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Der Witz in unserem Alltagsleben Selten so gelacht...

Dinge des Lebens am 31.1.2017 von Natali Kurth

Eine der schnellsten Möglichkeiten, jemanden zum Lachen zu bringen, ist der Witz. Allerdings ist das Witze-Erzählen gar nicht so einfach. Denn dazu muss man sich Witze überhaupt erst mal merken. Und der Zuhörer muss sie verstehen. Das Procedere des Witze-Erzählens ist also eine komplizierte Angelegenheit zwischen Sender und Empfänger. Zumal es die verschiedensten Arten von Witzen gibt. Witze optimal erzählt machen das Leben leichter und Witze erzählen ist daher ein ausgesprochen ernsthaftes Ding des Lebens

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Ein Witz ist der Versuch des Erzählers, den Zuhörer durch eine kurze Erzählung mit Überraschungseffekt zum Lachen zu bringen. Ursprünglich bedeutete das Wort Witz so viel wie Klugheit, was auch in dem Adjektiv "gewitzt" zum Ausdruck kommt. Tatsächlich müssen Witze geistreich strukturiert sein, sonst kommt der "Witz an der Sache" nicht zum Vorschein. Am Stadttheater Gießen schmückt eine allegorische Darstellung des Witzes die Fassade. Es ist ein breit grinsender Männerkopf mit hoch gezogenen Wangenknochen, Doppelkinn und Lachfalten. So sieht er also aus, der Witz. Was aber macht ihn aus?

"Meist wissen wir das ganz frühzeitig, weil Witze auf eine bestimmte Art eingeleitet werden. Zum Beispiel: Kommt 'ne Nonne zum Arzt. Also mit dem Verb am Satzanfang. Typisch ist die Pointe. Also ein Witz muss auf die Pointe rauslaufen. Und das muss eine sein, auf die die Hörer selbst nicht kommen." Helga Kotthoff, Professorin für germanistische Linguistik, Universität Freiburg

Einer der größten Witze-Experten und Witze-Sammler war der Literaturkritiker Hellmuth Karasek. Zwei dicke Bände über Witze belegen die Bedeutung dieses Genres für ihn. Vicco von Bülow, also der große Loriot, soll sogar über seinen Tod gewitzelt haben, schreibt Hellmuth Karasek in seiner Witzabhandlung:

"Als er gefragt wurde, was auf seinem Grabstein stehen solle, hat er gesagt: "Praktischerweise mein Name."

Quietscheentchen auf Grabstein von Bernhard-Viktor v. Bülow

Grabstätte von Loriot

Zu der Witzabhandlung hat der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen übrigens das Vorwort geschrieben. Auch aus eigenem wissenschaftlichen Interesse:

"Tatsächlich war in der Depressionsforschung im Vordergrund, wie Stress zur Depression führt. Und man hat sich selten gefragt, warum andere nicht krank werden. Und jetzt fragt man mehr, was hält den Menschen gesund und da kommt ganz vorne: Humor und Lachen." Eckart von Hirschhausen

Etwas Witziges zu erfinden, ist allerdings gar nicht so einfach. Im Ernstfall - zum Beispiel für Late-Night-Shows, gibt es dafür professionelle Witzeschreiber. Christian Eisert war im Team von Harald Schmidt:

"Der Chefautor macht eine Vorauswahl und dann sucht Harald Schmidt aus, was er in der Sendung haben will. Das waren etwa 30 Autoren, die beschäftigt waren. Jeder 15 Gags, zusammen 450, von denen acht bis zwölf in die Sendung kamen." Christian Eisert

Die meisten Vorschläge fand Harald Schmidt demnach leider nicht lustig. Oder die Sendezeit war zu kurz. In der Kürze liegt die Würze, lautet ein leicht abgedroschenes, aber immer noch geltendes Sprichwort. Bei einem kurzen Witz kommt die Pointe rasant um die Ecke. Auch bei folgendem Beispiel von einem unbekannten Autor:

"Kommt ein Mann (75) zum Arzt und sagt: Herr Doktor, ich laufe immer noch den jungen hübschen Frauen hinterher. Sagt der Arzt: Und wo ist das Problem? Antwortet der Patient: Ich habe vergessen, warum."

Zugegeben - dieser Witz ist an der Grenze zum Kalauer. Der Ruf des Kalauers ist schlecht. Und das, obwohl sich der gleichnamige – nur mit C am Anfang geschriebene Ort "Calau" solche Mühe mit dem Witz gibt. Denn Calauer Schustergesellen kreierten früher doppeldeutige Wortspiele und Witze, die sind heute auf dem "Witzrundweg" auf Tafeln in der ganzen Stadt zu lesen.

Ein besonderes Kapitel des Witzes ist der Jüdische Witz. Paul Spiegel, ehemals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte einmal: "Jüdischer Humor war und ist die schönste Waffe einer Minderheit, denn Humor tötet nicht."

Und der Publizist und Buchautor Henryk M. Broder verwandelt eine kleine Begebenheit in einen typischen jüdischen Witz, der selbstironisch und reflektiert die eigene Überlegenheit in Szene setzt:

"Die Leute besichtigen ein Konzentrationslager und inzwischen haben sie menschliche Bedürfnisse. Sie brauchen eine Toilette, sie brauchen Waschräume und sie brauchen was zu essen. Ich fand das vollkommen ok. Ich fand's schon genug, dass meine Mutter im Lager gehungert hat. Sollen die doch was zu essen kriegen, das ist doch völlig ok. Man muss zugeben, nach 60 Jahren hat sich die Verpflegung nachhaltig verbessert." Hendryk M. Broder

Für den Witz gilt also in allen Lebenslagen immer noch das Wort von Joachim Ringelnatz: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt."

Wohlfahrtsmarke von Loriot

Wohlfahrtsmarke von Loriot


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