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Kommentar  Der selbstgemachte Freizeitstress

Bundesarbeitsministerin von der Leyen ist überzeugt: Beschäftigte sollten wenigstens am Wochenende von Mails und Anrufen ihrer Chefs geschützt werden. Die CDU-Politikerin fordert "glasklare Regeln", wann ein Arbeitnehmer erreichbar sein muss. Sicher ist: Wer nie vom Job abschaltet, kann in die Burnout-Falle tappen. Aber viele Betroffene sind daran selbst schuld.

Ein Kommentar unseres Hauptstadtkorrespondenten Klaus Sturm

Ich freue mich ja immer, wenn eine Ministerin mal einfach so Recht hat: Neue Technik sei nichts Schlimmes, sagt Ursula von der Leyen. Wir müssten eben nur lernen, damit umzugehen. Unrecht hat sie aber leider, wenn sie denkt, dass die Telefon-Junkies und Erreichbarkeits-Wahnsinnigen genau das jetzt noch lernen könnten. Ob der Chef oder der Kollege nach Feierabend noch mal kurz anruft und fragt, ob alles so bleibe wie besprochen – das ist im elektronisch-kommunikativen Umgang miteinander und gegeneinander sicherlich das kleinere Problem.

80 Prozent aller Handy-Telefonate sind inhaltsleer

Zu viel Druck macht krank
12,5 Prozent aller betrieblichen Fehltage sind auf seelische Erkrankungen zurückzuführen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer. Wichtigste Ursache sei der wachsende Druck am Arbeitsplatz. Durch die daraus resultierenden hohen Fehlzeiten schaden Arbeitgeber sich und ihrem Unternehmen jedoch letztendlich selbst. Denn die Zahl der Fehltage durch seelische Erkrankungen habe sich in den letzten 12 Jahren fast verdoppelt, so die Studie der Kammer [hier geht's zur Studie].

Es ist schon erstaunlich, wie erfolgreich eine einzelne Branche eine schier unverzichtbare Nachfrage schaffen konnte, die es vor 20 Jahren noch nicht gab und nicht geben musste. Bei aller persönlichen Verzweiflung darüber kann ich den Mobilfunk-Firmen eine gewisse Bewunderung leider nicht versagen. Niemand braucht die Information, dass Inge pünktlich zum Tee kommen wird, oder dass Johannes jetzt gerade den S-Bahnhof Bellevue erreicht hat. Im besten Fall haben die beiden mit wem auch immer eine Verabredung getroffen, alles klappt und ein jeder möge schweigen. Aber 80 Prozent aller mobil geführten Telefonate haben nach meiner persönlichen, nicht repräsentativen Statistik genau diese Leere als Inhalt.

Es könnte eine schönere Welt sein - ohne ständige Erreichbarkeit

Und es macht auch keinen Sinn, dass Vorstand Demmler den Prokuristen Huber anruft, um zu erfahren, ob der schon die Mail bekommen und gelesen habe und was er nun dazu meine. Huber würde sich schon bei Demmler melden, sonst hätten die beiden ein ernsteres Problem. Es könnte eine schönere Welt sein: Die einen rufen nicht an, die anderen sind nicht erreichbar und trotzdem passiert alles so, wie es einmal besprochen war. Und auch wenn ich mehr oder weniger weit weg im Urlaub bin, muss ich nicht wissen, ob die Schraubenlieferung an Prinzke und Sohn auf dem Weg ist oder ob es noch einen Termin mit Demmler gibt. Den ich nicht wahrnehme, weil ich ja – genau: im Urlaub bin.

Ein Handyakku ohne Saft macht frei

Es gab schon früher, in einer Zeit vor dem Rufmichan-5000-Billigtarf, Menschen, die auch mitten in der Freizeit erreichbar sein mussten: Notärzte in Bereitschaft vielleicht oder die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr von Häuselkamp und anderen Orten. Ich kann sagen: Das hat auch gereicht. Und immer wenn mein Mobiltelefon wieder der Akkuschwäche erliegt, stelle ich fest: Es würde heute immer noch reichen.

Kommentar: Klaus Sturm, Online-Redaktion: Andreas Braun

Quelle: SWRinfo

Letzte Änderung am: 12.06.2012, 10.52 Uhr

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