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Terrormeldungen aus Europa Was tun gegen die Angst?

Der Anschlag in Ansbach oder der Amoklauf in München. Gefühlt wachen wir jeden Morgen auf mit einer Meldung über eine neue Katastrophe. Die Nachrichtenlage deprimiert, verunsichert und verängstigt viele Menschen. SWR1 Moderator Hanns Lohmann hat mit Prof. René Hurlemann, Psychiater und Angstforscher an der Uniklinik in Bonn, darüber gesprochen.

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Ich habe mich letztens bei dem Gedanken ertappt, als drei Jugendliche kurz vor der Abfahrt aus der S-Bahn sprangen, ob sie vielleicht eine Bombe zurückgelassen haben? Sind wir mittlerweile alle verrückt?

Nein, wir sind nicht verrückt. Aber die Ereignisse der letzten Tage haben uns alle sehr stark in Angst und Schrecken versetzen. Wir richten dann eine verstärkte Aufmerksamkeit in unsere Umgebung und schauen, könnte da etwas Schlimmes vor sich gehen. Das ist völlig normal.

Was ist der beste Umgang damit: Einfach weniger Nachrichten sehen und hören?

Für manche Menschen könnte die Strategie sein, Radio und Fernseher mal auszuschalten und sich nicht dauernd mit diesen Horrormeldungen bombardieren zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Menschen, die diese Transparenz durch Sondersendungen auch benötigen. Für diese Menschen ist Radio und Fernsehen absolut notwendig, um ein Sicherheitsgefühl zu erlangen. Die Menschen sind da unterschiedlich gestrickt und deswegen gibt es da auch kein allgemeingültiges Rezept.

Stimmt der Eindruck, dass die Angst in den letzten Jahren größer geworden ist?

Das ist der Sinn des Terrors. Terror dient dazu Angst und Schrecken zu erzeugen. Wir werden in der letzten Zeit Zeuge von terroristischen Akten, die es so vorher in Mitteleuropa nicht gegeben hat - zumindest nicht in den letzten Jahren. Insofern ist es völlig normal, dass wir hier mit einer verstärkten Angst auf diese Dinge reagieren. Die Frage ist, inwiefern lassen wir uns unseren Alltag von Terroristen diktieren. Da kann ich mich nur der Meinung vieler Politiker anschließen, dass wir unseren Alltag nicht versuchen sollten zu ändern. Gleichwohl ist es sicher angebracht, nicht ganz so unbedarft zu sein und schon zu schauen, wo z. B. Notausgänge sind, muss ich auf diese Veranstaltung wirklich gehen oder gibt es dort ein Sicherheitskonzept. Das darf man auch heute von den Veranstaltern erwarten, dass sie sich über Sicherheitskonzepte Gedanken machen.

Eine Polizisten in Nizza steht etwas entfernt von dem Lastwagen, den der mutmaßliche Täter fuhr

Anschlag in Nizza

Nach Anschlägen, wie  z. B. in Nizza, fühlen wir uns traurig und wütend. Warum berührt uns das so – oft mehr als zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall direkt vor der Haustür? 

Wenn einen die Bilder aus Nizza kalt lassen würden, dann wäre es mit unserer Empathiefähigkeit nicht weit her. Menschen sind hochsoziale Wesen und haben ein ausgeprägtes Mitleidsgefühl. Was dort passiert, wühlt uns auf - das liegt in der Natur des Menschen. Der Autounfall ist etwas, was die meisten von uns vielleicht schon mal persönlich erlebt haben. Das, glaube ich, ist nicht ganz so schrecklich. Wenn man schaut, was posttraumatische Belastungsstörungen erzeugen - Dinge wie Folter oder Vergewaltigung, die zu einer sozialen Traumatisierung führen - sind das Dinge, die uns besonders erschrecken.

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