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„Die Alarmbereiten“ von Kathrin Röggla
Regie: Leopold von Verschuer
Erstsendung Bayern 2, 2.8.09, 15.00-15.55 Uhr
Die Begründung der Jury:
Ein Hörspiel am Puls der Zeit: Der Alltag des modernen Menschen wird von ständig neuen Katastrophen und Katastrophenszenarien bedroht. Was in den Achtzigern die atomare Verseuchung war, ist heutzutage der Klimakollaps oder die Gefahr einer Ansteckung mit der Schweinegrippe. Der wohlinformierte Mensch von heute lebt in einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft, die genährt wird durch Berichte über schmelzende Polkappen und andere Klimaphänomene. Die „magischen Medienerzählungen, die uns umgeben“, bricht Kathrin Röggla in den Erzählungen einer hysterisierten Frau, die ihrer Umgebung durch ihren Pessimismus und ihre ständigen Weltuntergangsszenarien gehörig auf den Wecker zu gehen scheint. Diese „Kassandra-Sekretärin“ (großartig zwischen angespannter Ruhe und Überschnappen changierend: Dorothee Metz), die da in indirekter Rede über sich selbst spricht und sich vom gemäßigten Pessimismus in den Weltuntergangswahnsinn hineinsteigert, ist die Prophetin der allgegenwärtigen medialen Hysterieproduktionsindustrie. Regisseur Leopold von Verschuer orchestriert ihre nicht enden wollende Erzählung mit unheilvollem Rauschen und Versatzstücken und Allgemeinplätzen aus Anrufsendungen, wie man sie allenthalben im Radio hören kann. Man dürfe das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, heißt es da, aber auch: „Vollständige Entwarnung kann nicht gegeben werden“. Kathrin Röggla hat die Sprache dieses Stücks der Alltagssprache und den Worthülsen der Alarmierten ebenso wie denen der Beschwichtiger abgelauscht und klug in das Hörspiel überführt. Das Stück reproduziert die Allgemeinplätze nicht nur, es bricht sie durch mehrfache Reflexion: das chorische Hintergrundrauschen der Betroffenen und den zynischen Pragmatismus derjenigen, die all diese Katastrophen managen müssen.
Letzte Änderung am: 03.09.2009, 08.20 Uhr