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Die Liebe - man kann sie auch lernen! Einen guten Umgang in der Beziehung, in der beide glücklich sind, darüber hat SWR1 mit der Fachfrau Bärbel Wardetzki gesprochen. Sie ist Psychotherapeutin und aus ihrem Praxisalltag kennt sie Beziehungsprobleme in allen Variationen.
Bärbel Wardetzki: "Sie kommen zu mir, weil sie mit ihren Beziehungen nicht mehr zufrieden sind, dadurch Symptome entwickeln - sei es psychosomatische, sei es Essstörungen oder Suchterkrankungen. Und sie kommen, weil die Beziehung oftmals an eigene, persönliche Probleme kommt, die sie vorher gar nicht gemerkt haben, wie z.B. Selbstwertprobleme."
Bärbel Wardetzki: "Es sind Menschen, die sich trauen einen neuen Weg zu gehen und die sich auch eingestehen können "So wie es bisher gelaufen ist, möchte ich nicht mehr, dass es weiter geht". Sie sind aus der Verschleierungsphase raus, wo wir alle noch sagen "Ach, das geht schon irgendwie..." . Die merken "Nein, ich leide und ich hab keinen Bock mehr". Und deshalb hol ich mir Hilfe."
Bärbel Wardetzki: "Ja - man hat mal festgestellt, dass Männer eine Beziehung als eine "Haben-Beziehung" empfinden. Ich habe eine Beziehung und es ist doch alles in Ordnung. Frauen sehen eine Beziehung eher als ein Organismus, an dem man arbeiten muss. Und deshalb kommen Männer und Frauen oftmals nicht zusammen, weil die Frau sagt "Du, ich hab hier ein Problem, ich möchte mit Dir darüber reden..." und er sagt "Wieso? Es ist doch alles in Ordnung!". Dann steht die Frau natürlich im Regen und der Mann fühlt sich bedrängt."

Bärbel Wardetzki: "Sehr häufig die Frau. Sie sind irgendwie noch ein bisschen mutiger an dieser Stelle. Aber es kommen auch immer wieder Männer bei Kränkungen und Beziehungsproblemen. Wenn Männer mal anfangen, über sich nachzudenken, dann finden sie auch eine ganze Menge an Wertschätzung in sich selbst. Es geht bei Therapie ja oft darum, dass man die Wahrnehmung verändert und plötzlich merkt "Hej, ich muss ja gar nicht so groß auftreten - ich bin ja einfach gut!"."
Bärbel Wardetzki: "Sehr wichtig! Ich glaube, dass im Gespräch zu bleiben eine der wesentlichen Grundlagen ist, um eine gute Beziehung zu leben."
Bärbel Wardetzki: "Es kommt darauf an, welche Kommunikationsstruktur dieses Paar hat. Wenn sie sowieso immer miteinander reden und sagen, dass etwas nicht so gut läuft, dann haben sie es viel leichter so etwas anzusprechen, als wenn Paare schweigen aus Angst, es könnte ein Konflikt kommen. Bei vielen Frauen ist es ja so, dass sie sagen: "Wenn ich jetzt sage, was mir nicht passt, dann habe ich Angst, dass der Mann sich trennt". Bei den Paaren ist es sehr viel schwieriger, weil dann kommt sowas wie "Du, ich muss mal mit Dir reden...". Dann wird es dem Partner schon ganz eng, weil er sich denkt "Um Gottes Willen, jetzt hab ich bestimmt was falsch gemacht...". Von daher ist es besser, wenn man im Kontakt miteinander im Alltag diese Dinge anspricht und dann guckt, ob man mehr Zeit füreinander - und dann setzen wir uns zusammen, wenn wir beide das Gefühl haben, jetzt möchten wir darüber reden."
Bärbel Wardetzki: "Ich glaube, dass die Frau einfach den Mut haben muss zu sagen "Mir passt hier was nicht - das möchte ich Dir gerne sagen". Das Beste ist, wenn
- sie von sich redet
- dem Mann sagt, was ihr Probleme macht
- was sie sich wünscht
- und dann den Mann in Ruhe lässt und nicht von ihm erwartet, dass er sofort darauf reagiert.
Geben sie ihm die Chance sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu sagen "Wenn Du für Dich klar hast, was Deine Antwort ist, dann komm bitte wieder auf mich zu". Das kann 2-3 Wochen oder einen Monat dauern, aber dann gibt man dem anderen die Möglichkeit, sich in das Thema einzustimmen. Bei der Frau läuft es ja schon ganz lange intern ab und der Partner hat keine Ahnung davon. Also wird er sich nicht unter Druck gesetzt fühlen, wenn er selber Zeit bekommt und sich mit dem Thema auseinander setzt."
Letzte Änderung am: 11.01.2012, 10.50 Uhr