Seite vorlesen:
Musik, Kulinarik und Feuerwerk
Samstag, 16. Juni 2012
Cena Ultima
Salut Salon
»Ein Haifisch im Aquarium«
Musik, Kulinarik, Feuerwerk – das große Abschlussfest der Schwetzinger SWR Festspiele 2012
Ein Haifisch im Aquarium? Musikalisch ist das gar nicht so schwierig. Man nimmt die stumme Unterwasserwelt, die Camille Saint-Saëns einst für seinen »Karneval der Tiere« komponierte, und lässt in diese Stille den Tango-Furor eines Astor Piazzolla einbrechen. Schon schwimmt der argentinische Haifisch »Escualo« im französischen »Aquarium« – um dann im neuen Programm des Hamburger Quartetts Salut Salon immer wieder und überraschend als musikalisches Motiv aufzutauchen. Mit dem Franzosen Camille Saint-Saëns und dem Argentinier Astor Piazzolla haben sich die vier Musikerinnen für ihr neues Programm zwei passende Titelhelden ausgesucht: Seelenverwandte sozusagen, die in ihrer Zeit als Komponisten genauso experimentierfreudig waren wie heute Salut Salon.
Astor Piazzolla erneuerte nicht nur den argentinischen Tango, er war auch leidenschaftlicher Hochseeangler. »Wenn ich keinen Hai mehr aus dem Meer herausholen kann, kann ich auch nicht mehr Bandoneon spielen«, soll er einmal gesagt haben. Dieser Kampf interessierte ihn, miteinander zu ringen, ziehen und gezogen werden – in seiner Intensität entspricht dieses Bild durchaus der Art, wie auch die vier Musikerinnen von Salut Salon zu ihrem Programm kommen. Sie ringen leidenschaftlich um jedes Stück, verändern die Originale, lassen weg, dichten dazu, schreiben virtuos um, komponieren Übergänge – solange bis diese besondere Spannung aus Rhythmus und Geschwindigkeit entsteht, die ihrer Spielfreude entspricht und die Salut Salon ausmacht.
Auch im neuen, mittlerweile vierten Programm von Salut Salon – 2002 von Angelika Bachmann und Iris Siegfried gegründet und mittlerweile »einer der erfolgreichsten deutschen Kultur-Exporte« (»Die Welt«) – gibt es Filmmusik-Adaptionen, Puppenspiel mit Oskar am Klavier und an der Geige, hintersinnige Couplets aus eigener Feder, Volksmusik aus Irland, Russland, Finnland, selbstverständlich immer in der jeweiligen Landessprache, und sei sie noch so fremd, dazu der chinesische Popsong, der den Musikerinnen schon bei ihrem Auftritt in Shanghai zum Durchbruch verhalf. Was immer sich mit klassischer Musik verbinden lässt, sie verbinden es. Ihr Markenzeichen: Klassik ohne Scheu vor noch so gewagtem Cross Over.
Die Mischung stimmt: Mal Konzert auf höchstem technischen Niveau, solistisch virtuos und als Ensemble unschlagbar, mal Show mit artistischen Einlagen, immer im »kleinen Schwarzen« und auf atemberaubenden »Hai-Heels«, souverän und selbstironisch – dass Salut Salon damit den Rahmen üblicher Klassik-Konzerte sprengt, ist klar. Es ist aber auch ein Grund für den großen Erfolg, den das Quartett Jahr für Jahr feiert. Für Konzerte von Salut Salon muss man eben kein passionierter Konzertgänger sein. Vielleicht genießt man den Abend anders, wenn man um die vielen musikalischen Zitate weiß. Aber auch wer Antonio Vivaldis »Vier Jahreszeiten« nicht kennt, wird sich über einen schönen Sommer freuen. Es reicht die Liebe zur Musik – und Lust auf Leidenschaft.
Dass die Schwetzinger Cena Ultima auch in dieser Saison wieder als Fünf-Stunden-Gesamtkunstwerk konzipiert ist, versteht sich von selbst: Kulinarische Genüsse, Feuerwerk und ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort runden einen hoffentlich unvergesslichen Abend ab.
Letzte Änderung am: 04.11.2011, 17.13 Uhr