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Werke des Jahres 2003Dreimal drei

Peter Ablingers "Altar"

Den Titel "Altar" bezieht Peter Ablinger zum einen auf die Dreiteiligkeit seines Stückes - 1. Teil: drei Hörsäulen im Stadtbereich; 2. Teil: Komplementäre Studie, 3. Teil: Drei Minuten für Orchester. Auch diese drei Teile selbst sind in sich wieder dreiteilig. Weiterhin hat der Begriff "Altar" für ihn auch die Konnotation von etwas Abweisendem und Fernen - eine Ferne, deren Überwindung Mühe erfordert.


1. Teil: Drei Hörsäulen im Stadtbereich

Die drei Hörsäulen im Stadtbereich generierten das gesamte Material des Projekts. Es handelte sich dabei um selbstreflexive Geräte, ausgestattet mit Mikrophon und Kopfhörer. Das Mikrophon nahm jene Dinge auf, die der Hörer in verstärkter Form über den Kopfhörer hören konnte. Damit ist diese Installation auch ein Beitrag zum Thema "medial vermittelte Umwelt".

2. Teil: Komplementäre Studie

Die "Komplementäre Studie" für Cello und Elektronik verwandte Klangmaterial, das zuvor an den "Drei Hörsäulen im Stadtraum" aufgezeichnet wurde. Aus dem mittleren von drei in einer Reihe vor dem Publikum aufgestellten Lautsprechern erklang der Originalklang der Hörsäule, aus den beiden Lautsprechern links und rechts sein Komplementär. Durch dieses Klangfeld bewegte sich das Solo-Instrument dreimal in einer langsam aufsteigenden Tonfolge, deren Dynamik sich jeweils an den akustischen Maxima der überschrittenen Frequenzen orientiert. Das Cello agierte nach Ablingers Vorstellungen als "auskomponierter Hörer", der mit seiner Aufmerksamkeit systematisch das gesamte Frequenzspektrum abtastete.

3. Teil: Drei Minuten für Orchester

Im Abschlusskonzert der Donaueschinger Musiktage erklang dann der dritte Teil von "Altar", die "Drei Minuten für Orchester". Sie verwenden Klangmaterial, das zuvor an den "Drei Hörsäulen im Stadtraum" aufgezeichnet wurde. Das Stück gliedert sich in drei Teile, die jeweils spiegelsymmetrisch um die 40 Sekunden dauernde Zuspielung einer Hörsäulen-Aufnahme angeordnet sind: Klaviereinsatz, Orchestereinsatz, Tonzuspielung, Ende des Orchesterspiels, Ende des Klavierspiels.
Das Orchester spielt die akustische Analyse der eingespielten Klanglandschaft in einer Auflösung von 2 1/2 Sekunden. Das Klavier bewegt sich in jedem Teil, ähnlich dem Cello in der "Komplementären Studie" aus "Altar", langsam aufsteigend durch seinen Frequenzbereich. Orchester wie Klavier verwenden einzig die sieben Töne c, d, 1/4 Ton unter e, f, g, 1/4 Ton unter a, b, in die die Oktave in allen Lagen gleichmäßig geteilt wurde. Das Orchester "begleitet" die Stadtgeräusche der Zuspiel-CD, nicht umgekehrt.

Letzte Änderung am: 11.06.2008, 15.02 Uhr