Seite vorlesen:

Gerade neulich kam ein kleiner Junge zur Welt – wie das halt so vorkommt. Aber dann musste man unbedingt noch dieses Flugzeug erwischen und jene Rechnung bezahlen und und und.
Als er laufen lernte, war ich gerade unterwegs, und ich bekam auch nicht mit, wie er anfing, zu sprechen. Und irgendwann sagte er: „Weißt du was, Papa? Eines Tages bin ich genau wie du.“
All diese Geschichten vom Kätzchen in der Wiege und vom silbernen Löffel, vom traurigen Bübchen und vom Mann im Mond...
„Wann kommst du nach Hause, Papa?“ – „Ich weiß es noch nicht, aber wir werden dann auf jeden Fall viel Spaß zusammen haben.“
Gerade neulich wurde mein Sohn zehn Jahre alt. Er sagte: „Danke für den Ball, Papa! Komm, wir spielen zusammen – zeigst du mir, wie man ihn wirft?“ – Ich sagte: „Heute nicht, ich habe eine Menge zu tun.“ – Und er sagte: „Schon gut.“ Dann ging er lächelnd fort und murmelte: „Eines Tages werde ich wie er sein.“
Gerade neulich kam er vom College zurück – er war ja ein richtiger Mann geworden! – „Junge, ich bin stolz auf dich! Setz‘ dich doch mal her zu mir.“
Aber er schüttelte lächelnd den Kopf: „Ich möchte eigentlich nur deinen Autoschlüssel – bis später!“ – „Wann kommst du denn zurück, Junge?“ – „Weiß ich nicht, Papa. Also bis dann!“
Ich bin jetzt schon eine ganze Weile im Ruhestand, und mein Sohn ist ausgezogen. Neulich rief ich ihn an und sagte: „Wenn du nichts dagegen hast, würde ich dich gern mal wieder sehen.“ – „Würde ich auch gern, Papa“, sagte er. „Aber in meinem neuen Job gibt’s derzeit nur Ärger, und die Kinder liegen mit Grippe im Bett. Aber schön, dass wir miteinander gesprochen haben.“
Und als ich auflegte, habe ich plötzlich realisiert: er ist genauso geworden wie ich!
All diese Geschichten vom Kätzchen in der Wiege und vom silbernen Löffel, vom traurigen Bübchen und vom Mann im Mond...
Letzte Änderung am: 16.04.2010, 11.33 Uhr