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Nach aktuellen Schätzungen muss jeder vierte Schüler in Deutschland Nachhilfe nehmen - Tendenz steigend. Wir sagen Ihnen, warum der Nachhilfemarkt boomt und was Schüler und Eltern beachten sollten, wenn sie Nachhilfe nehmen.
Mit Mathe, Deutsch und Latein lässt sich richtig Geld verdienen. Zwischen zwei bis drei Milliarden Euro verdienen die Nachhilfeinstitute daran. Immer mehr Schüler brauchen Nachmittags privaten - und vor allem bezahlten - Unterricht. Wir fragen SWR1-Redakteurin Petra Wagner nach den Gründen.
Können die Lehrer den Stoff nicht mehr ordentlich vermitteln oder sind die Schüler etwa dümmer als früher?
"Nein, das sicher nicht. Die steigende Nachhilfe hat viele Gründe. Zum Beispiel machen Eltern mehr Druck: Schon Grundschüler werden in die Nachhilfe geschickt, damit sie nach der vierten Klasse die Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Auch Gymnasiasten nehmen prozentual viel eher Nachhilfe als Hauptschüler. Zum einen liegt dass daran, dass die Eltern hier mehr dahinterstehen und zum anderen haben viele Fächer an der Universität einen Numerus Clausus und stehen nur Schülern offen, die ein gutes Abitur hinlegen."
Nachhilfe kostet zwischen 50 und 150 Euro im Monat, das müssen sich die Eltern erst einmal leisten können. Müsste die Schule nicht eigentlich so organisiert sein, dass Nachhilfe überflüssig ist?
"Sicher, politisch kann so viel und vor allem so dauerhafte Nachhilfe nicht gewollt sein, denn die Chancengleichheit leidet tatsächlich: Wer Eltern mit Geld hat kommt weiter, die anderen haben Pech gehabt, wenn sie etwas nicht verstehen. In Rheinland-Pfalz wird in der Ganztagsschule einiges aufgefangen, in vielen Schulen gibt es Hausaufgabenhilfen. Fakt ist aber auch und darüber beschweren sich sowohl Gewerkschaft als auch Lehrerverbände, dass in vielen Fällen die Klassen mit 30 Schülern zu groß sind. Der Lehrer hat dann kaum Zeit, Sachverhalte so lange zu erklären, bis es auch der letzte kapiert hat. Und von individueller Förderung, die eigentlich vom Land gewünscht ist, kann dann keine Rede sein."
Wenn Nachhilfe nötig ist, wie viel ist dann sinnvoll?
"Die meisten Experten sagen, dass kurzfristige Nachhilfe kein Thema ist und auch sehr hilfreich sein kann. Nachhilfe kann auch bei einem Thema in der Schule etwas bringen, das dem Schüler überhaupt nicht liegt. Aber zu viele Nachhilfestunden können auch kontraproduktiv sein. Viele Schüler verlassen sich nämlich auf den Nachhilfelehrer und versuchen erst gar nicht, dem eigentlichen Unterricht zu folgen wenn es kompliziert wird. So nach dem Motto: 'Was soll ich mich hier anstrengen, heute Nachmittag bekomme ich es sowieso noch einmal erklärt'. Das ist sicher nicht Sinn der Sache."
Letzte Änderung am: 09.04.2008, 09.55 Uhr
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