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Altkleiderindustrie Altkleiderspenden - sie machen die Armen noch ärmer!

Ein Kreislauf des Wahnsinns!

Was passiert eigentlich mit der Kleidung, die in den Altkleidercontainern der Hilfsorganisationen landen? Nur ein kleiner Teil kommt in den Kleiderkammern, zum Beispiel des Deutschen Roten Kreuzes. Davon gibt es 32 in Rheinland-Pfalz. Der größte Teil landet bei Textilreceyling-Unternehmen. Journalist Michael Höft hat den Weg der Altkleider bis nach Afrika verfolgt.

Sie waren für Ihre Recherchen auch im Osten Deutschlands in einer großen Fabrik, in der Altkleider sortiert werden. Wie funktioniert denn so eine Fabrik?

Michael Höft: "Das ist die Fabrik Soex, die in Bitterfeld-Wolfen ansässig ist. Und das ist die größte Fabrik in ganz Europa, die überhaupt sortiert - was Größeres gibt es nur in Amerika. Sie ist gigantisch. Dort kommen jeden Tag Massen von LKWs rein, die Altkleider dort "reinschütten". Und das wird sortiert.
Insgesamt sind das rund 700.000 Tonnen Altkleider, die in Deutschland gesammelt werden. Davon kommen rund 85.000 Tonnen zur Firma Soex und dort sind unglaublich viele Leute, die die Kleider aus den Tüten kippen. Und dann wird sortiert: T-Shirts zu T-Shirts, Hose zu Hose etc. Das Wichtigste für die Leute da ist sogenannte "Creme-Ware", die beste Ware. Die wird gleich aussortiert, weil damit am Ende das wirkliche Geld gemacht wird."

Was passiert mit den Sachen, die nicht mehr zu gebrauchen sind?

Michael Höft: "Es ist kaum etwas nicht mehr zu gebrauchen. Selbst das, wo wir sagen würden "Das ist schon sehr schäbig...", geht auch noch nach Afrika und wird da verkauft. In diesen Kontinent geht überhaupt nur die 3. - 4. Wahl. Die 1. und 2. Wahl gehen meist eher in den Nahen Osten und nach Russland, weil sie besser bezahlen können. Was am Ende übrig bleibt, wird geschreddert und zu Briketts gepresst oder teilweise als Dämmstoff für Auto verwendet. Das ist aber letztendlich für die Firmen ein Minusgeschäft - und das wollen Firmen, wie die Soex, natürlich vermeiden."

Sie sind den Altkleidern bis Tansania in Afrika hinterher gereist. Welche Auswirkungen hat es denn auf die Menschen dort, dass unsere abgelegten Hosen, Pullis und Schuhe dort landen?

Michael Höft: "Man muss dazu sagen, dass in Tansania die größte Textilindustrie Afrikas existiert hat. Noch vor 10 Jahren hatten sie dort noch sehr große Fabriken und dort für den lokalen, afrikanischen und amerikanischen Markt produziert. Seitdem die Altkleider in Massen dort ins Land geströmt sind, gibt es keine Absatzmärkte mehr. Dann konnte die Textilindustrie in Tansania nicht überleben."

Das heißt, wie machen mit unseren Spenden, die Armen noch ärmer?!

Michael Höft: "Das muss man so sagen. Ja!"

Wenn ich die Kleidercontainer der Hilfsorganisationen noch fülle, dann will ich ja auch etwas Gutes tun - was soll ich machen?

Michael Höft: "Das ist natürlich ein Riesenproblem! Bei so gut wie allen Containern geht die Kleidung nach Afrika, weil das Aufkommen von Altkleidern so groß ist, dass es hier überhaupt keinen Bedarf mehr dafür gibt. Textilien sind so billig geworden in Deutschland, dass man sie einfach neu kaufen kann. Das ist die Perversion an der ganzen Geschichte. In Bangladesch oder Indien leider irgendwelche Kinder, die billige Klamotten für uns nähen. Dann wird es nach Deutschland geschafft - z.B. eine Jeans für 9,99 Euro - und man braucht sie nur drei Monate zu tragen, weil es dann die nächste Mode gibt, und schmeißt sie einfach in den Altkleider-Container. Damit verseucht man obendrein noch die afrikanischen Märkte damit. Ein Kreislauf der Wahnsinns!"

Letzte Änderung am: 23.01.2012, 16.16 Uhr

Altkleiderindustrie

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