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Fado | Kinostart 1. September Beziehungskampf in Lissabon

Kulturthema am 30.8.2016 von Rüdiger Suchsland

Krankhafte Eifersucht als Thema eines Beziehungsdramas, dafür gibt es im Kino viele Beispiele: Am 1.9. kommt "Fado" ins Kino, der Abschlussfilm von Jonas Rothlaender, eines 34-jährigen Absolventen der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).

Sein Film ist eine erotische Passionsgeschichte, vor allem aber die Tragödie zweier Menschen, die nicht voneinander lassen können, aber sich immer wieder aufs Neue zerfleischen. Weil Rothlaenders Film in Lissabon spielt, sind prachtvolle Bilder garantiert.

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Szenen einer Ex-Beziehung

"Wieso mach ich diesen verdammten Scheiß überhaupt mit? Es ist immer dasselbe. Du fängst immer wieder von vorne an. Immer und immer und immer wieder."
"Du kannst mir noch nicht mal eine Antwort geben."
"Worauf denn? Worauf möchtest Du denn eine Antwort haben?"
"Fickst Du ihn?"

Beziehungskampf - Szenen einer, ja, nicht mal Ehe, nicht mal Beziehung, sondern Ex-Beziehung. Dies ist ein Film über Erinnerung und über die Macht der Phantasie. Ein junger Arzt, Fabian, kann die Frau nicht retten, die auf seinem Notfalltisch liegt. Sie erinnert ihn fatal an seine Ex-Freundin Doro. Ein Zeichen aus dem Reich der Toten.

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Kinostart 1.9.

Fado | von Jonas Rothlaender

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Das seltsam vertraute Gesicht einer verstorbenen Patientin reißt den jungen Arzt Fabian (Golo Euler) aus seiner Lethargie. Kurz entschlossen verlässt er Berlin und reist seiner Exfreundin Doro nach Lissabon nach.

Das seltsam vertraute Gesicht einer verstorbenen Patientin reißt den jungen Arzt Fabian (Golo Euler) aus seiner Lethargie. Kurz entschlossen verlässt er Berlin und reist seiner Exfreundin Doro nach Lissabon nach.

Die Architektin Doro ( Luise Heyer) ist von Golos plötzlichem Auftauchen überrascht und weiß zunächst nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie und Golo hatten eine innige, aber auch schmerzhafte Zeit miteinander.

Fabian bemüht sich um Doro und will ihr zeigen, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat. Er findet einen Wohnung in Lissabon, macht einen Sprachkurs und hat sogar seinen Job in Berlin gekündigt.

Fabian scheint sogar seine Eifersucht im Griff zu haben, Doro verliebt sich wieder in ihn.

Doch schon nach der ersten gemeinsamen Nacht kommen Fabians Ängste wieder hoch.

Vor allem Doros Nähe zu ihrem charismatischen Arbeitskollegen Franisco (Albano Jeronimo) macht ihm zu schaffen.

Fabian versucht, seine wachsende Eifersucht zu unterdrücken. Doch irgendwann merkt auch Doro, dass er immer mehr in alte Verhaltensweisen zurückfällt.

Aus Angst, noch einmal von Fabian verletzt zu werden, zieht sie sich allmählich wieder von ihm zurück.

Bei einem Ausflug an die Atlantikküste kippt die angespannte, von Misstrauen und Schuldzuweisungen geprägte Atmosphäre ins Bedrohliche.

Das Paar treibt unaufhaltsam auseinander.

Als Fabian endlich realisiert, dass er loslassen muss um seine Ängste zu besiegen, macht er eine Entdeckung, die ihn mit aller Wucht in einen Albtraum reißt.

Großes filmisches Vorbild

"Viaggio in Italia" heißt jener große Film des Neorealisten Roberto Rossellini, in dem dieser ein mittelaltes Ehepaar auf Italienreise zeigt und das Fremdsein in einer Beziehung in der Fremde entfaltet. Dieser Film steht im Hintergrund Pate für ein so ungewöhnliches wie herausragendes Spielfilmdebüt aus Deutschland.

Als der Film beginnt, ist die Beziehung eigentlich schon am Ende: Der Arzt Fabian reist seiner Ex hinterher in ihr neues Leben in Lissabon. Portugals Hauptstadt wird zum Schauplatz für den Beziehungszweikampf eines deutschen Paares und in seiner Pracht, seinen Abgründen, seinen verwirrenden Gassen zum dritten Hauptdarsteller des Films, wie zur Projektionsfläche für die beiden Hauptfiguren. Der Fado, der taumelnde, von Schwermut und Sehnsucht erfüllte Sound dieser alten Metropole gibt Ton und Tempo vor.

Fado

Die Architektin Doro (Luise Heyer) und Fabian (Golo Euler) hatten eine innige, aber auch sehr schmerzhafte Zeit miteinander.

In Lissabon angekommen besorgt sich Fabian eine Wohnung, nimmt einen Sprachkurs und findet bald eine neue Stelle als Arzt. Als er Doro trifft, ist die nicht auf Anhieb begeistert, reagiert reserviert, doch bald lässt sie sich auf Fabians Liebeswerben ein. Irgendwann glaubt sie, dass Fabian sich tatsächlich geändert hat, und verliebt sich wieder. Doch in diesem Moment kehren die Geister der Vergangenheit zurück.

Eifersucht als Kopfkino

Denn woran beider Beziehung zum ersten Mal scheiterte, war Eifersucht: Die Bilder in Fabians Kopf überlagern immer wieder die Realität. Und so ist dieser Film streckenweise eine intelligente psychopathologische Studie über krankhafte Eifersucht und deren Facetten: Wir beginnen zu verstehen: Für den, der Eifersucht empfindet, sind alle Bilder wahr. Für ihn ist das alles Realität, auch wenn es imaginiert ist. Eifersucht ist echtes intensives Kino. Kopfkino.

Fado

Zwei herausragende Hauptdarsteller: Luise Heyer und Golo Euler.

Phantastik oder Realität?

So fragt man sich stellenweise, ob nicht alles, was man hier sieht, eine Phantasie ist. Dann begreift man, dass das zwar nicht stimmt, dass man den Bildern auf der Leinwand aber auch nicht trauen darf. Sein und Schein, Phantastik und Realität überlagern sich bis zur Ununterscheidbarkeit.

"Vertigo" als filmhistorische Vorlage

Jonas Rothlaenders Spielfilmdebüt wird mit Golo Euler und Luise Heyer von zwei herausragenden Hauptdarstellern getragen. Optisch wie in seiner Inszenierung ist dies ein beeindruckendes Werk, das manchmal an Alfred Hitchcocks "Vertigo" erinnert, in dem es auch um die Macht der Erinnerung geht, die sich über die Gegenwart legt, um einen Mann, der gewissermaßen in seinen Zwängen und seinen Wahnvorstellungen gefangen ist, und eine Frau trifft, die eine Doppelgängerin ist, oder eben doch nicht.

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1:38 min

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Verleihtrailer "Fado"

SWR

Fado heißt Schicksal

Aus Liebe wird Suspense, eine fesselnde Geschichte und ein kluger, zwingender Film zwischen Liebesleidenschaft und Todestrieb, zwischen Passion und Wahn. Er ist auf allen Ebenen außergewöhnlich gestaltet: der flirrenden, eine phantastisch-albtraumhafte Ebene integrierenden Kamera, der die Stimmungen intensivierenden Tonspur und der suggestiven Inszenierung. Die sehnsuchtsvollen Melodien des Fado erklingen zwar immer mal wieder. Mehr noch aber als zu hören, ist der Fado im Film zu spüren. Seine Lieder handeln meist von unglücklicher Liebe und der Name Fado heißt - Schicksal.

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