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Sie leiden unter Antriebslosigkeit, haben das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und negative Gedanken kreisen in Ihrem Kopf? Diese Symptome können auf Depressionen hinweisen. Doch wo fängt eine Depression an, wo hört sie auf, was können Angehörige tun? Frau Dr. Claudia Subic-Wrana hat Ihre Fragen beantwortet.
Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation leiden rund 4,5 Millionen Deutsche an Depressionen. Dabei tritt sie bei Frauen doppelt so häufig auf wie bei Männern. Die Medizin bietet jedoch gute Behandlungsmethoden mittels Psychotherapie oder Medikamenten. Bei saisonalen Depression, wie z.B. im Winter, kommt beispielsweise auch die Lichttherapie zum Einsatz. Doch welche Therapie ist für wen geeignet?
Info: Im Kreis Bernkastel-Wittlich gibt es ein regionales Bündnis gegen Depression. Alle Infos unter buendnis-depression.de.
Das Gefühl kennen wir alle: Die Welt ist schlecht! Mit geht’s mies und das wird bestimmt auch nie wieder besser. Übel drauf ist jeder mal, manchmal auch etwas länger, vor allem wenn etwas Schlimmes passiert ist. Ist das dann schon eine Depression oder einfach nur mal schlechte Laune?
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Die Grenze ist manchmal nicht so scharf zu bestimmen. Ich würde aber sagen, dass immer dann, wenn die schlechte Laune sich so ausweitet, dass sie wirklich die Lebensgestaltung einschränkt, von Depressionen sprechen kann. Warnzeichen sind, dass man z.B. über längere Zeit keinen Antrieb mehr hat, etwas zu unternehmen, was man sonst gern getan hat, dass man keine Lust mehr hat, seine Freunde zu treffen, dass man sich nur noch zur Arbeit schleppt, dass man merkt, dass man in immer wiederkehrenden negativen Gedankenkreisen verfangen ist. Diese Warnzeichen sollten einen vielleicht dazu führen, einen Experten aufzusuchen, um dort zu klären, ob man wegen einer Depression behandelt werden sollte."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Bei dem, was Sie schildern, ist wirklich schwer zu entscheiden, was das Problem sein könnte. Ob es sich um eine Studiumskrise handelt oder ob es schon zu einem depressiven Rückzug gekommen ist. Für Eltern ist es in so einer Situation schwer in so einer Krise an ihre Kinder heranzukommen, deswegen würde ich dazu raten, jemanden einzuschalten, zu dem das Kind ein Vertrauensverhältnis hat. Das kann ein Vertrauter der Familie sein, oder der Hausarzt, der die Familie gut kennt."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Bei Behandlung solcher Krankheiten ist es immer so, dass eine Behandlung nur möglich ist, wenn der Betroffene selbst die Bereitschaft hat, sich behandeln zu lassen. Insofern würde ich in so einer Situation immer schauen, ob es irgendjemanden gibt, der in der Lage ist, mit dem Betroffenen zu sprechen und an ihn heranzukommen."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Das klingt wirklich ernst, weil über Beziehungen zu Familienangehörigen, die wenig Verständnis für die PatientInnen und auch keine Bereitschaft, alte Konflikte noch einmal zu besprechen, zeigen, eine depressive Entwicklung gefördert werden kann. Auf der anderen Seite haben Sie an gesprochen, dass die Trennung von so einer wichtigen Person wie der Mutter mit schlechtem Gewissen verbunden ist. Das ist bei jedem so, auch bei jemandem, der nicht an einer Depression leidet. Leidet man allerdings daran, ist die Verarbeitung des schlechten Gewissens umso schwieriger. Es gibt zielgerichtete kurze Therapien, die nur über einen bestimmten Zeitraum gehen und wo man mit einem Therapeuten vereinbaren kann, an was man arbeiten möchte. Ich würde raten, zu überlegen, ob so eine Psychotherapie in Anspruch genommen werden möchte, um noch einmal für sie die Beziehung zur Mutter zu klären und zu entscheiden, wie sie sich zukünftig zur Mutter verhalten will."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Ob das schon depressiv ist, kann ich so nicht entscheiden, weil dazu noch eine ganze Reihe von anderen Symptomen und Merkmale gehören. Ganz generell würde ich Ihnen raten, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Wenn Sie an ihrer Antriebslosigkeit und Gemütsschwankungen so stark leiden, dass es Sie in ihrer Lebensgestaltung einschränkt, ist es wichtig dem nachzugehen und zu schauen, was Ursachen dafür sind."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Hier kann ich nicht schnell entscheiden, ob die Müdigkeit zu einer Depression gehört, weil eine Depression noch durch andere Symptome gekennzeichnet ist. Generell ist bei allen schweren, chronischen Erkrankungen das Risiko, an einer Depression zu erkranken, sehr hoch. Die Depression wiederum vermindert die Möglichkeit, mit der Krankheit umzugehen. Deswegen ist eine psychosoziale Beratung, z. B. in der Ambulanz einer psychosomatischen Klinik in solchen Fällen dringend anzuraten."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Es hört sich sehr danach an, dass Ihr Lebenspartner an einer Depression leidet, mit Hintergrund mehrerer schwerer und schwer zu verarbeitender negativer Lebensereignisse. Am ehesten ist zunächst die Einzeltherapie zu empfehlen, wobei es häufig möglich ist, dass der Lebenspartner partiell in die Psychotherapie einbezogen wird, gerade wenn aktuelle Beziehungsprobleme vorliegen."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Grundsätzlich kann man bei Antidepressiva sagen, dass eine Einnahme über mehrere Wochen möglich ist, bevor überhaupt eine antidepressive Wirkung auftritt. Im Einzelfall würde ich immer dazu raten, mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten, um dort die Probleme zu klären, die rund um das Medikament aufgetreten sind, vielleicht auch um zu entscheiden, ob ein anderes antidepressivwirkendes Medikament hilfreicher wäre."
Dr. Claudia Subic-Wrana: "Sie sprechen ein sehr trauriges Kapitel in der Depressionsbehandlung an, nämlich den Mangel an niedergelassenen Psychotherapeuten, die ausgebildet sind, um diese Erkrankung zu behandeln. Ich kann leider nur den Rat geben, nicht aufzugeben, versuchen sie weiterhin, einen Therapeuten zu finden, der einen Behandlungsplatz, wenn auch erst in absehbarer Zeit, anbieten kann. Es ist sicher von den niedergelassenen Kollegen keine Böswilligkeit, sondern die leiden darunter, dass es einfach zu wenige niedergelassene von ihnen gibt."
Letzte Änderung am: 13.12.2011, 14.57 Uhr