Sie kapseln sich gern ab und leben in ihrer eigenen Welt. Es geht um Menschen mit Autismus. Es handelt sich um eine angeborene Entwicklungsstörung mit ganz unterschiedlichen Gesichtern: Viele Autisten sind geistig behindert und benötigen Hilfe. Andere sind normal intelligent. Der Welt-Autismus-Tag am 2. April lenkt den Blick auf Menschen mit autistischen Störungen. Zumal die Unterstützung für sie vielerorts noch nicht optimal ist. SWR1-Redakteur Armin Angele über eine Frau, die mit Asperger-Autismus leben muss.

In ihrem Kopf ist manchmal ein Durcheinander aus Geräuschen und visuellen Eindrücken. Nora ist Autistin. Die 32jährige hat eine ganz eigene Wahrnehmung der Welt. Im großen und ganzen kommt sie klar, doch im Alltag gibt’s immer wieder mal Probleme: Ich wohne in meiner eigenen Wohnung, mache auch meine Einkäufe selber. Ich putze selber, ich erledige meine Wäsche. Aber außer Haus habe ich schon erhebliche Probleme. In erster Linie treten sie durch die vielen, auf mich einströmenden Reize auf. Lautstärke, die vielen Lichteffekte, der Informationsinput und die vielen Bewegungen...
Das stresst sie sehr. Dann geht gar nichts mehr. Sehr schwer fällt ihr der Umgang mit anderen Menschen. Das Verstehen der Absichten, Verhaltensweisen und Reaktionen meines Gegenübers. Ich merke nicht, wenn ich etwas anderes verstehe als mein Gegenüber sagte. So werden aus kleinen Missverständnissen dann schnell große Katastrophen.
Sie bräuchte ständig eine Art Übersetzer, der ihr erklärt, was genau ihr Gegenüber meint. Sie versteht andere Menschen oft nicht. Deshalb zieht sie sich gern zurück. Überspitzt ausgedrückt sage ich manchmal, ich gehe mindestens einmal die Woche einkaufen, um an der Kasse "Auf Wiedersehen" zu sagen, damit meine Stimme nicht einrostet. Ich habe keinen wirklichen Freundeskreis.
Dabei ist Nora intelligent. Sie hat Abitur gemacht und danach ein Studium begonnen. Doch das hat sie überfordert. Der Campus war für mich ein einziges Chaos, ein Armeisenhaufen. Da wird sehr viel Verstehen abverlangt und auch zu sortieren, was ist jetzt wichtig und was unwichtig zu lesen. Das hat mich alles überfordert.
Zwei Studiengänge hat sie abgebrochen. Zur Zeit ist Nora erwerbslos. Das strukturierte Arbeiten fällt ihr schwer. Ich hatte es z.B. geschafft drei Ausbildungsplätze zu bekommen, aber acht Stunden in einer Arbeit, in einer fremden Umgebung zu sein mit den Wahrnehmungsstörungen und den fehlenden Struktur - viele Jobs sind verbunden mit Teamarbeit - das sind viele Probleme, mit denen ich nicht zurecht komme...
Keine Frage: Nora würde gern arbeiten: Ich würde schon gerne eine Tätigkeit ausüben mit den Fertigkeiten und im Rahmen dessen, was ich leisten kann. Ideal wäre da ein Job von zuhause aus, den ich meinem Zeitplan anpassen kann.
Nora hat noch Glück. Viele autistische Menschen haben größere Schwierigkeiten und benötigen umfangreiche Hilfen. Das Traurige: Autismus wird oft gar nicht oder erst sehr spät erkannt.
Letzte Änderung am: 31.03.2009, 16.19 Uhr
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