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„Charakter in der Musik – dargestellt an Beethovens Klaviersonaten“
Samstag, 12. Mai 2012
Der musikalische Philosoph – Alfred Brendel in Wort und Ton I
Charakter in der Musik – dargestellt an Beethovens Klaviersonaten
Alfred Brendels pianistisches Repertoire reichte von Bach bis Schönberg. An der Einbürgerung der Schubert-Sonaten und des Klavierkonzertes von Schönberg ins Konzertrepertoire war er maßgeblich beteiligt; doch der monumentalste Meilenstein seiner Karriere ist vermutlich, dass er als erster das Klavierwerk Beethovens in seiner Gesamtheit aufgenommen hat.
Neben seinen Konzertauftritten trat Brendel seit langem auch als Schriftsteller, Poet und Essayist hervor − zuletzt erschien 2010 sein Buch »Nach dem Schlussakkord – Fragen und Antworten«. Seit dem Ende seiner aktiven Musikerlaufbahn im Dezember 2008 widmet er sich verstärkt Lesungen, Meisterkursen und Vorträgen.
Der Vortrag über »Charakter in der Musik« befasst sich mit dem Phänomen, dass in der musikalischen Interpretation das Eingehen
auf den Charakter, die Atmosphäre, die »Affekte« eines Stückes nicht weniger wesentlich ist als die Beachtung von Strukturen und
Formen. Die Annahme, die Struktur eines Werkes gebe automatisch dessen Charakter preis, ist ein Irrtum, meint Brendel. Der Charakterbegriff taucht im musikästhetischen Schrifttum zeitgleich mit der Publikation der frühen Beethoven-Sonaten auf; so ist etwa in Carl Czernys Kommentaren zu Beethovens Klavierwerken immer wieder vom »Charakter der Stücke« die Rede. Am Beispiel von Beethovens Klaviersonaten demonstriert Alfred Brendel die Mannigfaltigkeit musikalischer Charaktere, auch anhand einer Reihe von Beispielen am Flügel.
Letzte Änderung am: 04.11.2011, 12.47 Uhr