Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Torsten Milsch - "Mutti ist die Bestie"

Die heimliche Diktatur vieler Mütter

Dr. Torsten Milsch forscht zum pathologischen Mutter-Kind-Verhältnis und hat einige kontroversen Thesen entwickelt. SWR1-Moderator Detlef Budig hat mit dem Facharzt für Psychiatrie über den Dämon Mutter gesprochen.

Buch

Titel der Reihe:
Mutti ist die Bestie
Die heimliche Diktatur vieler Mütter
Autor:
Torsten Milsch
Verlag:
Piper Verlag
Produktion:
12. März 2013
Preis:
19,99 Euro
Bestellnummer:
ISBN-10: 3492055281

Mutti ist die Bestie. Wie kann dieser Titel denn verstanden werden?

Der Untertitel gibt ein wenig Aufschluss: Die heimliche Diktatur vieler Mütter. Es handelt sich also um eine Auseinandersetzung mit einer bestimmten Art der matriarchalen Fürsorge. Nämlich eine solche, die den Nachwuchs zur Abhängigkeit erzieht und ein Leben lang umklammert, hin zum anderen Extrem der totalen Vernachlässigung oder der Gewaltanwendung.

Wie entsteht ein abhängiges Mutterverhältnis?

In solchen Fällen sind die Mütter oftmals in sehr beengten, ausweglosen Verhältnissen aufgewachsen, ohne eigene Wahlmöglichkeiten. Das wird auf die Erziehung übertragen, wobei die Kinder dieses Beziehungsmuster in den ersten 4-6 Jahren internalisieren. Wenn sie keine Alternativen in Form von Papa, Tante, Oma oder eines guten Lehrers entdecken, bleiben sie an die Mutter fixiert. Gerade in der frühen Lebenszeit kann dies geschehen, weil die Kinder noch in absoluter Abhängigkeit und letztlich völlig hilflos und ohnmächtig sind.

Ab wann wird's problematisch?

Zu einem ungesunden mütterlichen Verhältnis kommt es, wenn es keinen Raum gibt, um ein eigenes Gefühl bzw. eine eigenständige Regung gegen die "Diktatur der Mutter" zu äußern, ohne gleich eine manipulative Antwort von der Mutter zu erhalten à la "Das ist falsch", "Das macht Mutti krank" oder "Mutti hat dich bald nicht mehr lieb"...

Vor allem die Drohung mit Liebesentzug ist höchst manipulativ und für das Kind am abträglichsten. Das Kind möchte nämlich unter allen Umständen geliebt werden, und für diese Liebe tut es alles, sogar auf das eigene Leben zu verzichten.

Was tun, wenn man im Erwachsenenalter immer noch stark bemuttert wird?

Im ersten Schritt muss man sich dessen überhaupt bewusst werden. Zum Zweiten muss man sich fragen, ob man etwas ändern möchte, und wenn ja, ob man die Kraft dazu hat, sich von der Mutter zu befreien. Zum Dritten sollte man sich dabei persönliche Hilfe holen, weil ein solcher Prozess länger dauert als die meisten glauben, um eine eigene Basis mit eigenen Freiräumen und Grenzen zu entdecken, die die Mutter nie zugelassen hat. Ein Raum, in den die Mutter ohne eigene Zustimmung keinen Zugang hat.

Und was sollen wir der Mutter am Muttertag schenken?

Dr. Torsten Milsch empfiehlt: Ganz viel Liebe. Das sei genau das, was der Mutter fehle, denn sie könne sich nicht selber lieben.

Letzte Änderung am: 08.05.2013, 11.52 Uhr