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SWR Radio Tatort"Ich habe es richtig genossen!"

Interview mit dem Krimi-Autor Felix Huby

Herr Huby, hat Ihnen der Radio Tatort denn Spaß gemacht?
Und wie! Ich habe es richtig genossen, wieder einmal die Form des Hörspiels auszuprobieren. Es ist halt doch was ganz anderes als Fernsehspiel, Roman oder Kurzgeschichte. Man kann nicht in Filmbildern erzählen und muss auf epische Formen weitgehend verzichten. Nur mit Dialogen und Geräuschen zu arbeiten, ist eine wunderbare Herausforderung.

Um was geht es denn ungefähr?
Um einen Maler, der, schwäbisch-bayerisch gesagt, ein "Weiberer" und zudem noch in kriminelle Machenschaften verwickelt ist – ein Kotzbrocken, dem nach seiner Ermordung niemand eine Träne nachweint. Eigentlich haben einige Frauen Grund genug, ihn zu meucheln. Und vielleicht war es ja auch eine von ihnen. Obwohl die Mordart eher männlich ist.

Wieso? Morden Frauen anders?
Zumindest sagt das die Statistik, was freilich nicht viel heißen muss. Nur ein Teil der begangenen Morde werden ja überhaupt als solche entdeckt. Und da Frauen raffinierter vorgehen als Männer, könnte bei ihnen auch die Dunkelziffer höher sein.

Ist irgendetwas in dem Hörspiel persönlich erlebt?
Na ja, Vernissagen habe ich schon mal über mich ergehen lassen müssen. Und natürlich kenne ich die Spielorte am Bodensee. Der Fall selbst ist von A bis Z ausgedacht.

Aber es ist doch so, dass es einen realistischen Hintergrund geben könnte?
Ja. In so eine Arbeit fließt ja vieles ein, was man erlebt, gesehen oder gelesen hat. Ich glaube, dass "Schlössers Geheimnis" durchaus in der Wirklichkeit so abgelaufen sein könnte.

Die Geschichte spielt ja auch in die Schweiz hinüber. Wie kommen denn die Schweizer bei Ihnen weg?
Auch nicht schlechter als die Deutschen. Schließlich stammen meine Vorfahren aus der Schweiz.

Warum haben Sie den Kommissar Bienzle nicht mitgebracht in den Radio Tatort?
Es gab ja schon ein Ermittlerpaar, das wunderbar funktioniert.

Wie kamen Sie denn mit Finkbeiner und Brändle klar?
Es ist immer schwierig, sich auf Personen einzustellen, die man nicht selbst geschaffen hat. Ich habe das schon festgestellt, als ich bei der Fernsehserie "Großstadtrevier" eingestiegen bin, nachdem längst alle Figuren in nahezu hundert Folgen etabliert waren. Aber als ich mich in die Radio Tatorte mit Finkbeiner und Brändle reingehört hatte, ging es doch erstaunlich leicht.

Aber Bienzle wird es doch sicher weiter geben, auch wenn jetzt keine TV-Tatorte mehr mit ihm produziert werden?
Im Augenblick arbeite ich an einem neuen Roman "Bienzle und das lebenslange Kind", der im Dezember erscheinen soll. Ob es danach weiter geht, habe ich noch nicht entschieden.

Was schreiben Sie denn grade?
Zusammen mit meinem Freund Hartwin Gromes das Stück fürs Sommertheater des Theaters Lindenhof und der Schwäbisch Haller Freilichtspiele: "Volpone oder der schlaue Fuchs – Ein Lustspiel frei und schwäbisch nach Ben Jonson". Jonson war ein Zeitgenosse Shakespeares.

Und fürs Fernsehen schreiben Sie gar nicht mehr?
Doch. Das Manuskript für eine Kino-Fernseh-Coproduktion ist fast fertig. Die Hauptrollen sollen Marianne Sägebrecht und Horst Krause ("Schultze Gets the Blues") spielen. Zudem schreibe ich an einem Zweiteiler für die ARD. Möglicherweise geht es auch mit der Verfilmung meiner Peter-Heiland-Romane weiter.

Und gibt es auch Pläne fürs Radio?
Das hängt von den Sendern ab. Ich habe ja immer wieder mit der Kulturredaktion des SWR im Tübinger Studio Mundarthörspiele erarbeitet. Aber nachdem der dortige Redakteur in Pension gegangen ist, weiß ich nicht, ob es eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geben wird.

Als junger Mensch sind Sie doch wohl mit dem Radio aufgewachsen ...
O ja! Und gerade das Hörspiel war damals ungeheuer wichtig. Unsere Familie versammelte sich regelmäßig um den Radiokasten mit magischem Auge, wenn es ein Hörspiel gab. Unvergesslich die Serie "Familie Staudenmaier" mit Albert Hofele. Und natürlich sind auch die Stücke von Günter Eich und anderen namhaften Autoren noch in meiner Erinnerung.

Was bedeutet Ihnen das Hörspiel heute?
Mir geht es wie so vielen. Ich höre sie meistens im Auto, kaufe mir auch Hörbücher, wenn ich längere Strecken fahren muss. Nur gelegentlich schalte ich das Radio ein, um ein Hörspiel zu hören, das muss ich zugeben. Faszinierend finde ich freilich die öffentlichen Aufführungen von Hörstücken, beispielsweise in Berlin im Planetarium unterm Sternenhimmel. Diese Veranstaltungen sind immer ausverkauft. Vielleicht erleben wir ja überhaupt eine Renaissance dieser Kunstform.

Das Gespräch führte die Dramaturgin und Krimi-Autorin Uta-Maria Heim

Letzte Änderung am: 08.12.2009, 17.08 Uhr

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