aus Im Grünen vom Dienstag, 2.11.2010 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Es kann zur Sucht werden: Tag und Nacht durchstöbern sie Felder, Wiesen und Wälder, Schatzsucher mit GPS-Geräten: sogenannte Geocacher. Die Kleinigkeiten im Schatzkästchen tauschen sie gegen mitgebrachte aus, als Beweis, dass sie das Versteck – den „Cache“ gefunden haben. Wer querfeldein auf der Suche nach einem Schatz ist, der achtet aber nicht unbedingt auf schützenswerte Natur. Zudem werden Schätze oft dort hinterlegt, wo sich auch seltene Tiere verstecken, z.B. in alten Bergwerkstollen wie hier in der Eifel.
Dr. Andreas Kiefer, Fledermausexperte vom NABU Rheinland-Pfalz, berichtet von dramatischen Bestandsrückgängen in einigen Fledermaushöhlen. Er hat Kontakt zu Geocachern aufgenommen, die ihren Cache dann immerhin bereitwillig aus dem Internet genommen haben. Ein weiteres Problem ist aber, dass viele gerne nachts auf die Suche gehen. Die Jäger klagen, dass die nächtlichen Schatzsucher das Wild verscheuchen. Auch in der Forstverwaltung macht man sich deshalb Gedanken. Denn auch wenn die meisten Geocacher selbst Naturfreunde sind, ohne es zu wollen können sie im Wald doch Schaden anrichten. Axel Henke von der Landesforstverwaltung kann von einem besonders gravierenden Fall berichten. Auf einer Eiche, tief versteckt im Hunsrück, haben Schwarzstörche ihr Nest gebaut. Diese äußerst seltenen Tiere sollte man in der Brutzeit in Ruhe lassen, aber ausgerechnet hier in der Nähe war ein Cache versteckt, was scharenweise Neugierige anlockte.
Auch in diesem Fall haben die Organisatoren das Versteck im Internet gelöscht – überhaupt zeigen sich Geocacher meist offen für Naturschutz. So weist die Deutsche Wanderjugend auf ihrer Website geocaching.de seit kurzem auf die Winterruhe der Fledermäuse hin, und sie hat die Naturschutzgebiete auf ihren Karten rot markiert. Neuerdings gibt es auch Anbieter für umweltfreundliche Caches, zum Beispiel die Landesforstverwaltung und die Stiftung für Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.
Die hat einen Geocachingpfad in einem Naturschutzgebiet im Hunsrück eingerichtet. Dort müssen die modernen Schnitzeljäger Aufgaben lösen, bei denen sie etwas über das Ökosystem des Naturschutzgebietes lernen. Überhaupt sehen immer mehr Naturschützer den Geocaching-Trend auch als Chance, junge Menschen für Natur- und Artenschutz zu begeistern.
Ansprechpartner: Michael Pütsch
Konstantinstraße 110
53179 Bonn
Tel: 0228/84910
Letzte Änderung am: 02.11.2010, 13.04 Uhr