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Neuer deutscher Jazzpreis in Mannheim Erster Platz für Max Andrzejewski’s Hütte

Normalerweise liegt die Entscheidung über die Vergabe von Jazzpreisen in Deutschland in den Händen einer Expertenjury. Beim Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim ist das anders. Hier wählt das Publikum die Gewinnerband. Und die heißt in diesem Jahr: "Max Andrzejewki’s Hütte".


Jazzband "Die Hütte"

Tobias Hoffmann - Gitarre und Andreas Lang – Bass

"Es war für mich einfach musikalisch am spannendsten, weil Überraschungsmomente da waren, mit rhythmischem Klatschen, mit Gesang, eine Gitarre war dabei. Das gab’s einfach vorher alles nicht und: Die haben eine Geschichte erzählt, das war schön."

Zum 8. Mal Neuer Deutscher Jazzpreis Mannheim – mit „Ohne 4 gespielt 3“, „Günter Adler“ und "Max Andrzejewski’s Hütte" war die Endrunde 2013 durchaus spannend besetzt – dank des diesjährigen Kurators, dem französischen Klarinettisten Louis Sclavis – ein absoluter Wunschkandidat, wie Alexandra Lehmler von der IG Jazz sagt:

"Ja, wir suchen immer nach einem Musiker zumeist aus dem europäischen Ausland, damit er nicht zu dicht mit der deutschen Jazzszene verwebt ist und dann gucken wir natürlich auch immer so ein bisschen: Wir sind eine Musikerinitiative, wir machen das alle ehrenamtlich und versuchen uns immer, einen eigenen Traum zu erfüllen. Also schauen wir: Wer gefällt uns selbst, wer ist für uns ein großes Vorbild und wer hat die Szene nachhaltig beeinflusst? Und so kamen wir auf Louis Sclavis."

Der zeigte sich begeistert von seiner Aufgabe, aus den 14 vorausgewählten Bands, die drei Finalisten auszuwählen – und das, obwohl er das Tunier-Spiel-Prinzip im Jazz eigentlich nicht gut findet.

"Musik ist kein Sport. Ich glaube nicht, dass das hier ein Wettkampf zwischen Künstlern sein sollte. Dieser Preis ist eher wie ein Spiel. Ein ernstes Spiel, aber nur ein Spiel. Für die Bands ist es vor allem eine Möglichkeit, vor einem größerem Publikum zu spielen und das finde ich eigentlich am wichtigsten. Wenn dieser Preis also für die Musiker die Chance ist, zu zeigen, was sie spielen – ist das ok!"

Gespielt wird in einem engen Zeitrahmen, pro Band ein Set á 45 Minuten. Die Reihenfolge wurde vorher ausgelost. Den Anfang machten am Samstagabend "Ohne 4 gespielt 3". Das Trio von Katrin Scherer, Sven Decker und Bernd Oezsevim spielt seit über 10 Jahren in der unkonventionellen Besetzung 2 Holzbläser und ein Schlagzeug zusammen. Ihr Musik: kompakt, rhythmisch listig, mit vielen Sollbruchstellen und Richtungswechseln. Ihr Auftritt: konzentriert, charmant, ohne extra einstudierte Publikumsflirts. Den Preis gewinnen, ja das wäre schön, aber: Das gönne sie auch allen anderen der Finalisten des Abends, meint Katrin Scherer. Jeder würde sich hier für jeden freuen, denn: Die Szene ist überschaubar. Man kennt und schätzt sich gegenseitig:

"Viele waren gestern auch schon da, und im Hotel ist es eigentlich wie auf einer Klassenfahrt, also so ein Konkurrenzding, das ist mir völlig fremd. Also ich finde alle, die bis hierhin gekommen sind, sind schon Gewinner! Ob man jetzt diese 10.000 € gewinnt ... ich meine, Geld ist natürlich super, aber Geld ist weiß Gott nicht alles, also ich schlafe deswegen nicht schlechter oder besser, ehrlich gesagt und ja: Ich fand’s toll, das hier zu hören, auch vor allem: Rudi Mahall zu hören, so ein ganz früher Einfluss von mir, so meine ersten Jazzplatten, „Der Rote Bereich“ und jetzt ... finde ich es super, ihn hier zu sehen."

"Günter Adler" waren die zweite Band im Wettbewerb: Rudi Mahall, Daniel Erdmann, Johannes Fink und Heinrich Köbberling: Sie spielen mit der Jazzgeschichte – dem Blues, dem Bebop, dem Swing. Dabei um- und hinterspielt das Berliner Quartett raffiniert und virtuos alle nur irgendmöglichen Klischeefallen. Ihr Auftritt ein einziger Hörspaß – für mich ohne jeden Zweifel die beste Band des Abends, auch die Stimmung im Publikum war nach dem Günter-Adler-Auftritt eigentlich nicht mehr zu überbieten. Aber manchmal ist es eben anders, als man denkt. Erste Meinungsumfragen nach den Publikums-Favoriten waren durchaus überraschend:

"Ich habe mich nicht entschieden. Ich entscheide mich seit Jahren eigentlich selten, weil die Gruppen für mich oft einfach ähnlich gut sind oder auch die Solisten. So dass ich mich eigentlich nur entscheide, wenn ein Solist sich ganz besonders abhebt von den anderen für mich persönlich."

Dieser Günter-Adler-Fan ahnt schon einen anderen Ausgang des Geschehens:

"Wahrscheinlich wird es die dritte Band machen. Die hatten auch was Gefälliges zum Teil, ich denke, das Gefällige kommt halt beim breiteren Publikum dann eher an. Man weiß ja auch nie, wer welchen Bus gechartert hat und die Leute mitgebracht hat, also insofern..."

In der Tat es hatte den Anschein, als ob die Max Andrzejewski’s „Hütte“ schon ein paar Wahlhelfer mehr aktivieren konnte, in Mannheim für sie abzustimmen.

"Ich komme aus der Nähe von Frankfurt, nördlich von Frankfurt. Das ist ja von hier nur eine Stunde Fahrt. Ich meine, da sind natürlich meine Eltern da, das ist klar."

Am Ende jedenfalls lagen "Hütte" nach Auszählung der Stimmzettel vorne – ein junges Quartett mit noch viel Potential – ideenreich und vor allem spielfreudig: Max Andrzejewski am Schlagzeug, Johannes Schleiermacher am Saxophon, Tobias Hoffmann an der Gitarre und Andreas Lang am Bass – Kurator Louis Sclavis freute sich am Ende mit den Gewinnern. Und mit dem absoluten Publikumsliebling des Abends: Der 27jährige Schlagzeuger Max Andrzejewski konnte nämlich auch noch den Solistenpreis mit nach Hause nehmen.

"Also mit dieser Band funktioniert das ziemlich gut. Ich glaube, das liegt daran, dass wir immer einen ziemlich Spaß haben auf der Bühne und ich glaube, das merken die Leute im Publikum einfach sofort und ich weiß nicht ob ich jetzt ... ja stimmt: irgendwie bin ich der Publikumsliebling hier mit dem Solistenpreis."

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