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Pop & Poesie Johnny Cash – "One Piece At A Time"

Ich verließ Kentucky im Jahr 49, um in Detroit am Fließband zu arbeiten.
Im ersten Jahr ließen sie mich Räder an Cadillacs montieren.

Täglich sah ich diese Schönheiten vorüberziehen und manchmal ließ ich traurig den Kopf hängen, weil ich auch schon immer so etwas Langes und Schwarzes haben wollte.

Eines Tages entwarf ich einen Plan, um den mich eigentlich der Rest der Menschheit beneiden müsste: Ich würde den Schlitten eigenhändig in meiner Frühstücksdose herausschmuggeln!
Klar, wenn ich erwischt würde, würde ich gefeuert.
Aber ich stellte mir vor, dass ich bis zur Rente alles zusammenhaben würde, und dann hätte ich ein Auto, das mindestens 100 Riesen wert wäre!

Ich werde das Stück für Stück bewerkstelligen, und es wird mich keinen Cent kosten.
Und wenn ich eines Tages durch deine Stadt komme, weißt du sofort, dass ich es bin.
Ich fahre äußerst stilvoll vor und mache sie alle verrückt, weil ich weit und breit der einzige bin, der so ein Ding hat.

Gleich am nächsten Tag kreuzte ich mit meiner Riesen-Frühstücksdose auf, und mit Unterstützung meiner Freunde verließ ich an diesem Tag die Fabrik mit einer Büchse voll Zahnrädern.
Ich betrachtete mich nicht als Dieb – General Motors würde so ein kleines Teil nicht vermissen, vor allem nicht über eine ganze Reihe von Jahren.

An einem Tag war es eine Benzinpumpe, am folgenden Tag ein Motor und ein Kofferraum, dann ein Getriebe und alle Chromteile.
Kleinere Teile wie Muttern, Schrauben und alle vier Stoßdämpfer transportierte ich in meiner großen Frühstücksdose.
Das große Zeug schafften wir mit dem Wohnmobil meines Kumpels raus.

Soweit lief alles nach Plan – bis wir eines Abends versuchten, die Dinger zusammenzusetzen.
Da merkten wir, dass etwas grundsätzlich nicht stimmte:
Das Getriebe stammte aus einem 1953er-Modell, aber der Motor war, wie sich herausstellte, ein 73er. Wir fanden keine Löcher zum zusammenschrauben.

Also bohrten wir selber so lange, bis es passte, und unter Zuhilfenahme einiger Adapter lief der Motor bald wie am Schnürchen.
Ein echter Hingucker waren die Vorderlampen – links Doppelscheinwerfer, rechts nur einer, aber als wir den Schalter betätigten, leuchteten alle drei!

Auch das Endstück sah irgendwie komisch aus, und als wir es schließlich zusammengeschustert hatten, merkten wir, dass wir nur eine Heckflosse hatten.
Zu diesem Zeitpunkt schaute meine Frau vorbei.
Ich sah ihr zwar an, dass sie gewisse Zweifel hegte, aber sie öffnete die Autotür und sagte: „Schatz, lass uns eine Spritztour machen!“

Wir fuhren in die Stadt, um Nummernschilder zu besorgen,
und als ich das Schmuckstück über die Hauptstraße steuerte,
hörte ich, wie ganze Häuserblocks lachten.
Auf der Zulassungsstelle lachten sie allerdings nicht, denn sie mussten das gesamte Personal einspannen, um den Fahrzeugtyp zu klassifizieren, und als sie schließlich fertig waren, wog der Fahrzeugbrief etwa einen Zentner.

Ich hab es halt Stück für Stück bewerkstelligt, und es hat mich keinen Cent gekostet.

Puh – das gehört zu einem „Red Ryder“, und mit diesem Stück „Cotton Mouth“ wird daraus ein „Psychobilly Cadillac“.
Man könnte sagen, dieser Rasenmäher ist ein „Cotton Mouth“, der aus Gründen der Kostendämpfung zum „Red Ryder“ umgebaut wurde.
Ich habe ihn direkt im Werk abgeholt, das kommt billiger.
Wie – welches Modell?

Nun, ein 1949er, 50er, 51er, 52er und so weiter und so weiter-
Wo waren wir stehen geblieben? 73er?

Christian Pfarr

Letzte Änderung am: 27.12.2007, 11.37 Uhr

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