Seite vorlesen:
An Chateauneuf-du-Pape hängen für mich Jugenderinnerungen. Es war einer der ersten Urlaube mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau. Im VW-Bus und wir hatten nichts gegessen. Nur einen kalt gerührte Pudding – weiß ich noch genau. Und dann sind wir durch die Keller gezogen.
Gut, fahren war da nicht mehr, aber im Bus konnte man ja schlafen. Der Ort und sein legendärer Wein stehen heute an. Schließlich nähern wir uns Weihnachten. Vor dem Festtag ist Testtag: 2008er Clos de l’Oratoire des Papes steht auf dem Tisch. 28 Euro bei Jacques Weindepot. Die Flasche hat das typische Papstsiegel ins Glas gepresst.
Dunkles aber dennoch transparentes Purpur-Rot. Also eher farbschwach für einen Chateauneuf. In der Nase ein salziges Karamell, Holz, Vanille, Pfeffer, alles eher zurückhaltend. Diese Herkunft gehörte – vor der Übersee-Inflation - zu den Hammerweinen, den Schlagmichtot-Tropfen. Doch entweder hat sich durch die Wuchtbrummen aus Chile und Australien unser Geschmack verändert oder der Chateauneuf: da kommt ein ganz erfrischender, belebender sehr mineralischer Wein auf die Zunge. Dem merkt man seine 14,5% Alkohol überhaupt nicht an.
Kühle, frische Kirsch- und Himbeerfrucht die eine gewisse Süße im Geschmack zur Folge hat – frische Säure und angenehme Tannine. Die sind noch ein bisschen sandig. Aber der Wein ist für diese Herkunft jung. Ausgewogen und sehr klassisch. Von mittlerem Gewicht und Nachhall. Nun wird man damit nicht glücklich werden, wenn man für das stramme Geld auch einen durchschlagenden Erfolg erwartet. Aber ich bin mir sicher: der macht zum Essen eine sehr gute Figur und er macht selbst nicht satt.
Letzte Änderung am: 15.12.2011, 09.43 Uhr