Seite vorlesen:
Der gute alte Rocker – am Ende waren seine Haare etwas zu lang, und seine Hosen saßen doch ein bisschen eng.
Er hatte sich einfach überlebt – reichlich abgestanden, so wie das Bier, das er trank.
Die Totenkopf-Schnalle am Gürtel – irgendwie von Gestern.
Gut, bei den Jungs im Truck Stop konnte er noch ein wenig den Fürsten der Finsternis mimen – aber er spielte immer die gleiche Platte ab und blieb samt seinen Naht- und Nietenklamotten letztlich in der Nachkriegszeit stecken.
Früher hatte er ’ne Harley Davidson und ’ne Triumph Bonneville, verglich die Zahl seiner Freunde mit der Anzahl der Zündkerzen, die er durchgeheizt hatte –und hofft immer noch inständig, dass das ewig so weitergeht.
Aber tatsächlich ist er der Letzte, der von der alten Rocker-Gang übriggeblieben ist, die anderen Kumpels liegen allesamt an der Kette: verheiratet, drei Kinder, Reihenhaus an der Stadt-Tangente – die haben doch geradewegs ihre Seele verkauft.
Ein paar von denen kurven jetzt mit kleinen Sportflitzern herum und machen im Tennisclub einen drauf – sonntags wird gesoffen, montags wird geschafft.
Ihre Blue Suede Shoes liegen längst auf dem Müll – zu alt für Rock’n’Roll und zu jung zum Sterben ...
Der alte Rocker holt das Mopped raus, will noch mal richtig auf die Pauke hauen, bevor er sich vom Acker macht – die A 1 hoch Richtung Scotch Corner, so wie immer.
Jetzt fliegt er, Tränen in den Augen, der Wind verschluckt seine letzten Worte vor der Schlusseinstellung.
Er kreuzt mit 200 Sachen die Vorfahrtstraße – Bremsen ist nicht ...
Er war vielleicht zu alt für den Rock’n’Roll, aber noch zu jung zum Sterben – nein: man ist niemals zu alt für Rock’n’Roll, solange man zum Sterben zu jung ist!
Letzte Änderung am: 01.02.2012, 11.56 Uhr