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Wenn Mr. Grand Prix anfängt zu singen, dann hat keiner im Publikum mehr Augen für irgendjemand anderen. Johnny Logan ist ein Entertainer – durch und durch. SWR1-Musikredakteurin Deborah Schamuhn hat ihn für uns getroffen.

Johnny Logan
Schwarze Lederhose und eine leicht zerzauselte blonde Haartolle: Johnny Logan hat gestern noch bis spät in die Nacht ein Konzert gegeben. Ein bisschen müde ist er deshalb schon – schließlich gibt er auf der Bühne immer alles. Trotzdem ist Johnny Logan auch jetzt bestens aufgelegt und plaudert, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Ein sympathischer Mann, auch wenn er sich auf seine drei Grand-Prix-Siege so einiges einbilden könnte – zwei hatte er als Sänger, einen als Songschreiber für Irland. Doch bei seinem ersten Auftritt 1980 mit „What´s another year“, da ging es Johnny Logan fast wie unserer Lena:
Das war ein Schock! Eigentlich war ich schon stolz, einfach nur dabei zu sein. Ich hatte keine Ahnung, was geschah. Als die Abstimmung lief, kamen meine Chor-Sängerinnen zu mir und sagten: 'Hej, du wirst gewinnen!'. Ich sagte: 'Seid still, ich will nichts hören!'. Als es dann so weit war und ich gewonnen hatte, bin ich zu dem portugiesischen Sänger gegangen und habe ihm einen dicken Kuss gegeben - das war ein berühmter Typ damals. Ich war so froh, gewonnen zu haben und erleichtert, da tat mir jeder leid, der nicht gewonnen hatte. Und dann habe ich mich dem irischen Hochsprung-Team angeschlossen - sechs Monate bin ich nur noch herumgesprungen.
Dass er es einmal so weit schaffen würde, das hätte sich Johnny Logan in seinen kühnsten Jugendträumen nicht vorstellen können. Für ihn gehörten nämlich die Pubs und Nachtclubs zur musikalischen Realität.
Ich brauchte Geld. Ich war noch sehr jung und hatte aber schon Kinder und Verantwortung. Also bin ich abends losgezogen und habe im Pub traditionelle irische Musik gemacht. Ich habe mir einen Anzug angezogen und im Nachtclub gesungen. Nach Mitternacht bin ich dann noch in den Rockclub gegangen und habe dort mit einer Band gespielt. Das machte am Ende ungefähr 25 Pfund am Abend. Wenn ich das dreimal in der Woche machen konnte, war es genug, um davon zu leben.
Nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg kassierte Johnny Logan natürlich einiges mehr. Doch von diesem Geld hatte er selbst nicht viel. Für ihn folgte auf den ersten Hype, der private und dann auch der finanzielle Absturz:
Mir wurde jeder Penny geklaut. Ich musste sogar mein Haus verkaufen. Vor dem Grand Prix hatte ich mehr Geld als danach. Ich hatte drei Manager und die bekamen sich in die Wolle - und ich mittendrin! Alles auf meine Kosten. Viereinhalb Jahre hat das gedauert und ich musste schließlich wieder in Dublin in den Nachtclubs auftreten. Um da wieder rauszukommen, musste ich den Grand Prix eben noch einmal gewinnen.
Klar, einfach mal so den Song Contest zum zweiten Mal gewinnen... Ganz so leicht, wie es sich im Nachhinein anhört, dürfte es dann doch nicht gewesen sein. Aber der Plan ging auf: „Hold me now“ brachte Johnny Logan den zweiten Sieg und auch seinen Spitznamen „Mr. Grand Prix“. Kein Wunder also, dass diese beiden Songs bis heute bei seinen Konzerten nicht fehlen dürfen.
Letzte Änderung am: 09.06.2010, 15.41 Uhr