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Leitzins auf Null Geldanlage bei niedrigen Zinsen

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf 0 Prozent gesenkt. Das ist der Zins, den Banken an die Zentralbank für geliehenes Geld bezahlen müssen. Den Kreditnehmer freut’s - für den Sparer heißt das: Die Zinsen aufs Ersparte gehen langsam gegen 0.

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Welche Geldanlage lohnt sich überhaupt noch? Wir haben bei Sylvia Beckerle, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, nachgefragt:

Ich habe mal beispielhaft rausgesucht, was die Sparkasse Trier für ein normales Sparbuch zahlt: 0,01 Prozent Zinsen. 10.000 eingelegte Euro bringen 1 Euro Zinsen im Jahr. Demnächst vielleicht nicht mal mehr diesen einen Euro - was erwartet uns?

In der Tat kann es passieren, dass es demnächst überhaupt keine Zinsen mehr gibt. Das erleben wir jetzt schon. Ich denke zwar nicht, dass die Banken und Sparkassen einen Negativzins für Privatkunden absehbar einführen werden, aber man kann nicht ausschließen, dass sie sich z. B. über andere Gebühren (Stichwort "Girokonto") wieder Geld vom Kunden holen.

Hörerfrage: Im Internet habe ich einen Anbieter mit dem Namen "Weltsparen" entdeckt, der Festgelder zwischen 0,5 - und 2,5 % anbietet. Die höheren Zinsen sind meist von osteuropäischen Banken und angeblich gesichert nach dem Einlagensicherungsfonds. Wie seriös ist denn dieses "Weltsparen"?

Dazu habe ich zu wenige Informationen, aber was ich sagen kann, ist, dass hier auf andere weltweiten Anbieter verwiesen wird, die auf Tages- und Festgeld etwas höhere Zinsen anbieten, als wir sie derzeit in Deutschland haben. Und genau da liegt das Problem: In dem Moment, wo eine Bank pleitegeht, haben wir die jeweilige staatliche Einlagensicherung. Wenn ich eine Bank in Bulgarien habe, die Konkurs geht, dann sind Zweifel angemerkt, ob hier der Staat in der Lage sein würde, die Einlagen an die Privatanleger zu erstatten. Wir empfehlen ganz klar: Hände weg von solchen ausländischen Einlagensicherungen, die jedenfalls von Staaten kommen, die nicht vergleichbar sind mit uns! Wir empfehlen die deutsche Einlagensicherung im Bereich Tages- und Festgeld.

Es gibt Aktien, Immobilien, Fonds - genauso wie Menschen, die sich mit so etwas nicht beschäftigen möchten. Gibt es noch ein halbwegs rentables Sparkonto, welcher Art auch immer?

Ich muss bereit sein meine Hausbank zu wechseln, denn ganz klar ist, die Filialbanken (s. Sparkasse Trier) können durch die EZB-Politik nicht mehr bieten! Das ist einfach so. Die Alternative sind die sog. Direktbanken, die weniger Personal haben. Sie bieten bei gleicher Sicherheit eine Verzinsung, die nicht üppig ist, aber auf alle Fälle oberhalb der Inflationsrate liegt, sodass man auch hier eine kleine Rendite einfahren kann.

Das bringt nur eine kleine Rendite - sollen wir uns dann lieber Häuser oder Immobilienfonds kaufen?

Wenn ich schon eine Immobilie habe, ist das aus meiner Sicht nicht nötig. Dann würde ich eher eine weitere Anlageklasse wählen, nämlich die sogenannte "Aktienklasse", in Form z. B. von einem Aktienfonds, den ich dann beimische.

Wo finde ich da den richtigen Anbieter?

Es gibt tausende von Fonds. Wir von der Verbraucherzentrale empfehlen seit vielen Jahren sog. Indexfonds. Das sind passiv gemanagte Fonds (ETF). Das sind kostengünstige Fonds, die legen entsprechend einem Index an, beispielsweise weltweit, europaweit oder nur in bestimmte DAX-Werte. So wie sich der Index entwickelt, entwickelt sich auch der Fonds. Das ist aus unserer Sicht zwar riskant, aber eine Alternative, wenn man einen langfristigen Horizont für die Geldanlage hat.

... man soll seine Anlagen ja auch streuen...

Ja, es ist ein Mix erforderlich aus Tagesgeld für den Notgroschen, kurzlaufende Festgelder für das absolut Sichere im Portfolio und entsprechend der eigenen Risikobereitschaft ein Zumischen von einem ETF.

Hörerfrage: Lohnt es sich, sein Geld in einer Fremdwährung anzulegen?

Ja, das kann auch mal eine Überlegung sein. Allerdings muss man hier immer beachten: In dem Moment, wo man außerhalb der Eurozone anlegt, hat man ein sog. Währungsrisiko. D. h., es sind die Kurse wichtig, die sich im Vergleich in beide Richtungen entwickeln können. Es ist also nicht etwas ganz Sicheres, sondern auch mit dem Währungsrisiko behaftet. Aber man kann es mit einem kleineren Teil des Vermögens überlegen.

Hörerfrage: Was halten Sie von der Riester-Rente - sollte man sie schon als Berufseinsteiger abschließen? 

Ja, sie wird sehr kontrovers diskutiert und man muss auch ganz klar feststellen, dass es sehr unterschiedliche Produkte gibt, die auch unterschiedlich gut sind. Meine Überzeugung ist: Fangen sie sehr früh an zu sparen fürs Alter und lassen sie sich auch gut beraten, welches Produkt für sie das passende ist. Sehr häufig haben wir Rentenversicherungen, die sehr kostenintensiv sind und gar nicht gut laufen. Aber es gibt Alternativen im Bereich der Fonds-Sparpläne oder Banksparpläne.

Müssen wir bei der Altersvorsorge und den niedrigen Zinsen jetzt alle Panik kriegen?

Panik ist nie ein guter Ratgeber bei der Geldanlage. Wenn ich Sorge habe, ob ich im richtigen Vertrag bin oder etwas umstellen soll, empfehle ich eine Überprüfung beispielsweise bei uns (verbraucherzentrale-rlp.de). Wir checken das und können helfen. Manchmal klingt es schlimm, ist es aber gar nicht so. Häufig hat man ja Verträge - gerade im Bereich der Lebensversicherungen - die eine höhere Garantieverzinsung haben. Da sollte man auf keinen Fall panisch rausgehen. Nicht zu bestreiten ist, dass die Altersvorsorge ein großes Problem hat - hier ist auch die Politik gefordert, um bessere und kostengünstigere Produkte auf den Weg zu bringen.

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