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Blog, Sonntag, 16.10.2011, Abschlusskonzert Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung II

Lars Petter Hagen. Unglaublich. Ich war entzückt. Das wollte ich immer sehen.

Lars Petter Hagen erläutert sein Werk "To Zeitblom"; Im Hintergrund Gjermund Larsen mit Hardanger Fiddle und François-Xavier Roth, Chefdirigent des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Gjermund Larsen, ein traditioneller Fidler aus Finnland spielt in "To Zeitblom" seine Musik, ohne Noten. Das was er immer spielt. Da muss der Neid aufkommen. Volksmusik ist die Utopie eines in Eins fallen des Werks und des Lebens. Dagegen steht Adorno, wunderbar vorgetragen vom „Adorno-Übersetzer des Suhrkamp-Verlages“. Nachdem sich in „To Zeitblom“ einige Zeit vollkommen dem Fideln gewidmet wurde und Hagen selbst elektronische Klänge vom Ghettoblaster dazu abspielen ließ, stand er auf, richtete sich ans Publikum, erklärte auf Englisch den Bau der Fidel. Der Übersetzer trug stattdessen Adorno vor, später untermalt von der lyrischen Musik. Es ging um Wahrheit und Negation, wie immer. Hagen wusste sich darin gekonnt sich zu verhalten. Er war allein der Übermittler von etwas, was er nicht in der Hand hat. Den Fidler, Adorno und die Lautsprecher. Das Orchester verschwand gänzlich aus dem Blickfeld. Was in dieser Anordnung einen Anspruch auf Wahrheit haben sollte, hat sich und wird sich wohl auch nie entscheiden: Die Konzeption eines guten Lebens oder die verbalisierende Negation von Allem. Letztere schieben insgeheim großen Neid auf Leute wie den Fidler.

Dohmen hat den Orchester-Preis gewonnen. Das ist auch plausibel. Ein vielschichtiges und reiches Stück Musik. Da kann man nichts falsch machen.

Und auch Saed Haddads "Kontra-Gewalt" fügt sich in gut in das Bild ein. Viel Harmonie, logische Schlüsse und Wohlklang. Ein ziemlich anti-modernistischer Abend, dieser Abschlussabend. Bei Haddad und Dohmen im Klang und bei Hagen im Ganzen: Musikmachen ist halt nun mal auch mehr als einige Vorgaben, Zeichen oder Symbole einigen professionellen Musikern zu überreichen. Wer sich davon ein erfolgreiches Werk verspricht, baut allein auf die Unterstützung theoriegestützter Institutionen. Weswegen man aber Musik machen sollte, liegt woanders verborgen.

Donaueschingen dieses Jahr war spannend. Spannender als letztes Mal. Viele Werke, die von Welthaltigkeit nur so tropften. Da waren einige Personen dagegen, interessanterweise eher Kompositionsstudenten, denen man den Neid ansieht (siehe Lars Petter Hagen). Abgrenzung oder adornitisch die Negation ist (leider) eines der einfachsten Mittel für die Selbstkonstituierung, egal ob es andere Musik, die Welt oder die Kollegen sind.

Bastian Zimmermann

Letzte Änderung am: 16.10.2011, 20.05 Uhr