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Hörspiel in vier Teilen nach dem gleichnamigen Roman
Regie: Norbert Schaeffer
Hörspielbearbeitung: Helmut Peschina
Übersetzung aus dem Russischen: Madeleine von Ballestrem, Arkadi Dorfmann, Elisabeth Markstein, Annelore Nitschke
Produktion: NDR 2009
Die Begründung der Jury:
"Das Leben verdorrt, wenn man versucht, seine Besonderheit auszulöschen." Um diese so einfache wie tief greifende Wahrheit dreht und wendet sich Wassili Grossmans monumentaler Roman "Leben und Schicksal", den der NDR (Regie: Norbert Schaeffer) aufwändig und durchweg gelungen als Hörspiel inszeniert hat. "Leben und Schicksal" stellt die totalitären Systeme Drittes Reich und Stalinismus, ihre jeweiligen Unterdrückungsmechanismen, Verfolgungs- und Zerstörungsapparate einander gegenüber. Doch nicht nur das: Grossmanns epochales Werk ist eines der berühmtesten der sowjetischen Literatur, das deutsche Konzentrationslager und russischen GULAG, Stalingrad, Moskau und Berlin nahezu ineinander schneidet und so zeigt, dass die Rolle der Opfer auf beiden Seiten unterschiedslos ist. So wird eine neue Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung und den Vernichtungsapparat der Nationalsozialisten geworfen – eine eben originär russische Perspektive, die im Westen noch immer nicht bekannt genug ist. Der Roman und seine kongeniale Hörspielbearbeitung werfen ein umfassendes sozial-historisches Panorama auf, überzeugen durch Perspektivreichtum, starke Bilder und ebensolche Protagonisten. Formen der Denunziation und des Verrats werden auf beiden Seiten durchgespielt, Prozesse der Zerrüttung und Entmenschlichung geschildert und zugleich die Mühe um Normalitätsbehauptung abgebildet, mit dem Rücken zur Wand. Jeder kann zum Überläufer werden, die Grenzen zwischen den beiden totalitären Systemen sind durchlässig und verschieben sich unberechenbar, aber stetig. Kurz: "Leben und Schicksal" ist ein Stück Prosa, wie man es noch nicht gehört hat.
Ursendung: 30.09.2009 (I) / 07.10.2009 (II) / 14.10.2009 (III), 21.10.2009 (IV) auf NDR Kultur
Letzte Änderung am: 05.10.2009, 09.39 Uhr