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Gefährliche Wundermittel Nahrungsergänzung aus dem Internet

Gesundheit online ordern - Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen haben’s probiert und siebzig angeblich natürliche oder pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internethandel genauer unter die Lupe genommen: lauter Präparate, die schlank, fit, stark oder potent machen sollten.

Erschreckendes Ergebnis: Jedes dritte dieser vorgeblichen Wundermittel enthielt illegale und gesundheitsschädliche Stoffe. Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW hat ein solches Diätmittel mitgebracht:  "Dieses war als pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel angegeben, in Wirklichkeit hat es Amphetamin enthalten, das ist ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz."
In einem Kaffee zum Abnehmen entdeckten die Tester Sibutramin, einen Wirkstoff, der bei Herz-Kreislauf-Patienten das Herzinfarkt-Risiko deutlich steigert. In einer anderen Packung, in der die Tester genau diesen Wirkstoff erwartet hätten, fanden sie ihn nicht. Für Verbraucherschützerin Clausen heißt das: "Alle diese Produkte sind unberechenbar. Vielleicht ist in diesem Produkt was völlig anderes drin. Es ist einfach keine Qualitätssicherung, wenn man von Qualität überhaupt sprechen darf, vorhanden."

Internationale Problematik

Die Anbieter der Präparate sitzen häufig im Ausland. In Deutschland wären die meisten der untersuchten Produkte nicht verkehrsfähig. Oft werden sie mit Tricks durch den Zoll geschmuggelt – wie die Abführmittel, die die Verbraucherschützer online gekauft hatten. "Das Ganze wurde dann als Geschenk und als Süßigkeiten und als Q-Tipps auf der Zolldeklaration angegeben. Die Q-Tipps lagen dann als Geschenk noch dabei", so Clausen.
Einige Mittel hatten die Verbraucherschützer über Online-Märkte wie Amazon oder Ebay bezogen. "Wir haben natürlich mit allen Plattformen Kontakt aufgenommen, die Produkte sind dann doch auch jeweils runtergenommen worden. Nichtsdestotrotz finden wir sie dort immer mal wieder auftauchend. Ganz großes Problem: die Marktplätze sind nicht für das verantwortlich, was bei ihnen eingestellt wird, unserer Meinung nach eine große Gesetzeslücke", erzählt Clausen weiter.

Verbesserte Überwachung

Seit dem vergangenen Jahr läuft ein Pilotprojekt, in dem Behörden von Bund und Ländern versuchen, den Handel mit Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln besser zu kontrollieren. Baden-Württemberg war von Anfang dabei. Allerdings geht es da vor allem um deutsche Internethändler. Martin Müller vom Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure: "Jede Hausfrau, die eine neue Geschäftsidee hat, beginnt damit, Dinge ins Internet zu stellen. Vom frischen Lachs bis zum halben Reh bis zum toten Hasen, alles wird im Internet angeboten."
Viele Händler wissen gar nicht, dass sie sich registrieren lassen und Hygieneregeln einhalten müssen. Die Behörden also sind dran. Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands reicht das aber nicht. Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland müsse dringend neu organisiert werden: mehr Geld, mehr Kontrolleure, neue Strukturen und weniger Klein-Klein der Bundesländer. Damit die Verbraucher in Rheinland-Pfalz genauso gut geschützt werden wie die in Baden-Württemberg.

Letzte Änderung am: 19.01.2012, 09.48 Uhr

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