jongen selbst betont immer wieder, er trenne strikt zwischen privater Meinung und seinen Äußerungen als Dozent im Rahmen seiner Philosophieseminare:

"Am allerfernsten liegt mir hier an der Hochschule irgendeine Form der Beeinflussung der Studierenden. Das ist nicht nur gesetzlich untersagt, sondern es wäre auch geradezu töricht von mir wenn ich das anstreben würde. Ich mache zwischen dem wissenschaftlichen Feld und dem politischen wechsle ich hin und her wie eine Amphibie sozusagen. Und mache da einen Registerwechsel, das ist mir vollkommen klar und den halte ich ein." Marc Jongen

Wir werden die Tätigkeiten und Äußerungen von Marc Jongen innerhalb der HfG weiterhin wachsam beobachten, sagt der kommissarische Leiter der Hochschule, Volker Albus, aber bisher habe sich niemand aus dem Kollegium oder der Studierendenschaft beschwert. Deswegen sieht weder die Hochschule noch das zuständige Wissenschaftsministerium in Stuttgart irgendeinen Handlungsbedarf. "Auch wenn die AfD eine Partei ist, die wir in keiner Weise für geeignet halten, unseren Staat und damit eben auch unsere Hochschulen zu repräsentieren: Wir werden uns selbstverständlich an geltendes Recht halten", so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber SWR2.

In der Studierendenschaft ist das parteipolitische Engagement von Marc Jongen dennoch ein viel diskutiertes Thema, sagt der ASTA der HfG Karlsruhe. Im Januar soll eine Vollversammlung einberufen werden, um die aktuelle Stimmung zu sondieren und über etwaige Protestaktionen zu beraten. Auch wenn der kommissarische Leiter der HfG, Volker Albus, das Thema gerne abgeschlossen hätte, bevor der neue Rektor, Siegfried Zielinski im Februar seinen Dienst antritt – so schnell werden die Querelen wohl nicht vom Tisch sein. Und der frühere Rektor, Peter Sloterdijk, dessen Assistent Marc Jongen war und der Jongens Vertrag entfristet hat – Peter Sloterdijk reagiert nicht auf Interviewanfragen und schweigt – aus welchen Gründen auch immer!