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Immer mehr Privatversicherte zahlen ihre Beiträge nicht. Waren es 2010 noch rund 89.000 säumige Kunden, so zählte der Verband der Privaten Krankenversicherungen PKV im vergangenen Jahr 144.000 „Nichtzahler“ – also Menschen, die mehrere Monate hintereinander ihren Beitrag zur privaten Krankenversicherung nicht beglichen haben. Mehr als eine halbe Milliarde Euro (554 Mio.) beträgt das Finanzloch, das den Kassen dadurch entstanden ist. Fragen an Sabine Geipel aus der SWR1-Wirtschaftsredaktion.
Eher letztere Gruppe. Genau kann man das nicht sagen – ich habe unter anderem mit dem Verband der privaten Krankenversicherungen gesprochen als auch mit der Debeka, das ist ja bundesweit die größte private Krankenkasse mit Sitz in Koblenz – und es gibt jetzt in dem Sinne keine Erhebungen darüber, aus welchen Gründen die Kunden ihre Beiträge nicht zahlen. Aber es gibt doch Vermutungen – nämlich dass es sich vor allem um Selbstständige handelt – wahrscheinlich vor allem um junge Selbstständige, die vermutlich mit einem niedrigen Einstiegstarif zur privaten Krankenkasse gelockt worden sind – und die nun die steigende Beiträge nicht mehr zahlen können. Viele private Krankenkassen haben Tarife erhöht – von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weiß ich, dass es da etliche Beschwerden gab zum Jahreswechsel, mit Erhöhungen von 30 Prozent, sogar bis zu 58 Prozent im Einzelfall. Für junge Selbstständige, deren Geschäfte vielleicht nicht so gut laufen wie geplant, sind solche Erhöhungen nur schwer zu verkraften.
Das ist eine schwierige Situation – weil ich als Privatversicherter nicht einfach in die gesetzliche Versicherung wechseln kann – das geht nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Ich kann aber innerhalb der privaten Krankenversicherung in einen niedrigeren Tarif wechseln – diese Möglichkeit besteht immer laut den Kassen– aber: das ist dann aber auch immer mit weniger Leistungen verbunden oder mit einem höheren Selbstbehalt. Und da sollte man sich wirklich genau anschauen, auf welche Leistungen man dann verzichtet – denn das Risiko, krank zu werden, ist ja faktisch immer da. Man kann auch in den so genannten Standard- oder in den Basistarif bei der privaten Krankenversicherung wechseln – dann kann man aber nur die Leistungen, die auch eine gesetzliche Kasse bietet, in Anspruch nehmen – und das auch nicht unbedingt: denn der Arzt ist nicht dazu verpflichtet, einen zum Satz der gesetzlichen Kassen zu behandeln.
Das sind einmal sicher viele Kassen selbst, die mit extrem niedrigen Tarifen Kunden angelockt haben (so nach dem Motto „für 60 Euro im Monat privat krankenversichert“ ) und auch viele Kunden, die sich davon haben verführen lassen – gerade junge sollten ihre Lebensplanung doch einigermaßen überschauen, bevor sie in die private Krankenkasse wechseln – Wenn ich als junger Existenzgründer noch nicht absehen kann, wie sich meine Einkommensverhältnisse entwickeln, dann sollte ich die Private meiden. Letztendlich ist auch der Gesetzgeber mit Schuld an den gestiegenen Nichtzahlern – denn seit 2009 gibt es die gesetzliche Verpflichtung, sich zu versichern – früher wurde Kunden, die ihre Beiträge nicht gezahlt haben, gekündigt – das geht nun nicht mehr – und das schlägt sich dann in der Statistik nieder.
Letzte Änderung am: 31.01.2012, 09.32 Uhr