Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Eishöhlen und -stollen Eisige Abkühlung unter der Erde

Verschwitzte Klamotten, klebrige Haare und jede Menge Schweißperlen auf der Stirn. Bei diesen Temperaturen wünscht man sich Abkühlung und die gibt es auf ganz natürlich Weise. Die SWR1 Reporter Andrea Kaltheier und Gernot Ludwig haben die Lösung gefunden: Eishöhlen und -stollen.

Eisstollen an der Dornburg bei Frickhofen

Joachim Habel aus Frickhofen hält einen tennisballgroßen Eisklumpen in der Hand. Das etwas verharschte Eis hat er aus dem „ewigen Eis“ abgeschlagen: so wird der Eisstollen in der Basaltkuppe genannt. Aus dem Stolleneingang strömt eiskalte Luft heraus – Joachim Habel misst mit einem Thermometer die Temperatur: 25 Grad sind es im Wald – am Schacht gerade mal 3 Grad.

Warm wird kalt

Das Eis im Berginneren entsteht durch Luftströmungen: denn auf dem Berg liegt loses und lockeres Basaltgeröll. Im Winter, wenn es draußen unter 0 Grad kalt ist, ist die Luft innerhalb des Berges wärmer und leichter und steigt deshalb nach oben. Jetzt im Sommer kehrt sich der Effekt um. Von oben dringt warme Luft durch Gesteinsritzen in die Halde ein, die sich anschließend abkühlt.

Kaltes Bier

Entdeckt wurde das im Westerwald einzigartige Phänomen schon um das Jahr 1839 herum, hat der Frickhofener Geograph und Heimatforscher Werner Nink herausgefunden. Damals wurden Basaltsteine aus dem Geröllfeld der Dornburg für den Haus- und Straßenbau abgetragen und weggeschafft. Dabei entdeckte man, dass die Steine auch im Sommer gefroren waren und kam auf die Idee eine Brauerei zu errichten, welche dann die Stollen in die Basaltkuppe treiben lies um dort ihr Bier zu kühlen.

Mystische Sagen

Die Brauerei an der Dornburg gibt es schon lange nicht mehr. Doch die Basaltkuppe ist nicht nur als „ewiges Eis“ in der Region bekannt: denn oben auf dem Bergplateau hatten die Kelten 200 v. Chr. eine Stadt erbaut. Noch heute ranken sich rund um die Dornburg daher auch gerne mystische Sagen. Unter anderem weil am Berg Kompassnadeln nicht wie üblich nach Norden zeigen. Die Erklärung von Heimatforscher Nink:

In der Sage wurde formuliert, dass zwölf goldene Apostel irgendwo im Berg versteckt sind und die sind dafür verantwortlich, dass die Magnetnadel abweicht. Aber wir wissen heute natürlich längst, dass das eine Sage ist. Entscheidend für die Abweichung der Nadel ist, das die Basaltblockhalde hier sehr eisenhaltig ist.

Fakt ist auch: die kleine Eishalde am Stolleneingang ist nicht auf natürlichem Weg entstanden. Der harschige Schneehaufen ist vom vergangenen Winter übrig – denn Gemeindemitarbeiter haben ihn dorthin geschaufelt. Tief im Berginneren, vermutet Naturwissenschaftler Werner Nink, könnte es aber tatsächlich noch echtes Eis geben – möglicherweise Hunderte Jahre alt.

Andrea Kaltheier, SWR Studio Koblenz

Letzte Änderung am: 05.07.2010, 12.18 Uhr

Eishöhlen und -stollen

Rückschau Alle "Reise & Freizeit" - Tipps von A-Z

Sie suchen nach einem bestimmten Thema in dieser Ratgeber-Rubrik? Dann schauen Sie doch mal in unsere Rückschau, vielleicht werden Sie dort fündig! [mehr zu: Alle "Reise & Freizeit" - Tipps von A-Z]