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Griechenland Flüchtlinge auf der Urlaubsinsel Kos

Globales Tagebuch am 30.8.2016 von Wolfgang Landmesser

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Unter einem gewölbten Dach warten ungefähr 30 Männer auf Decken und Schlafsäcken. Ihnen gegenüber sitzen vier griechische Polizisten. Erst vor drei Tagen sind die jungen Männer mit einem Boot von der türkischen Küste auf Kos angekommen. Sie wurden registriert und warten jetzt auf ihre Papiere, sagt Abdul aus Pakistan.
Das Camp liegt auf einem Hügel, ungefähr 15 Kilometer von der Inselhauptstadt entfernt. Es wurde erst in diesem Frühjahr gebaut, einer von fünf sogenannten Hotspots auf den griechischen Inseln. Alle Flüchtlinge, die noch auf Kos ankommen, werden hierhin gebracht. Warten auf die Papiere
 
"Im Lager wird es immer enger", erzählt Ali, der seit eineinhalb Monaten hier ist. Inzwischen müssten viele im Freien schlafen. Mit seinen Freunden ist der 24-Jährige unterwegs zum Strand. Einige der Jungs haben kleine Handtücher über den Schultern. Abends müssen sie wieder ins Camp zurück. Sie warten auf Papiere, um arbeiten und die Insel verlassen zu können. Deswegen hat Ali wie die meisten hier Asyl beantragt. Aber die Verfahren ziehen sich hin. Nicht anerkannte Asylbewerber müssen in die Türkei zurück. Gerade für Pakistaner wie Ali stehen die Chancen schlecht, weil sie als Wirtschaftsflüchtlinge gelten.
 
Auf dem Dorfplatz von Pili sind keine Flüchtlinge zu sehen. Es ist Mittagszeit. In der Taverne von Katerina Drossou sitzen ein paar Touristen. Insgesamt läuft das Geschäft deutlich schlechter als im vergangenen Jahr, sagt die Wirtin. Dabei habe sich die Flüchtlingssituation inzwischen beruhigt:

"Es gibt hier keine Probleme mit den Flüchtlingen. Klar, es gab die Proteste gegen den Bau des Camps, sehr viele haben dagegen demonstriert. Am Schlimmsten war, was letztes Jahr im Hafen passiert ist, die Bilder damals. Jetzt ist eigentlich alles gut". Katerina Drossou

Im vergangenen Jahr lagerten die Flüchtlinge in einem improvisierten Camp mitten im Hauptort Kos. Jetzt sind hier nur noch wenige untergebracht. Im ehemaligen Hotel Zikas leben minderjährige und besonders schutzbedürftige Flüchtlinge wie der 20-jährige Mohammed aus dem syrischen Aleppo. Seine schwere Augenkrankheit hat sich im Camp von Pili verschlimmert, deswegen hat ihm das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) ein Zimmer hier besorgt. Jetzt wartet er auf die Entscheidung über seinen Asylantrag. Auf keinen Fall möchte er zurück in die Türkei. Aber viel Hoffnung hat er nicht:

"Wir haben kein Geld, wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, wir haben keine Zukunft. Die Situation ist insgesamt sehr schwierig". Mohammed

Er würde gerne Französisch studieren, aber in Aleppo war daran nicht zu denken. Seine Eltern, die in der umkämpften Stadt geblieben sind, können ihn nicht unterstützen, erzählt er. Sie seien krank und brauchten eigentlich seine Hilfe. "Weder ich kann ihnen helfen noch sie mir", sagt der junge Mann mit verzweifeltem Lächeln.

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