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Es gibt zehntausende von Rebsorten auf der Welt - und das ist auch kein Wunder, denn die Rebe mischt sich willig, wenn man sie auf natürlichem Weg vermehrt: Samen von einer auf die Nabe der anderen Sorte, schon entstehen Samen mit völlig neuen Eigenschaften. Der Mensch vermehrt deshalb Reben nicht über Samen, sondern durch Stecklinge. Da gibt es keine Vermischung, das sind Klone ihrer Vorfahren.
Die hohe Zahl an natürlichen Sorten hat es mit sich gebracht, dass die Winzer jahrhundertelang genug zu tun hatten, aus der Vielfalt die besten Sorten auszulesen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kam dann die Idee auf, durch gezielte Züchtung könnte die Natur noch verbessert werden. Die Ziele der Züchter: höhere Erträge, bessere Weine und einfacherer Anbau.
Neuzüchtungen haben vor allem in Deutschland in den 60 und 70er Jahren große Bedeutung gehabt. Die Mode der süßen, parfümierten, weißen Weine führte dazu, dass neue Sorten in großem Maß angebaut wurden. Der Erfolg hielt aber nicht lange an und seitdem gibt es eine gewisse Rückbesinnung auf klassische Sorten. Dennoch ist die Rebzüchtung nicht müde geworden, neues zu entwickeln – und das weltweit und mit Erfolg:
Pinotage
Südafrikas eigener Beitrag zur Rebenwelt. Die Kreuzung aus Spätburgunder (Pinot) und der südfranzösischen Cinsaut (die auch Hermitage genannt wird – so setzt sich auch der Name Pinotage zusammen) ist mit dem Wein von Kap eng verknüpft. Die Sorte ist widerstandsfähig gegen Krankheiten und bringt ordentliche Weine auch noch bei relativ hohen Erträgen. Wenn man sie sorgfältiger behandelt, dann entstehen auch große Weine. Typisch ist der süßliche, an Lack erinnernder Geruch (Aceton).
Zweigelt
Die Kreuzung von Lemberger und St. Laurent ist in Österreich weit verbreitet, am Markt erfolgreich und nach ihrem Züchter benannt. Im guten Fall kommen der Biss des Lembergers und der Körper des Laurent zusammen. Allerdings wird oft zuviel geerntet und das Ergebnis sind dann herbsaure, helle Weine.
Französische Neuerungen
Die Franzosen schreiben traditionell keine Rebsorten aufs Etikett. Aber sie haben strikte Vorschriften, welche in welcher Region angebaut werden dürfen und welche nicht. Diese Regeln sind recht starr. Dennoch gibt es an der Universität Montpellier große Anstrengungen neue Sorten zu kreieren. Malesan (Cabernet-Sauvignon gekreuzt mit Grenache), Caladoc (Grenache gekreuzt mit Malbec) oder der weiße Chasan (Chardonnay gekreuzt mit Listan) sind Beispiele. Sie werden allerdings nur von mutigen Winzern und als Landweine deklariert angebaut.
US-Züchtungen
Die Amerikaner haben bis in die 80er hinein vor allem versucht billigen Grundstoff für Markenweine zu erzeugen. Dafür wurden ertragreiche, hitzeverträgliche Sorten gezüchtet. Rubired ist ein Beispiel. Taucht kaum jemals auf dem Etikett auf, sondern wird für Portwein-ähnliche Weine und Verschnitte verwendet. Ruby Cabernet (Carginan gekreuzt mit Cabernet Sauvignon) liest man schon eher.
Deutsche Rote
Auch wenn weiße Neuzüchtungen in Deutschland nicht eben im Trend liegen: bei den Roten sieht das ganz anders aus. Die Erfolgsrebe schlechthin ist der Dornfelder (über zwei Generationen aus vier klassischen Sorten zusammengekreuzt). Ein dunkler, „mediterraner“ Wein. Er bringt auch bei höheren Erträgen noch angenehme Weine, läuft dann allerdings zunehmend Gefahr blass in Farbe und Charakter zu werden.
Die Sorte Regent macht in jüngerer Zeit von sich reden. Diese weitgehend pilzfeste Sorte (braucht wenig Chemie) liefert kräftige, gerbstoffbetonte Weine. Sie wurde vor 40 Jahren gekreuzt aus roten und weißen Sorten, wird seit rund 20 Jahren angebaut und hat seit 1996 die Zulassung als Qualitätsweinsorte. Die natürliche Abwehr gegen Pilzkrankheiten ist nicht völlig sicher. Deshalb spritzen konventionelle Winzer die Reben trotzdem – wenn auch deutlich weniger als andere Sorten. Die Regentreben haben aber auch den Vorteil frosthart zu sein und früh zu reifen.
Der Rotwein-Boom und vor allem die Nachfrage nach Cabernet Sauvignon beflügeln eine Reihe von Züchtungen mit dieser Sorte, die auch in Deutschland angebaut werden. Cabernet-Dorsa, -Cubin, -Dorio, und -Mitos sind Beispiele.
Letzte Änderung am: 12.10.2011, 11.40 Uhr