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Sie fahren mit umweltbelastendem Schweröl, pusten Unmengen an Schadstoffen in die Luft und sollen eigentlich für den großen Urlaubsgenuss sorgen. Stellvertretend für die Branche der Kreuzfahrtbetreiber sind Michael Thamm, Präsident von AIDA Cruises, und Richard J.Vogel, Vorsitzender der Tui Cruises heute mit dem "Dinosaurier des Jahres" ausgezeichnet worden. Ein Preis, den der Naturschutzbund Deutschland jährlich vergibt - an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in Sachen Umweltschutz besonders negativ hervorgetan haben.
15 Tage Exotische Karibik – entspannt an Deck im Liegestuhl liegen und sich verwöhnen lassen. Auf den Kreuzfahrtschiffen von heute heißt das Rundumversorgung: Swimmingpool, Sportbereich, Wellness, Kino, Kasino. Das ist doch ein tolles Urlaubsfeeling. Und jetzt kommen da wieder diese Umweltschützer und träufeln einem Wermutstropfen in den Cocktail. Kreuzfahrtschiffe seien Luftverpester. Heißt Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff Urlaub mit Gewissensbissen? Es müsste heftig kneifen – das Umweltgewissen bei der Kreuzfahrttour. Um diese auf dem Meer schippernde Kleinstadt in Gang zu halten bedarf es Unmengen an Energie: Klimaanlagen, Fahrstühle, Beleuchtung – von der Schiffstechnik mal ganz abgesehen.
Und es müsste weiter kneifen – das Umweltgewissen. Denn die meisten Passagierschiffe haben für den Antrieb auf hoher See Schweröl getankt. Das, was in den Raffinerien als Rest übrig bleibt. Das, wo dann aber auch die wirklich hohen Konzentrationen von Schwefel, Asche und Schwermetallen drin sind. Kleine Gewissensberuhigung: die Passagierschiffe machen am internationalen Schiffsverkehr gerade mal einen Anteil von acht Prozent aus. Aber: Tendenz seit Jahren stark steigend. Der dicke Batzen am Seeverkehr – das sind Transport- und Handelsschiffe. Aber ihr Problem ist das gleiche wie bei den Kreuzfahrtschiffen: Schweröl im Tank bedeutet Luftverpestung hoch drei.
Aus den Schornsteinen kommen Rußpartikel – schädlich für Klima und Gesundheit. In die Luft gepustet werden Schwefeloxide – schädlich für Pflanzen und Gesundheit – siehe saurer Regen. Und die Motoren der schweren Kähne lassen Stickoxide entstehen – die wirken wie Dünger, lassen die Algen zu heftig wachsen, was Korallen den Lebensraum nimmt. Es kneift – dass Gewissen – wenn man sich von Umweltverbänden vorrechnen lässt, dass so ein Kreuzfahrtschiff so viel Schadstoffe ablässt, wie fünf Millionen Autos auf der gleichen Strecke. Eine „Queen Mary 2“ mit fast 2000 Passagieren verschlingt täglich so viel Energie wie eine Kleinstadt.
Schadstoffemissionen im Schiffsverkehr (im Jahr 2000): 800 Millionen Tonnen CO2 - etwa so viel wie die Luftfahrt. 20 Millionen Tonnen Stickoxid - zehnmal mehr als der Luftverkehr 12 Millionen Tonnen Schwefeldioxid - hundertfach mehr als der Flugverkehr. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Für ein ruhigeres Gewissen fordern die Umweltverbände beispielsweise Rußpartikelfilter, wie wir sie von den Autos kennen, auch für Schiffe. Außerdem könnten Entschwefelungsanlagen und ökologische Hafengebühren Abhilfe schaffen. Am Besten wäre es, wenn die Schifffahrt Treibstoff mit einem deutlich geringeren Schwefelgehalt nutzen würde. Das müssen sie in bestimmten Naturzonen wie der Antarktis oder der Nordsee jetzt schon machen. Aber der ist halt viel teurer und deshalb bleibt man auf höher See lieber bei dem billigen, aber schmutzigen Schweröl.
Alice Thiel-Sonnen
Letzte Änderung am: 22.08.2011, 09.16 Uhr