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Bernhard Lang
Das vorliegende Streichquartett, es ist mein drittes, gehört zunächst der Serie der Monadologien an. Ihnen gemeinsam ist die Methode der Materialverarbeitung:
Mittels zellulärer Automaten und granularer Analyseverfahren werden historische Texte prozessiert, analog den Umgangsweisen des Experimentalfilms von Rafael Montanez Ortiz und Martin Arnold mit found footage.
So stammten die Ausgangssamples in den Monadologien II und III von Richard Strauss, in Monadologie V für Klavier von Haydns „Sieben letzte Worte...“, in Monadologie VI ist das Referenzmaterial ein gregorianischer Choral, in Monadologie VII Arnold Schönbergs „2. Kammersinfonie“, in Monadologie X Mozarts „Alla Turca“ und in Monadologie XI Anton Weberns Symphonie op.21.
In Monadologie IX versuche ich nochmals, in Analogie zu den unterschiedlichen Fassungen Haydns, „Die sieben letzten Worte...“ zu überschreiben. Die Satzfolge ist identisch mit der des Originals, ein kurzes Sample aus dem Originaltext triggert den gesamten folgenden Verlauf.
1 Introduzione
2 Sonata I: “Pater, dimitte illis; non enim sciunt, quid faciunt”
3 Sonata II: “Amen dico tibi: hodie mecum eris in paradiso”
4 Sonata III: “Mulier, ecce filius tuus, et tu, ecce mater tua !”
5 Sonata IV: “Eli, Eli, lama asabthani?”
6 Sonata V : “sitio”
7 Sonata VI: “Consumatus est”
8 Sonata VII: “Pater in tuas manas commendo spiritum meum”
9 Il Terremoto
Alle Sätze umkreisen sogenannte katastrophische Episoden, in denen der Entfaltungsprozess zum Stillstand kommt und in „dead repetitions“ (Deleuze) wie eine hängende Schallplatte oder eine fehlerhafte DVD in ihrem Fortschreiten blockiert wird.
Wesentliche Inspirationsquelle für die Monadologien und daher auch für das Quartett war
Stephen Wolframs „A New Kind of Science“, ein Buch, welches ich als neue Kompositionslehre verstehe.
Bernhard Lang
Letzte Änderung am: 01.09.2010, 16.32 Uhr