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Gleicher Lohn - von wegen! Lohnungleichheit bei Männern und Frauen

Pünktlich zum Internationalen Frauentag legt das Statistische Bundesamt eine Rechnung vor, nach der Frauen in Deutschland 1/4 weniger verdienen als die Männer. Wie diese Rechnung zu Stande kommt, weiß Prof. Stefan Sell, Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik in Remagen.

Blumen zum Weltfrauentag

Blumen zum Weltfrauentag

Wie ermitteln die Statistiker den Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen?

Prof. Sell: Diese Lohnlücke, die heute zum Weltfrauentag auch wieder durch die Presse geistert, sind die Unterschiede der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste, die Männer und Frauen bekommen. Man hat also geschaut, was alle Frauen im Durchschnitt verdienen und was alle Männer verdienen. Das heißt, dass die Unterschiede, in dem was sie tun, auch in diesen Durchschnitt einfließen.

Das heißt also, Frauen arbeiten oft in schlecht bezahlten Jobs und eben oft auch Teilzeit. Haben Sie aktuelle Zahlen, wie viele Frauen das betrifft?

Prof. Sell: Das ist der entscheidende Punkt für Deutschland, denn Deutschland geht hier einen Sonderweg in der Europäischen Union. Dieser Sonderweg heißt, dass zwar insgesamt immer mehr Frauen gewerbstätig sind, über 62% aller Frauen arbeiten mittlerweile, aber seit Anfang des Jahrtausends geht der Anteil der Vollzeitarbeit in Deutschland im Verglich zu anderen Ländern zurück. Bei uns steigt kontinuierlich der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Was noch problemverschärfened hinzu kommt ist, dass der Anteil der kurzen Teilzeit durch die Minijobs seit Jahren ansteigt. Wir haben mittlerweile die zweitkürzesten Teilzeitarbeitszeiten bei den Frauen in ganz Europa.

Das heißt unter 20 Stunden die Woche?

Prof. Sell: Das heißt deutlich unter 20 Stunden in der Woche. Vor allem eben gefördert durch den Boom der Minijobs.

Das ist ja auch ein Punkt, den die EU-Kommission kritisiert. Wir gehören da EU-weit zu der kleinen Gruppe der Länder mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen. Was muss sich da ändern?

Prof. Sell: Es muss gelingen, dass die Vollzeitbeschäftigung der Frauen ansteigt. Auch wichtig ist, dass wir den Karriereknick, den wir nach der Elternzeit bei den Frauen beobachten müssen, aktiv angehen. Ganz häufig entwickeln sich bis zum ersten Kind die Berufsbiographien bei Männern und Frauen ganz gleichmäßig. Nach der Elternzeit, die nach wie vor allem von den Frauen wahrgenommen wird, geht diese Entwicklung dann nach unten. Frauen verdienen, wenn sie länger als ein Jahr aussteigen, ihr gesamtes Erwerbsleben lang, 10% weniger als Frauen, die nicht ausgestiegen ist. Das zeigt noch einmal die Wirkkraft des Karriereknicks durch Kinder.

Letzte Änderung am: 08.03.2010, 10.00 Uhr

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