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Deutschlandpremiere "Horror" von Jakop Ahlbom Hommage an das Genre

Kulturthema am 31.8.2016 von Katja Weise

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Am Anfang ist die Welt noch in Ordnung: Während sich der Saal langsam füllt, erklingt nostalgische Tanzmusik! Auf der Bühne ist nicht viel zu erkennen, im Halbdunkel leuchten lediglich weiße Bettlaken, mit denen man offensichtlich Möbel abgedeckt hat, so wie es üblich ist, wenn ein Haus lange leer steht. Dann tritt eine junge Frau herein, im roten Regenmantel mit spitzer Kapuze. Ein augenzwinkernder Verweis auf den Horrorfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Jakop Ahlbohms Abend ist gespickt mit solchen Zitaten, mit Anspielungen auf "Rosemary´s Baby" oder "House on Haunted Hill", die man verstehen kann, aber nicht muss, denn Ahlbohm erzählt vor allem seine Geschichte, und das ist die eines Kindheitstraumas: Auf die junge Frau folgen zwei mit ihre befreundete junge Männer, ebenfalls in roten Kapuzenmänteln. Gemeinsam beginnen die drei vorsichtig, das verlassene Haus zu erforschen. Schon bald wird deutlich: Die junge Frau kennt das Haus, sie hat hier einst mit ihrer Familie gewohnt. Doch war es keine glückliche Kindheit, ein zweites Mädchen, eine geisterhafte Gestalt im weißen Kleid taucht auf und verschwindet wieder. Aus einem Schrank dringt Kinderweinen. Hinter dessen Türen ist jedoch nichts zu entdecken. Allerdings führen die teilweise ein seltsames Eigenleben. Und nicht nur sie. Auch der Fernseher schaltet sich plötzlich ein, Stühle wechseln den Platz, eine Bierflasche gleitet wie von Geisterhand geführt über den Tisch.

Jakob Ahlbom spielt mit den vorzugsweise aus (alten) Horrorfilmen bekannten Effekten und zieht die Zuschauer rasch in Bann mit seinen Bildern. Denn gesprochen wird während der knapp 80minütigen Vorstellung kein Wort. Umso ausdrucksstärker müssen die Schauspieler agieren, und das tun sie. Als sich schließlich sogar einzelne Körperteile verselbständigen, die Hand des einen jungen Mannes entwickelt nach der ersten Nacht im Haus ein Eigenleben und versucht raffiniert, ihren Besitzer zu erwürgen, da ist das Zuschauen dabei nicht zuletzt dank der phänomenalen Körperbeherrschung auch ein Vergnügen. Selbst dann noch, als die anderen rigoros einschreiten, und den Freund brutal von seiner Hand befreien.

Allein, aber immer noch lüstern, kriecht diese danach über die Bühne, die Finger kampfbereit gekrümmt. Das Bühnenereignis wird empfohlen für Menschen ab 16 Jahren, doch balanciert Jakop Ahlbom teilweise so geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Horror und Slapstick, dass solche Momente, zum Glück, eher komisch als gruselig sind. Ans Eingemachte geht es hingegen in den Szenen, die zeigen, wie die junge Frau als Kind unter ihren strengen Eltern gelitten hat. Immer wieder taucht insbesondere der allzeit gewaltbereite Vater auf, der einst eine Tochter sogar zu Tode geprügelt zu haben scheint.

Das ist nichts für zarter besaitete Menschen, die sich zu Recht fragen können, warum sie sich einem solchen "Horror" aussetzen sollten. Doch dieses "Bühnenspektakel" ist gut gemacht, präzise choreographiert, in Ton und Bild und eine leidenschaftliche Hommage an das Genre "Horrorfilm". Zu dem manchmal auch ein gutes Ende gehört.

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