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Nach dem Roman von Uwe Johnson
Bearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer und Dietmar Mues
Koproduktion: NDR/MDR
Begründung der Jury:
Uwe Johnsons Roman beeindruckte bei seinem Erscheinen 1961 als aktueller Reflex west-östlicher Grenzerfahrungen. Nun zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist er als kluge Reflexion des DDR-Systems neu zu entdecken: Norbert Schaeffers und Dietmar Mues‘ glasklare Hörspielversion bietet dem Hörer eine sperrige Erkundungsreise auf nahes, doch fremdes Terrain.
Fern von politischen Schlagworten erschließen Dialoge und zwei Erzählerstimmen hier „die Grenze: die Entfernung: den Unterschied“. Prägnant verknappte akustische Szenarien mit kargen O-Tönen sind zugleich persönlich und politisch. So begleitet Schaeffers Inszenierung den Hamburger Journalisten Karsch (Ulrich Noethen) ostwärts. In Leipzig weckt der prominente Radrennfahrer Achim (Thomas Nicolai) Karschs private und professionelle Neugier. Doch Karschs Unvoreingenommenheit macht die DDR-Gesellschaft nicht offener. Wenn im Zuge seiner Recherchen markante Details auftauchen - wie der Raub von Achims erstem Fahrrad durch einen Sowjetsoldaten oder Achims Beteiligung am Aufstand des 17.Juni -, folgt alsbald der Widerruf. Unzensierte Erinnerungssplitter haben keine Chance gegen die propagierten Ruhmesblätter. Längst unterstellt selbst der sympathische Achim seine persönlichen Erfahrungen dem offiziellen Deutungszugriff: als Spitzensportler ganz Publikumsliebling und realsozialistisches Vorbild. Mit dieser Chronik des Scheiterns eines west-östlichen Kontakts glückt dem Kulturradio nun zum richtigen Zeitpunkt ein detailgenauer Rückblick auf die DDR, hellhörig für Sprechnuancen und Sprachregelungen.
Letzte Änderung am: 20.08.2009, 08.47 Uhr