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Gesundheit  Lärm schadet uns sogar im Schlaf

Migräne, Bluthochdruck und Schlaganfälle: Laut Studien kann Lärm der Gesundheit stark zusetzen. Auch nach längerer Zeit gewöhnt sich der Körper nicht an eine permanente Störung der Ruhe. Doch warum ist es so schwierig, sich auf einheitliche Lärm-Grenzwerte festzulegen?

Ein Warnschild zum Tragen von Gehörschutz

Egal ob es sich um quietschende Bremsen, dröhnende Maschinen oder heulende Motoren handelt: Sobald Schall als unangenehm empfunden wird, wird er zu "Lärm". Die Lautstärke ist dabei zwar objektiv messbar - Lärm wird aber immer subjektiv wahrgenommen. Als störend, belastend, belästigend. Psychologen sagen, dass Menschen, die stark auf Lärm reagieren, nicht zwangsläufig überempfindlich sein müssen. Stattdessen wurden sie möglicherweise erst durch intensiven Lärm sensibilisiert. Dabei verhält es sich mit Lärm wie mit starkem Schmerz – an beides kann man sich weder gewöhnen noch dagegen abstumpfen.

Auch unbewusst wahrgenommener Lärm kann krank machen

Erstaunlicherweise wirkt Lärm nicht nur dann negativ, wenn er uns stört: Lärm kann auch krank machen, selbst wenn wir ihn gar nicht bewusst wahrnehmen - nämlich im Schlaf. Geschädigt werden nachweislich sogar Menschen, die sich nach eigener Einschätzung von nächtlichem Lärm unbelastet fühlen. Die erste Studie hierzu wurde bereits 1977 in den Niederlanden durchgeführt. Sie zeigte, dass Menschen, die nachts permanentem Lärm ausgesetzt sind, häufiger unter Bluthochdruck leiden.

Welche Folgen kann Lärm für die Gesundheit haben?

In den vergangenen 35 Jahren wurden zu diesem Thema eine Reihe weiterer Studien durchgeführt – alle bestätigen: die Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt nimmt durch Lärm deutlich zu.

Auch Kopfschmerzen treten häufiger und intensiver auf. Das Risiko für Migräne verdoppelt sich. Lärm wurde als der entscheidende Faktor für die Entstehung und Verstärkung von Hörsturz (Tinnitus) identifiziert. Weitere Untersuchungen belegen gar den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Hyperaktivität bei Kindern. Außerdem können sich lärmgestörte Kinder schlechter konzentrieren und weniger merken.

Verschiedene Regelungen für unterschiedliche Lärmformen

Dass sich Lärm negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist inzwischen unbestritten. Unklar ist jedoch, ab welcher Grenze die Schutzbedürftigkeit der Menschen beginnt. Denn feste Werte, in Form exakter Dezibel-Angaben, gehen aus den bisherigen Studien nicht hervor. Beim Thema Lärmschutz ist die Sachlage generell etwas kompliziert:

Die Pegelwerte der Lautstärke werden in 'dB' (Dezibel) angegeben. Der Buchstabe hinter 'dB' bezieht sich auf unterschiedliche Bewertungsskalen, wobei in der Regel in dB(A) gemessen wird. Änderungen der Lautstärke um ein Dezibel kann der Mensch schwer wahrnehmen; eine Pegeländerung um 10 dB entspricht etwa einer Verdopplung bzw. Halbierung der subjektiv empfundenen Lautstärke.

In Deutschland existieren keine einheitlichen Grenz- und Richtwerte. Und weil man Kinderlachen und Presslufthammer nicht miteinander vergleichen kann, wird nach Art des Lärms bzw. nach Verursacher unterschieden. Für jede Art von Krach gibt es eigene Regelungen und Grenzwerte, beispielsweise für Sportlärm, Industrielärm, Fluglärm, Freizeitlärm oder Baulärm. Während für den Straßenlärm in Wohngebieten tagsüber ein Lärmpegel von 67 dB(A) erlaubt ist, darf Industrielärm dort nicht lauter als 50 dB(A) sein. Flugzeuge dürfen dagegen einen Wert von bis zu 65 dB(A) erreichen. 

Notwendige Studien fehlen

Was fehlt, um die Menschen verlässlich vor Gesundheitsschäden zu schützen, sind wissenschaftliche Beweise für die schädliche Wirkung des Lärms ab einem bestimmten Grenzwert. Doch eine solche Studie wäre extrem aufwendig und kostenintensiv. Denn der Lärmpegel dürfte nicht errechnet, sondern müsste vor Ort gemessen werden. Zudem müssten die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Anwohner individuell und langfristig untersucht und alle anderen Einflussfaktoren für Erkrankungen herausgefiltert werden. Bisher hat noch niemand eine solch umfassende Studie in Auftrag gegeben.

Sabine Gronau; Onlinefassung: Stephan Braig

Quelle: SWR.de - Wissen

Letzte Änderung am: 04.04.2012, 12.45 Uhr