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Karl-Sczuka-Preis 2008 Juryentscheidung nach Hörmarathon

Auswahl aus 89 Wettbewerbsbeiträgen

Der Karl-Sczuka-Förderpreis geht an die Lyrikerin Anja Utler

Die Karl-Sczuka-Preisträger 2008: Thomas Meinecke und David Moufang

Die Karl-Sczuka-Preisträger 2008: Thomas Meinecke und David Moufang

Der Autor Thomas Meinecke und der Musiker David Moufang erhalten den vom Südwestrundfunk gestifteten Karl-Sczuka-Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst. Sie werden für ihr gemeinsames Radiostück "Übersetzungen/ Translations" ausgezeichnet, das als Produktion des Bayerischen Rundfunk am 19. Oktober 2007 urgesendet wurde. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 12.500 Euro verbunden.

Der diesjährige Karl-Sczuka-Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro geht an die in Wien lebende Lyrikerin Anja Utler, die ihren Text "suchrufen, taub" für das ORF Kunstradio als mehrkanalige 5.1-Produktion realisiert hat, die am 8. Juli 2007 auf Ö1 urgesendet wurde.

Insgesamt sind 89 Wettbewerbsbeiträge aus 22 Ländern eingereicht worden, davon 38 freie Autorenproduktionen. Das vom BR produzierte Preiswerk ist innerhalb des CD-Doppelalbums „flugbegleiter“ & „übersetzungen/ translations“ beim Label Intermedium Records erschienen.

Über die Zuerkennung der Preise hat eine unabhängige Jury entschieden. Jurymitglieder waren der Musiktheater-Regisseur und frühere Rektor der Freiburger Musikhochschule Johann-Georg Schaarschmidt (Vorsitz), der Schriftsteller Marcel Beyer, der Journalist und Medienkritiker Frank Kaspar, die Musikkritikerin Monika Lichtenfeld sowie die Publizistin, Literaturwissenschaftlerin und ehemalige Kultur-Staatsministerin Christina Weiss.

Aus der Begründung der unabhängigen Jury unter dem Vorsitz des früheren Rektors der Musikhochschule Freiburg, Johann-Georg Schaarschmidt:

"In ihrer Gemeinschaftsarbeit 'Übersetzungen/ Translations' entwickeln Thomas Meinecke und David Moufang (alias Move D) aus dem Alphabet als Lautvorrat zehn musikalische Miniaturen. Semantisch und akustisch assoziationsreiche Wortpaare wie Osterglocke – Daffodil werden zerlegt, rebuchstabiert und mit Klängen und Mustern der Club- und Jazzmusik verzahnt. Ein ironisch-reflektierendes Spiel zwischen Sprachen und Stilebenen, zwischen zwei souverän interagierenden Künstler-Freunden, das die Phantasie des Hörers an der langen Leine spazierenführt."

Verleihung des Karl-Sczuka-Preises 2008:
Die Preisverleihung findet am 18. Oktober als öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 statt.

SWR2 Sendungen zum Karl-Sczuka-Preis 2008:

Freitag, 24. Oktober, ab 22.33 Uhr, SWR2 Hörspiel-Studio
Das Preiswerk 2008 und Ausschnitte der Verleihung

Freitag, 31. Oktober, 22.03 Uhr, "Das Hörspiel vom Hörspiel"
Das Förderpreiswerk und Ausschnitte weiterer Werke aus dem diesjährigen Wettbewerb um den Karl-Sczuka-Preis.

Letzte Änderung am: 26.07.2007, 14.57 Uhr



Karl-Sczuka-Preis 2008Thomas Meinecke und David Moufang - Biografien

Preisträger

Preisträger 2008 mit dem gemeinsamen Radiostück "Übersetzungen/ Translations"

Thomas Meinecke, Thomas Meinecke, geboren 1955 in Hamburg, studierte 1977-1983 Theaterwissenschaften, Neuere deutsche Literatur und Kommunikationswissenschaften in München. Magisterarbeit über Karl Philipp Moritz ("Theatromanie und Melancholie"). 1978-1986 Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Mode & Verzweiflung‘. Seit 1980 ist er Mitglied in der Band ‚‘F.S.K.‘ 1983-1987 Kolumne "Die aktuelle Kurzgeschichte" im Feuilleton der ‚Zeit‘. Seit 1985 ist er als freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks Radio-DJ im ‚Zündfunk‘.

Als Schriftsteller zählt er seit 1986 mit zahlreichen Romanen und Erzählungen im Suhrkamp Verlag zu den wichtigen Vertretern junger deutscher Literatur. Als Musiker veröffentlichte er in diesem Jahr mit seiner Band F.S.K. ein neues Album auf Daniel Richters Buback Label. Kollaborationen mit Move D. entstanden in erster Linie für den Bayerischen Rundfunk seit 1998, daneben auch Soloprojekte, zum Beispiel auf der ersten "Clicks and Cuts" Compilation (Mille Plateaux). Darüber hinaus ist er als Radio-DJ mit einer eigenen Sendung im Bayerischen Rundfunk und in zahlreichen urbanen nächtlichen Clubs zu hören. Er lebt mit seiner Frau Michaela Melián und ihrer gemeinsamen Tochter Juno in einem oberbayerischen Dorf.

Für die "Manifesta 7 – Projected Scenarios" verfasste er den Beitrag "Aquatic Invasion". Im Herbst erscheint im Suhrkamp Verlag sein neuer Roman "Jungfrau". – Neben zahlreichen Tonträgern erschirenen folgende Buchveröffentlichungen: "Mit der Kirche ums Dorf", Erzählungen (Suhrkamp, 1986), "Holz", Erzählung (Kiepenheuer & Witsch, 1988), "The Church of John F. Kennedy", Roman (Suhrkamp, 1996), "Tomboy", Roman (Suhrkamp, 1998), "Mode & Verzweiflung", Prosa und Manifeste 1977-1996 (Suhrkamp, 1998), "Hellblau", Roman (Suhrkamp, 2001), "Musik", Roman (Suhrkamp, 2004), "Plattenspieler", Protokolle, gemeinsam mit Frank Witzel und Klaus Walter (Edition Nautilus, 2005), "Feldforschung", Erzählungen (Suhrkamp und Museum Ludwig, 2006), "Meinecke hört", Kolumnen, (Sukultur, 2007), "Lob der Kybernetik", Songtexte 1980 – 2007 (Suhrkamp, 2007), "Jungfrau", Roman (Suhrkamp, 2008).

Frühere Auszeichnungen waren ein Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin (1987), der Förderpreis zum Heimito von Doderer Preis (1997), der Rheingau Literaturpreis (1997) und das Förderstipendium des Deutschen Literaturfonds (1997), der Literaturpreis Kranich mit dem Stein des Deutschen Literaturfonds (1998), eine Einladung als Poet in Residence an die Universität/GH Essen, (1998/99), der Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf (2003), der Tukan-Preis der Landeshauptstadt München (2004), die Dozentur Manuskriptum an der Ludwig-Maximilians-Universität München (2004/2005) und ein Stipendium der Niedersächsischen Literaturbüros, (2005).


David Moufang (alias Move D), geboren 1966 in Heidelberg, hatte neben dem humanistischen Gymnasium 1977-1883 klassischen Schlagzeugunterricht an der Musikschule Heidelberg/ Mannheim und in den achtziger Jahren privaten Jazzgitarren- und Klavierunterricht.

Nach dem Abitur 1986 durchlief er sein Toningenieur-Studium an der SAE Frankfurt bis zum Abschluss mit Diplom 1990. Danach übernahm er Auftragsarbeiten zur Industriefilmvertonung (Musik), sowie kleinere Fernsehproduktionen. Von Mitte der achtziger Jahre bis 1992 war er Gitarrist in diversen lokalen Bands. 1983 erste Plattenveröffentlichung. Seit 1992 eigenes Plattenlabel 'Source Records' zusammen mit Partner Jonas Grossmann; seit 1996 zweites eigenes label 'KM20' (ebenfalls mit Jonas Grossmann). Seit 1994 zahlreiche Auftritte in Clubs und als DJ bzw electronic live act auf Festivals, u.a. bei ‚Intermedium 1‘ 1999 in Berlin, ‚Intermedium 2‘ 2002 in Karlsruhe, ‚Donaueschinger Musiktage‘ 2002 und ‚Hörkunsttage Erlangen‘ 2003.

Seit 1996 mehrere Veranstaltungen mit dem Goethe Institut (London, München und Budapest). Seit 1998 Auftragsarbeiten für den Bayerischen Rundfunk: Gemeinschaftsarbeiten mit Thomas Meinecke (alle erschienen auf CD bei Intermedium Records): "Tomboy" (1998), "Freud's Baby" (2000), "Konvent" (2002), "Flugbegleiter" (2004), "Translations – Übersetzungen" (2007); Solo-Arbeiten: "Tonspuren 1-10" (2003/2004; erschienen auf CD bei BineMusic).

2002-2007 hatte David Moufang eine Gastdozentur an der Bauhaus Universität in Weimar/ Lehrstuhl für experimentelles Radio, Fachbereich: Musik im experimentiellen Radio

Letzte Änderung am: 26.07.2007, 14.57 Uhr



Karl-Sczuka-Preis 2008"Übersetzungen/ Translations"

Von Thomas Meinecke und der Musiker David Moufang

Seit zehn Jahren produzieren der Musiker und Studiobetreiber David Moufang alias Move D und der Schriftsteller und Musiker Thomas Meinecke gemeinsam Sonic Fiction für die Abteilung Hörspiel und Medienkunst des Bayerischen Rundfunks. Meistens basierten diese Stücke auf literarischen Texten Meineckes, waren (wie Tomboy, Freud’s Baby oder Flugbegleiter) musikalische Variationen auf seine zugleich entstehenden (und im Suhrkamp Verlag erscheinenden) Romane, syntaktisch, nicht selten dekonstruktivistisch verwoben mit den überwiegend elektronisch generierten Patterns Move D’s, der eine international gefeierte Größe der instrumentalen Techno Music ist (auf dem eigenen Source Label, jedoch auch auf Warp, Compost, City Center Offices, Workshop usw.), nicht selten aber ebenso mit Jazzmusikern wie dem Vibraphonisten Karl Berger zusammenarbeitet (der auf Tomboy und Freud’s Baby mitwirkte).

Ansatz- und Ausgangspunkt der aktuellen Produktion Übersetzungen / Translations war der Wunsch, einmal eine Arbeit zu erstellen, bei der nicht zuerst (und damit letzten Endes übergeordnet) ein Text existierte, sondern die eher abstrakte, serielle Narrativität der Musik als gleichberechtigt, eigentlich sogar tonangebend erscheinen würde. In einem Studio des Bayerischen Rundfunks in München sprach beziehungsweise sang Thomas Meinecke das deutsche und englische / amerikanische Alphabet in allen zwölf Tönen der Tonleiter ein und nahm diese Aufnahme, einzelnen Tasten einer Schreibmaschine gleich, mit nach Heidelberg, wo in Moufangs Re-Source Studio Wörter und Töne, ohne Einsatz eines Mikrophons für die Stimme, spontan ineinander verschränkt, gleichsam synchron (zusammen-) gesetzt wurden, mit dem einzigen übergeordneten Prinzip: einer Übersetzung vom Deutschen ins Englische, respektive umgekehrt. Diese auffallend lakonisch gelagerten Übertragungen mußten nicht immer in verbaler Weise (Osterglocke / Daffodil) stattfinden, sondern ihr Schwerpunkt, ihr Drall, ihr Gefälle konnte auch kulturell (Ursula Andress), politisch (Henry Kissinger) oder ökonomisch (Mini Cooper) kodiert sein. Thomas Meinecke, der seit 1980 in der Münchner Band F.S.K. spielt, brachte seine Pocket Trumpet mit und griff einmal auch zu David Moufangs Gitarre. Zehn sehr verspielte, in ihrer Vertracktheit mitunter an surrealistische Vexierbilder erinnernde bis unmittelbar (und vor Ort als solche getestete) clubtaugliche Tracks sind auf diese Weise binnen einer Woche am Neckar entstanden, eher ein Album als ein Wörterbuch

Das Preiswerk ist auch in einem Doppel-CD-Album erschienen:

CD

Titel der Reihe:
flugbegleiter & übersetzungen/translations
Komponist:
thomas meinecke & move d
Label:
intermedium records
Länge:
2 CDs
Bestellnummer:
ISBN 978-3-939444-46-6 EAN 9783939444466

Thomas Meinecke

Letzte Änderung am: 26.07.2007, 14.57 Uhr



Karl-Sczuka-Preis 2008 Anja Utler

Förderpreisträgerin mit der mehrkanalige 5.1-Produktion "suchrufen, taub"

Anja Utler, geboren 1973 in Schwandorf/ Oberpfalz, studierte Slavistik, Anglistik und Sprecherziehung in Regensburg, Norwich und St. Petersburg. 2003 promovierte sie in Regensburg über russische Lyrikerinnen der Moderne.

Von Thomas Kling wurde sie selbst als Lyrikerin entdeckt und angeregt. Seit 2001 lebt sie in Wien, war 2005/06 Stipendiatin der Stuttgarter Akademie Schloss Solitude und ist im Sommer 2008 Inhaberin der Poetikdozentur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Bisher liegen drei Gedichtbände vor: "Aufsagen" (1999). "Münden – entzüngeln" (2004). "Brinnen" (2006; auch als Hörbuch). In der Reihe der ‚Münchener Reden zur Poesie‘ erschien 2007 ihr Vortrag "Plötzlicher Mohn". Das im Raumklangformat 5.1 für das ORF Kunstradio produzierte Gedicht "suchrufen, taub" ist ihre erste Radioarbeit.

Weitere Preise: Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik (2003), Förderpreis zum Host Bienek-Preis für Lyrik (2005), Förderpreis der Deutschen Schiller-Stiftung von 1859 (2006).

suchrufen, taub

Im Radio zu sprechen heißt isoliert sprechen. Die womöglich Hörenden bleiben verborgen, ihr Sprechen bleibt ungehört. Eine echte, direkte Kontaktaufnahme auf einen suchruf hin muss unterbleiben – und so öffnet sich der Raum, einen Hörer, eine Hörerin zu fantasieren: als ideales Gegenstück, als symmetrische Gegenkontur zum eigenen Selbst, die sich in einem noch zu findenden Suchlaut auffangen ließe. Die radiobedingte taubheit aber schickt das tastende, fragende Sprechen in einen Strudel: die Sprech- und Radiowellen schlagen nur in sich selbst auf, brechen in sich selbst zurück.

Letzte Änderung am: 26.07.2007, 14.57 Uhr



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