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Achtung: Zecken!  Zecken übertragen Hirnhautentzündung

Das gefährlichste Tier im Land ist nicht die Bulldogge oder das Wildschwein, sondern es ist die gemeine Zecke. Die Zahl der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung hat sich allein in den vergangenen Jahren verdoppelt. Auch der Klimawandel verschärft die Bedrohung für Mensch und Tier. Lesen Sie alles, was wichtig ist, im SWR1 Zecken-Spezial.

Zecken lauern in der Wiese

Zecken lassen sich nicht nur im Wald von den Bäumen fallen, sie lauern auch auf Wiesen. Auch der Klimawandel verschärft die Zeckengefahr: ein extrem kalter Winter oder heißer Sommer macht vielen Zecken den Garaus, bei milden Temperaturen von 8°C werden die Blutsauger aber bereits aktiv. Fachleute gehen davon aus, dass die Zecken deshalb in milden Wintern salopp gesagt, durchgemacht haben. Der Klimawandel begünstigt auch die Verbreitung der Plagegeister.

Süden ist Risikogebiet

Das Robert-Koch-Institut hat daher fast den gesamten Süden Deutschlands zum Zecken-Risikogebiet erklärt. Kein Wunder: Jeder 2. der rund 500 FSME-Fälle im Jahr war in der Vergangenheit in Bayern; jeder dritte in Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz gibt es bisher nur ein ausgewiesenes Risikogebiet im Kreis Birkenfeld.

Rhein gilt als Barriere

Die 7 Kreise in Rheinland-Pfalz, in denen noch nie FSME beobachtet wurde, grenzen zwar an Risikogebiete in Südhessen und Baden-Württemberg, sind von diesen aber durch den Rhein getrennt, und der gilt als natürliche Barriere.

Verbreitung dehnt sich aus, FSME auch in Norwegen

Untersuchungen aus Österreich zeigen, dass der Holzbock inzwischen bei 1.560 m angekommen ist. Das sind klare Indizien für die Ausbreitung im Rahmen des Klimawandels. Auch Richtung Norden bis nach Finnland sind die Zecken schon vorgedrungen. Die von ihnen übertragene Viruserkrankung FSME, die zur Hirnhautentzündung führen kann, ist schon in Südnorwegen festgestellt worden.

Impfung beugt vor

Sorgen macht den Experten, dass nicht genügend Menschen in den Risikogebieten gegen die Viruskrankheit geimpft sind. Rund jeder Zehnte ist nur unvollständig geimpft. Das heißt, die zweite Impf-Spritze für den Langzeitschutz wurde vergessen. Das Risiko, an FSME zu erkranken, ist dann genauso hoch wie ganz ohne Impfung. Fast alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für die komplette Impfung, auch bei Reisen oder Aufenthalten in den deutschen Zecken-Risikogebieten. Lesen sie mehr zum Thema auf der Unterseite "Impfung und Vorbeugung".

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Zecken entfernen

Tipps von Dr. Klaus Gerlach

Jedes Jahr erkranken durch Zeckenbisse mehr als 100.000 Menschen in Deutschland an einer Borreliose-Infektion. Der Biss der Zecken ist gefährlich, also muss sie so schnell wie möglich entfernt werden. Wie, weiß unser Hausarzt Dr. Klaus Gerlach aus Weiler bei Bingen.

Wie mache ich Zecken am besten raus?

Am besten gehe ich in eine Apotheke und besorge mir eine Zeckenzange - und das, bevor die Saison angefangen hat! Die Zange sollte man auch immer dabei haben, wenn man unterwegs ist. Es ist wichtig die Zecken so schnell wie möglich zu entfernen.
Man soll die Zecke mit der Zeckenzange auch raus drehen und nicht ziehen. Dabei sollten sie auch nicht mit einer Pinzette arbeiten. Was ich in der Praxis immer wieder sehe ist, dass der Kopf noch drin steckt. Manche machen auch Klebstoff drauf und versuchen sie dann herauszuziehen - also die alten Hausmittel. Das sollte man auf keinen Fall machen, denn dann müssen wir in der Praxis die Zecke rausschneiden.

Dr. Klaus Gerlach

Dr. Klaus Gerlach

Was ist mit Olivenöl auf die Zecke?

Das ist auch nicht der richtige Weg. Ich kann wirklich nur empfehlen: Zecke entdecken und sie dann mit der Zange entfernen.

Muss man zum Arzt?

Ja, denn es kann nicht nur eine Borreliose-Infektion entstehen, sondern auch eine Hirnhautentzündung. Der Kopf der Zecke muss raus. Es kann auch zu einer Entzündung kommen. Dann kann der Kopf nur mit einem großen Schnitt unter Betäubung entfernt werden und man muss u.U. auch Antibiotika nehmen. Das gilt auch, wenn auch nur ein kleiner Teil des Kopfes in der Wunde bleibt.

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Borreliose

Erkrankungen durch Zeckenbiss

Hochsaison für Zecken - Die kalte Jahreszeit verbringen die kleinen Spinnentiere versteckt, aber sobald es wärmer wird, werden die kleinen Blutsauger aktiv. Sie können Menschen mit Borreliose anstecken. Das tückische: Diese Erkrankung ist schwer zu erkennen und es gibt keine vorbeugende Impfung.

Biss-Folgen

Ein Zeckenstich kann böse Folgen haben: Z.B. Frühsommer-Meningo-Enzephalitis oder Borreliose. Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung. Gegen FMSE kann man sich vorbeugend impfen lassen. Bei Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, geht das nicht. Hier werden durch den Zeckenstich Bakterien (Borrelien) übertragen. Und die können schwere, ganz unterschiedliche Krankheitssymptome auslösen, die z.T. erst Jahre später auftreten. Die Patienten bekommen z.B. Probleme mit den Gelenken, den Augen oder dem Herzen. Deshalb wird Borreliose auch oft nicht sofort als solche erkannt.




Wird die Krankheit zu spät erkannt, kann es zu schweren Folgeerkrankungen kommen. SWR1 hat mit der Sprecherin des Deutschen Borreliose Bundes, Ute Fischer, gesprochen.

Zecke auf Haut

Woran erkenne ich nach dem Stich, ob ich mich mit der Borreliose infiziert habe?

"Direkt nach dem Stich merken sie noch gar nichts. Wenn Sie dann aber nach einer Woche einen Anflug von Sommergrippe bekommen, Nachtschweiß haben, ihnen etwas weh tut oder sich eine rote Stelle rund um den Zeckenstich bildet, der sich vergrößert, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass man eine Borreliose-Infektion erlitten hat."

Frequenztherapie bei Borreliose: Bei der Behandlung werden die Frequenzen auf die Eigenfrequenz der krankheitsauslösenden Bakterien (Borrelien) eingestellt. Es ist keine wissenschaftlich getestete Behandlungsart! Aber laut Aussage von Borreliosekranken aus Selbsthilfegruppen hilft sie, die Beschwerden zu lindern.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich durch einen Zeckenbiss mit Borreliose zu infizieren?

"Man sagt, jede dritte Zecke trägt diese Borrelien in sich."

Warum ist die Borreliose gefährlich?

"Die Borreliose ist eigentlich nicht gefährlich, wenn man sie früh erkennt, diagnostiziert und therapiert. Dann wird man zu 100% geheilt. Gefährlich wird es nur dann, wenn diese Anfangschance vertan wird. Dann kommt es zu einem chronischen Stadium und die Erkrankung wird gefährlich, schmerzhaft und ist nicht mehr heilbar."

Warum wird die Krankheit oft nicht von Ärzten erkannt?

"Weil sich Ärzte oft auf ihr Labor verlassen. Die Labore arbeiten zwar alle ordentlich, aber es gibt 20 verschiedene Labortests und jeder Test fällt ein bisschen anders aus. Wir wissen nach Ringversuchen, dass ein Drittel aller Laboruntersuchungen völlig falsch sind. Und dann machen Ärzte immer noch einen Fehler: Sie schreiben nur den Namen des Patienten auf den Auftrag für das Labor, aber keinerlei Angaben zu dem Hergang, ob z.B. eine Zecke zugestochen hat und welche Symptome der Patient hat. Das würde den Labors bei der Analyse sehr helfen, dass ihre Ergebnisse zuverlässiger sind. Zudem sind ja bei den Labortests keine Borrelien im Blut festzustellen, sondern nur die entsprechenden Antikörper. Diese bilden sich aber erst nach vier bis sechs Wochen. Wer also sofort einen Labortest machen lässt, erhält einen negativen Test und der Patient steckt in der Sackgasse."

Warum kann man sich eigentlich gegen FSME aber nicht gegen Borreliose impfen lassen?

Das ist ganz einfach zu erklären. FSME ist eine Virusinfektion, Borreliose eine bakterielle Infektion. Gegen Viren kann man sich impfen lassen, gegen Bakterien nicht.

Wenn man sich nicht impfen lassen kann, wie kann man sich am besten schützen?

Das Beste ist, sich jeden Abend abzusuchen und zwar abzutasten, denn die kleinen Zecken sind nur 1mm groß, aber man kann sie mit den Fingerkuppen fühlen. Man muss sie sofort entfernen. Wir halten nichts von irgendwelchen Zeckenschutzmitteln, weil die Leute sich dann in völlig falscher Sicherheit wiegen. Es ist wirklich wichtig, sich abzusuchen und dann passiert gar nichts.

Die Parasitologen glauben, dass die Zecke in den ersten 10 Stunden gar keine Borrelien überträgt. Das ist ein relativ großes Zeitfenster, um sich abzusuchen. Zecken überleben bis zu drei Tagen in der Kleidung. Die kriegt man auch durch waschen nicht weg. Also am besten die Sachen in den Trockner stecken.


Ute Fischer / Bernhard Siegmund - "Borreliose: Zeckeninfektion mit Tarnkappe"

Buch

Titel der Reihe:
Borreliose: Zeckeninfektion mit Tarnkappe
Autor:
Ute Fischer, Bernhard Siegmund
Verlag:
Hirzel Verlag
Genre:
Ratgeber
Länge:
190 Seiten
Bestellnummer:
ISBN-10: 3777614785 / ISBN-13: 978-3777614786

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Impfung und Vorbeugung mit Zeckenmitteln

Schutz vor Zeckenbissen

Zecken mögen es nicht heiß, sondern höchstens angenehm warm und mild. Deshalb bedeuten wechselhafte Sommer ideales Wetter für die kleinen Spinnentiere. Hier erfahren Sie, wie Sie sich vor Bissen schützen können und worauf Sie bei der Entfernung einer Zecke achten sollten.

Biologen berichten von außerordentlich vielen Holzböcken auf Wiesen und an Wegrändern. Wer also im Freien war, sollte sich unbedingt nach Holzböcken absuchen lassen und diese schnellst möglich entfernen. Denn erst, wenn sie sich rund 20 Stunden vollgesaugt haben, infizieren sie uns auch mit Borreliose. Anders sieht das mit FSME aus. Trägt eine Zecke die Viren in sich, werden wir bei einem Biss sofort infiziert.

Wie kann man sich vor Zeckenbissen am besten schützen?

Man kann sich einsprühen. Es gibt heute sehr gut verträgliche Mittel auch für Kinder. Vier Mittel wurden von der Stiftung Warentest getestet. Sie können auch, bevor sie in den Garten gehen, untersuchen, ob Zecken da sind. Ziehen sie dafür ein weißes Frotteehandtuch über den Rasen und die Büsche. Wenn im Garten Zecken sind, halten sie sich dann am Handtuch fest.

Mangelhafte Zeckenmittel

Viele der Zecken abwehrenden Mittel aus der Apotheke oder Drogerie sind bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest durchgefallen. 12 von 20 Produkten können nur wenig gegen die Zecken anrichten. Die Testergebnisse von Stiftung Warentest sind online verfügbar. Jeder kann sich die wenigen gut funktionierenden Mittel heraussuchen und nur die kaufen. Die Ergebnisse können Sie hier oder in der rechten Spalte noch einmal nachlesen.

Schutzimpfung

Wer FSME hat, muss die Gehirnhautentzündung durchstehen. Die Ärzte können nur deren Symptome behandeln. Menschen, die in Risikogebieten wie dem südwestlichen Baden-Württemberg wohnen oder dort ihren Urlaub verbringen, wird deshalb eine Schutzimpfung empfohlen. Die ist in drei Teilimpfungen unterteilt und sollte möglichst im Winter durchgeführt werden, weil es einige Monate dauert, bevor der Immunschutz steht. Sorgen macht den Experten, dass nicht genügend Menschen in den Risikogebieten gegen die Viruskrankheit geimpft sind.

Intensiv geforscht wird auch an einer solchen gegen Borreliose, bislang aber erfolglos. Deutschlandweit erkranken jährlich etwa 80.000 Menschen an Borreliose. Rechtzeitig erkannt, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Erfolgversprechend sei die Entwicklung eines ganz anderen Impfstoffs.

Spritze wird aufgezogen

Impfung gegen Zeckenbiss

Es gibt Ansätze, dass man direkt gegen die Speichelproteine des Zeckenspeichels impft und damit bei einem Geimpften später einmal verhindern kann, dass die Zecke überhaupt Blut saugt. Ein echter Zeckenimpfstoff also. Aber bis der auf dem Markt kommt, können noch Jahre vergehen.

Wie sinnvoll ist eine Impfung?

Es ist absolut sinnvoll. Diese Impfstoffe sind sehr gut wirksam und nebenwirkungsarm. Und nach einer abgeschlossenen Schutzimpfung ist man zu 99% geschützt, einhundert Prozent gibt es bei keiner Impfung. Rund jeder Zehnte ist nur unvollständig geimpft. Das Risiko, an FSME zu erkranken, ist dann genauso hoch wie ganz ohne Impfung.

Wer zahlt die Impfung?

Innerhalb Deutschlands nahezu alle Krankenkassen. Auch wenn Sie von Schleswig-Holstein nach Bayern reisen, übernehmen das die Kassen. Sie übernehmen es nicht, wenn es eine reisemedizinische Indikation ist. Also wenn Sie nach Russland, ins Baltikum oder nach Schweden reisen, übernimmt es die Kasse nicht.

Vorsicht beim Zecken-Entfernen

Zecke wird entfernt

Wer ohne Impfung von einer Zecke gebissen wird, kann sich noch bis zu 96 Stunden danach passiv immunisieren lassen. Da diese Impfung den Ausbruch von FSME aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent verhindert, ist der vorbeugende Impfschutz besser. Die Gehirnhautentzündung FSME macht sich 7 bis 14 Tage nach dem Zeckenbiss mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Ähnliche Symptome gibt's auch bei Borreliose. Die kann aber mit Antibiotika bekämpft werden. Wer die Zecken aber schnellst möglichst entfernt, hat Chancen, nicht mit Borreliose angesteckt zu werden. Am besten zieht man sie mit einer Pinzette, die so tief wie möglich angesetzt wird, heraus. Alle anderen Methoden verursachen der Zecke zu viel Stress. Sie erbricht sich dann und infiziert uns. Experten schätzen, dass sich so rund 80 Prozent der Borreliose-Patienten angesteckt haben.

Sabine Schütze, SWR1-Umweltredaktion

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Zeckenschutz beim Hund

Prophylaxe bei Vierbeinern

Wenn Sie Hunde- oder Katzenbesitzer sind, dann wissen Sie, in diesem Jahr herrscht wieder Zeckenalarm. Und die kleinen Krabbeltiere sind nicht nur lästig, sondern sie können auch gefährlich werden, weil sie Borreliose übertragen. Eine Infektionskrankheit, die das Nervensystem und die Gelenke angreift. Deshalb haben wir uns einmal umgehört, wie man den Zecken beim Haustier am besten zu Leibe rückt. Martina Gonser berichtet.

Am wirkungsvollsten sind so genannte Spot-On-Präparate, sagt Franz-Josef Droste. Er ist Tierarzt in Neuhäusel im Westerwald:

Diese Präparate, die auf die Haut aufgetragen werden, lagern sich dann auch nur dort in der Fettschicht der oberen Haut an und werden dann von dort kontinuierlich für 3-4 Wochen abgegeben.

Halsbänder und Zeckenmittel

Ähnlich funktionieren auch spezielle Halsbänder. Aber alle diese Zeckenmittel sind teuer und bieten keinen 100 % Schutz. Da könnte man auf die Idee kommen, es einmal mit dem Mücken- und Zeckenschutzmittel Autan aus der eigenen Hausapotheke zu probieren. Alexandra Busch aus Neuhäusel wollte wissen, ob das funktioniert und hat ihre Spanielhündin damit eingesprüht:

Ich hatte danach mit sehr starkem Durchfall bei ihr zu kämpfen.

Hausmittel gegen Zecken

Franz-Josef Droste ist nicht begeistert, wenn Präparate, die für Menschen gedacht sind, für Tiere angewendet werden. Und das obwohl Autan durchaus an Tieren getestet wurde. Außerdem verfliegt das Mittel sehr schnell und es wird recht teuer, wenn man bei einem großen Tier vor jedem Spaziergang zwei Quadratmeter Hund einsprühen muss. Wer es ganz ohne Chemie probieren möchte, kann das zwar tun, sagt der Westerwälder Tierarzt, er hält aber nicht viel davon:

Es gibt die Theorie das Knoblauch helfen soll oder auch Zitrusöle, Lavendelöle und bioenergetisch behandelte Anhänger, die an das Halsband gehängt werden. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien die belegen, dass diese Präparate wirklich effektiv helfen. Aber wenn jemand das Gefühl hat, dass er etwas aufträgt, das dem Hund hilft, dann ist das gerechtfertigt.

Hund absuchen

Nach dem Spaziergang den Hund absuchen und bürsten ist schon mal nicht schlecht. Wenn sich eine Zecke festgesaugt hat, dann sollte die Zeckenzange zum Einsatz kommen, sagt Tierarzt Franz-Josef Droste:

In den ersten ein bis zwei Stunden hat die Zecke noch keine krankmachende Wirkung. Erst nach zwei bis drei Stunden, wenn sie sich vollgesaugt hat, setzt sie ihren Speichel oder Mageninhalt in die Haut, was dann zu den Entzündungsreaktionen führen kann.

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Schutzimpfung bei Hunden

Borreliose nach einem Zeckenbiss

Mit dem Frühling kommen sie wieder: Die ausgedehnten Spaziergänge mit dem Hund durch den Wald. Und mit dem Frühling beißt sie wieder: Die Zecke. Zeckenbisse können nicht nur uns Menschen gefährlich werden, sondern auch unseren Vierbeinern.

Hund vor Schild "Zeckenwarnung"

Die Borreliose, eine tückische Bakterienkrankheit kann Hunde infizieren. FSME, eine Art Hirnhautentzündung kriegen sie dagegen fast nie. Gegen Borreliose kann ich meinen Hund impfen lassen – doch wie sinnvoll ist das?

Prophylaxe gegen Borreliose

Der Jakob ist geimpft! Wir haben letztes Jahr mit der Prophylaxe angefangen, das sind 3 Spritzen, die er bekommen hat, und wird dann ganz normal mit der Impfung weitergeführt.", sagt Gea Kloos, die ihren Dobermann hat impfen lassen. Sie will ihm die schmerzhaften Gelenkentzündungen ersparen, die Borreliose bei Tieren verursachen kann. Sie weiß aber auch, dass durch die Impfung keine einzige Zecke davon abgehalten wird, ihren Hund zu beißen – die Mainzer Tierärztin Dr. Ulrike Meyer dazu: "Viele Menschen denken, dass wenn sie ihren Hund gegen Zecken impfen lassen – sprich: gegen Borreliose, dass der Hund vor Zecken geschützt ist, und das ist der Kardinalfehler.
Von Zecken gebissen wird der Hund nämlich trotzdem, und: "Zecken können trotzdem Borreliose übertragen – aber wenn der Hund geimpft ist, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass der Hund an Borreliose erkrankt.

Kein Impfstoff für Katzen

Völlig sicher ist diese – im ersten Jahr ca. 60 Euro kostende - Impfung allerdings nicht. Für Katzen gibt es übrigens mangels Impfstoff noch gar keine Impfung. Doch das ist kein Grund jetzt in Borelliose-Panik zu geraten: In den allermeisten Fällen bildet das Tier nach einem Zeckenbiss nämlich eigene Borelliose-Antikörper und schützt sich so selbst. Eine Impfung kann dann im Extremfall sogar die Krankheit ausbrechen lassen.
Deshalb muss jeder Hundehalter selbst entscheiden. Wer seinen Hund oder seine Katze gerade in der zeckenaktivsten Zeit zwischen April und Juli schützen will, der verleidet der Zecke am besten von vornherein den Biss ins Tier, rät Dr. Meyer: "Empfehlen würde ich die Tropf-Präparate, „Spot-on“-Präparate, die ins Genick und auf den Steiß getropft werden beim größeren Hund. Sie wirken immer vier Wochen und schützen recht gut vor Zecken – oft aber auch nicht hundertprozentig. Also bei großen, langhaarigen Hunden hat man nur eine Minderung der Zeckenzahl, nicht unbedingt einen hundertprozentigen Zeckenschutz.

Gewissheit vom Tierarzt

Und was tun, wenn nun trotzdem einer der leidigen Blutsauger im Tier steckt? Mit einer Zeckenzange aus der Haut herausdrehen. Kein Öl oder Kleber auf die Zecke gießen, dadurch sondert sie eventuell nur noch mal extra viele Krankheitserreger in die Bisswunde ab. Und wer danach noch etwas mehr Gewissheit braucht, kann die Zecke zum Tierarzt bringen: Der kann nämlich klären lassen, ob die Zecke überhaupt eine Krankheit übertragen hat.

Marcus Barsch, SWR Umweltredaktion

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr



Achtung: Zecken!Auwald-Zecke

Malaria beim Hund

Die Dermacentor-Zecke, auch Auwald- oder Buntzecke genannt, gilt als der Schrecken vieler Hundefreunde, denn das spinnenartige Insekt mit dem hellen Gitter auf dem braunen Rücken überträgt die gefürchtete Krankheit "Babesiose" auf Hunde.

Dermacentor-, Auwald-, oder Buntzecke

Dermacentor-, Auwald-, oder Buntzecke

Diese Infektionskrankheit ist für den Menschen harmlos, beim Hund kann sie aber innerhalb kurzer Zeit zum Tode führen. Früher kamen die Überträger der auch als "Hundemalaria" bekannten Erkrankung ausschließlich in südlichen Ländern vor. Doch vor allem durch die Klimaerwärmung konnte die Auwaldzecke in den vergangenen Jahren bis nach Deutschland und seit kurzem auch in die Pfalz vordringen.

Krankheits-Verlauf

Nach einem Zeckenbiss dauert es zwischen einer und drei Wochen, bis die Infektionskrankheit auch tatsächlich ausbricht. Dann aber ist ihr Verlauf oft schrecklich. Der Babesiose-Erreger befällt die roten Blutkörperchen der Hunde und bringt sie zum Platzen. Die Organe des Vierbeiners versagen dann innerhalb weniger Stunden. Von Hundemalaria spricht man, weil sowohl der Erreger als auch der Krankheitsverlauf Ähnlichkeit mit der Malaria beim Menschen haben. Tierärzte raten vor allem jetzt im Spätsommer und Herbst zu Wachsamkeit.

Impfstoff noch nicht in Deutschland

Es gibt sogar bereits einen Impfstoff gegen Babesiose. Der ist aber nicht in Deutschland zugelassen, ebenso wie das Medikament, sagt Tierarzt Ullrich Klaffer aus Frankenthal. Gerade kürzlich hat er bei einer Fortbildung die Bestätigung erhalten, dass die Auwaldzecke auch in der Pfalz auf dem Vormarsch ist. Der Tiermediziner selbst hat in seiner langjährigen Praxis allerdings bisher nur zwei an Babesiose erkrankte Hunde behandelt.

Zecken-Muster gut erkennbar

Die Zecken-Männchen sind aufgrund eines hellen Gitters auf dem Rücken gut zu erkennen, bei den Weibchen ist dieses Muster nur ansatzweise zu sehen. Der Experte warnt vor Panikmache. Im Jahr 2006 waren bei Tierärzten bundesweit gerade mal 2200 Babesiose-Fälle gemeldet, über Zwei Drittel waren aus dem Ausland eingeschleppt. Glücklicherweise führt nur ein kleiner Teil der Erkrankungen zum Tod des Tieres. Außerdem lässt sich der Babesiose-Erreger mit einem einfachen Bluttest nachweisen und auch gut behandeln, wenn er rechtzeitig erkannt wird.

Birgit Baltes, SWR1-Reporterin

Letzte Änderung am: 04.04.2014, 16.09 Uhr